gernot schulz : architektur und reicher haase associierte gewannen den 1. Preis im Wettbewerb für das neue Servicehaus des Studierendenwerks und die städtebauliche Ordnung des Unicenterparkplatzes. © gernot schulz : architektur und reicher haase associierte

gernot schulz : architektur gewinnt den Wettbewerb für den Parkplatz am Unicenter

Studieren an der Kölner Uni ging lange Zeit nur für ästhetisch Hartgesottene: windige Freiflächen, isoliert gesetzte Institutsgebäude, dazwischen Trampelpfade und eine vierspurige Schnellstraße. Und ein riesiger Parkplatz, samstags mit Schnäppchen-Flohmarkt.

Doch die Zeiten ändern sich. Die UzK – Universität zu Köln – ist Exzellenz-Uni und hat eine Zukunftsperspektive. Und einen Masterplan, den Hochschulstandortentwicklungsplan 2011 – 2025. Für den Unicenterparkplatz hatten die Universität zu Köln und das Kölner Studierendenwerk einen Realisierungswettbewerb mit städtebaulichem Teil ausgelobt, der nun entschieden ist.

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„Die vorgeschlagenen Baukörper entwickeln eine angenehme rhythmische Platzfolge, welche dem universitären Leben schöne Aufenthaltsmöglichkeiten bietet“ – ein Zitat aus dem Protokoll der Jurysitzung. © gernot schulz : architektur und reicher haase associierte

 

1. Preis gernot schulz : architektur aus (Köln) und reicher haase associierte (Aachen)

Der gemeinsame Entwurf der Büros gernot schulz : architektur aus Köln und reicher haase associierte aus Aachen gewann den ersten Preis in einem Wettbewerb mit 23 Teilnehmern.

Der städtebauliche Entwurf betrifft ein Areal von ca. 12.200 qm. An der Universitätsstraße sieht er einen kleinen Platz vor, korrespondierend mit der Freifläche vor dem neuen Berufskolleg des Erzbistums Köln auf der anderen Straßenseite. Im weiteren Verlauf sind die Gebäudeflanken zur vierspurigen Strassentrasse geschlossen. Im Inneren des Areals entsteht eine Folge von kleinmaßstäblichen Plätzen. Die neuen Gebäude fügen sich in ein System der öffentlichen Durchwegung.

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Piktogramm der Durchwegung des Areals. Eine einheitliche Bauhöhe stärkt den Quartiersgedanken. Die drei zusammenhängenden Atriumgebäude zur Parkseite hin sind die bereits gesetzten Neubauten für die Chemieinstitute. © gernot schulz : architektur und reicher haase associierte

 

Verwaltungsgebäude des Studierendenwerks

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Ein geschossweise versetztes Atrium erlaubt Sichtbeziehungen im Gebäude, die die Orientierung unterstützen. © gernot schulz : architektur und reicher haase associierte

 

Ein weiterer Teil des Wettbewerbs war die hochbauliche Realisierungsplanung für das studentische Servicehaus mit circa 8.250 qm BGF. Im Entwurf von Gernot Schulz binden Lufträume jeweils zwei bis drei Geschosse zusammen und schaffen eine offene, loftartige Raumstruktur. Wendeltreppen führen hinauf und hinab und vielfältige Blickbeziehungen machen es sehr leicht, sich im Gebäude zu orientieren. Die fünf Geschosse über dem Erdgeschoss bieten größtenteils die noch überwiegend gewünschten Büros in Zellenstruktur, lassen sich aber auch zu einem „open-space-Konzept“ verändern.

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Schnitt durch das Verwaltungsgebäude M 1:200. © gernot schulz : architektur und reicher haase associierte

 

Außenwände, Stützen und Kerne bestehen aus hellem Ortbeton. Im Inneren soll mit Glaswänden und möbelartigen Einbauten der transparente und dynamische Charakter des Dienstleisters betont werden. Auch das Fassadenmaterial ist heller Sichtbeton. „Die sehr funktionale, fast puristische Bürostruktur setzt sich im äußeren Erscheinungsbild mit vornehm-zurückhaltender Fassadengestaltung fort. Geschossweise vorspringende Betonelemente mit gleichbleibendem Rhythmus überzeugen mit wohltuender Ruhe,“ lobt das Preisgericht.

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Fassadendetail am Verwaltungsgebäude des Studierendenwerks. © gernot schulz : architektur und reicher haase associierte

 

In zwei späteren Bauabschnitten werden auf dem Areal weitere Verwaltungsgebäude für die Universität und Neubauten für das Department Chemie sowie ein Institutsgebäude entstehen.

2. Preis architecture + aménagement s.a. (Luxemburg)

Die Fassadenidee des Zweitplatzierten, architecture + aménagement s.a. aus Luxemburg, zeichnete die Jury als „studierenden-nah“ aus, „indem sie Konventionen bricht, experimentell erscheint.“ Anders als der Gewinnerentwurf setzen die Luxemburger eine weitgehend geschlossene Gebäudekante an die Universitätsstraße, nur unterbrochen durch einen schmalen Hof.

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Der 2. Preis ist für architecture + aménagement s.a. aus Luxemburg. © architecture + aménagement s.a.

 

3. Preis wittfoht architekten (Stuttgart)

Der Drittplatzierte, wittfoht architekten aus Stuttgart, entwickelt drei unabhängige Baukörper für die drei vorgesehenen Bauabschnitte. Mit einem kräftigen, ruhigen Solitär als Sitz des Studentenwerks, der die Fluchten der Berrenrather Straße und der Neubauten der Chemie aufnimmt.

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Der 2. Preis ist für architecture + aménagement s.a. aus Luxemburg. © architecture + aménagement s.a.

 

Anerkennungen gingen an HPP, Düsseldorf und E2A Piet Eckert und Wim Eckert, Zürich.

Die Universität zu Köln gibt sich eine neue architektonische Fassung, die ihrem inhaltlichen Anspruch gerecht werden soll. Städtebaulich gesehen ist es sehr zu begrüßen, dass hier eine Füllung hinkommt – der leere Parkplatz zu Füßen des Unicenterblocks hatte eine abschreckende, soghafte Leere. Zusammen mit dem Neubau des erzbischöflichen Kollegs sind wichtige Fortschritte erzielt für die stadträumliche Fassung der Universitätsstraße auf diesem Abschnitt zwischen der Berrenrather und Luxemburger Straße.

 

Ira Scheibe

 

 

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