Ideen für den Deutzer Hafen: Blick Richtung Norden über das Hafenbecken, © Visualisierung: Cobe

Zwischenpräsentation der Entwürfe zum Deutzer Hafen

Das kooperative Verfahren hat sich in Köln mittlerweile etabliert. Zahlreiche Bürger verfolgen die vielen Großprojekte, die sich im Moment in der Entwicklung befinden und beteiligen sich an Diskussionen um Rahmenbedingungen und Aufgabenstellungen für die Planer. Viele Themen ziehen sich durch die Diskussionen und werden von Projekt zu Projekt weiter geführt. Wie es sich im Köln der Zukunft wohnt und lebt kommt derzeit immer wieder auf den Prüfstein der Stadtgesellschaft. Der Druck für eine Stadt wie Köln ist eben hoch. Auch das neue Stadtquartier am Deutzer Hafen ist ein wichtiger Stadtbaustein, der in den kommenden Jahren Wohnungen für 4500 Menschen und noch mehr Arbeitsplätze beherbergen wird. Am letzten Wochenende wurden in einer Zwischenpräsentation Entwürfe und Vorschläge zum Deutzer Hafen diskutiert, die von fünf Planungsteams seit Februar entwickelt werden. Eines ist klar: dieses Stück Stadt vis-a-vis des Rheinauhafens hat keine leichten Rahmenbedingungen.

 

Aurora und der Sonnenstern

Die Ellmühle ist und bleibt in allen Entwürfen als Landmarke des Deutzer Hafens weit sichtbar. Einige der Entwürfe lassen ausdrücklich die Nordspitze frei, um den Blick von der Stadt aus zu stärken. Im Nordosten des Gebietes ist damit ein bestehender Gewerbebaustein einzuplanen und ganz deutlich zu erweitern, der über viele Jahrzehnte dem Deutzer Hafen seine Identität gegeben hat. Entlang der Siegburger Straße wird eine aufgewertete und wichtige Achse entstehen, in der vor allem gearbeitet wird und die mit dem Bestand umzugehen weiß. Noch wichtiger ist aber die Frage nach dem Hochwasserschutz, der Erweiterung von Retentionsflächen und dem Bezug zwischen Hafenbecken und Wohnquartier. Und dann ist da noch die starke Lärmbelastung, die von der Südbrücke ausgeht. Kein Wunder also, dass die Präsentation und die anschließenden Diskussionsrunden in der Essigfabrik noch viele Fragen offen lassen. Dennoch zeigen die Entwürfe schon deutlich ganz verschiedene Ansätze, um mit dem ehemaligen Hafengebiet umzugehen:

 

01 Diener Lageplan

Lageplan Deutzer Hafen, © Visualisierung: Diener + Diener

 

02 Hafenbecken Diener

Ausschnitt Hafenbecken, Visualisierung: © Diener + Diener

 

Viel Grün zeigt das Konzept des Schweizer Architekturbüros Diener & Diener in seinem Lageplan. Das Team möchte gemeinsam mit Vogt Landschaftsarchitekten die Poller Wiesen um einen Volkspark erweitern. Diese schöne Idee zugunsten des Freiraums schränkt aber die Bebauungsmöglichkeiten sehr ein und führt zu einem flächenmäßig kleinen Wohnquartier, welches dann umso höher bebaut werden muss. Zwischen fünf und acht Geschossen entstehen rund um das Hafenbecken, das Erdgeschossniveau wird deutlich angehoben, um dem möglichen Hochwasser zu begegnen. Das Hafenbecken selber kann für die Gemeinschaft genutzt werden: Neben schwimmenden Gärten und Kulturschiffen schlagen die Planer sogar eine Kita und ein Schwimmbad auf dem Wasser vor.

 

COBE

03 Cobe Visualisierung

Blick Richtung Norden über das Hafenbecken, © Visualisierung: Cobe

 

04 Cobe Lageplan

Übersichtsplan, © Visualisierung: Cobe

 

Das internationale Büro Cobe hat sich offensichtlich viel mit der Geschichte des Ortes auseinandergesetzt. So kamen sie zu der Idee, auf die ursprüngliche Situation des Deutzer Hafens als Insel zurückzugreifen: das Büro möchte den alten „Schnellert“, der als Rheinarm ehemals das Hafenbecken angebunden hat, wieder aktivieren. Zusätzlich werden weitere Gebäude und Krankonstruktionen erhalten. Es entsteht eine bunte Mischung aus alt und neu, Industrie und Wohnen sowie verschiedenen Gebäudetypologien. Um den großen Höhenunterschied zu überwinden, der die Bebauung bei normalen Wasserständen vom Hafenbecken trennt, schlagen sie ein Zwischendeck vor, welches viele Möglichkeiten für eine Nutzung bereithält.

 

Carsten Lorenzen

05 Lorenzen Lageplan

Lageplan, © Visualisierung: Lorenzen

 

06 Lorenzen Visu

Blick Richtung Norden, © Visualisierung: Lorenzen

 

Carsten Lorenzen, der seinen Bürositz ebenfalls in Kopenhagen und Berlin hat, entwickelt den Deutzer Hafen eher von innen her. Ihm ist die Verzahnung zwischen Ost- und Westbebauung über das Hafenbecken wichtig. Zwei breite Plattformen verbinden das Quartier untereinander und mit den Poller Wiesen. Gleichzeitig laden sie zum Verweilen auf dem Wasser ein. Direkt am Hafenbecken entwickelt er mit seinen Kollegen von becht aps landscape architecture einen grünen Quartiersmittelpunkt: ein Central Park ergänzt den Freiraum der Poller Wiesen um eine urbane Grünfläche. Damit entstehen zwei unterschiedliche Wasserkanten, die sich gut ergänzen.

 

Scheuvens + Wachten

07 Wachten Lageplan

Lageplan, Visualisierung: © Scheuvens + Wachten

 

08 Wachten Modell

Modellfoto Scheuvens + Wachten, Foto: rk

 

Wie einige Planungsteams integriert das Dortmunder Büro Scheuvens + Wachten die im Masterplan angedachte Fuß- und Radwegbrücke über den Rhein in ihr Konzept. Sie wird mit einer weiteren Brücke über das Hafenbecken fortgesetzt und bildet so eine kurze Verbindung zwischen den Stadteilen am rechten und linken Rheinufer für Fahrradfahrer und Fußgänger.Das Planungsteam setzt ansonsten auf eine robuste Bebauungsstruktur, die immer wieder Fugen zu den Poller Wiesen eröffnet und damit das Wohnquartier stark an den Rhein anbindet.

 

Trint + Kreuder

09 Trint Lageplan

Lageplan, Visualisierung: © Trint + Kreuder

 

10 Trint Visu

Wimmelbild, Visualisierung: © Trint + Kreuder

 

Das Kölner Büro Trint+Kreuder möchte den Deutzer Hafen zu einem sehr dichten und lebendigem Wohnviertel entwickeln. Typisch für den lokalen Bezug steht die Südstadt als Pate für eine kleinteilig und stark gemischte Blockstruktur. Die Planer möchten, dass jeder einzelne Block den geforderten Anteil an Sozialwohnungen, die Mischung zwischen Wohnen und Arbeiten sowie das Hochwassermanagement selber vorhält. Ein spannender Gedanke, der weiter verfolgt werden sollte. Um den Lärm von der Bahn fern zu halten, wird das Quartier nach Süden hin komplett mit einer Quartiersgarage abgeschottet. Mit ihren Partnern Greenbox  Landschaftsarchitekten entwickelten auch sie schwimmende Decks für vielfältige Nutzungen sowie Pegelhöfe, die das Hochwasser je nach Stand bis in die Innenhöfe der Wohnstrukturen lassen.

Perspektive

Nun geht das Projekt weiter: am 23. September 2016 wird es die öffentliche Abschlusspräsentation geben, bevor der Rat über die weitere Entwicklung entscheidet. Bis dahin haben die Planungsteams noch viel zu tun.

Ragnhild Klußmann

 

Weitere Informationen unter www.stadt-koeln.de/deutzer-hafen

Rückfragen unter deutzer-hafen@stadt-koeln.de

 

 

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