Maria Schwarz 2011 © Foto Elke Wetzig (Elya) - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=15425461

Interview: Architektur mit Annette Krapp über ihre Dissertation "Die Architektin Maria Schwarz"

koelnarchitektur im Gespräch mit Annette Krapp, die am Kunsthistorischen Institut der Universität Bonn bei Professor Hiltrud Kier eine Dissertation über die Kölner Architektin Maria Schwarz geschrieben hat.

 

Frau Krapp

Dr. Annette Krapp © Foto privat

Frau Krapp, was weckte Ihr Interesse an Maria Schwarz?

Annette Krapp: Mein Interesse an Maria Schwarz hat Professor Hiltrud Kier geweckt, die sich grade mit Maria Schwarz beschäftigt hatte, als ich ein Thema für meine Dissertation suchte. Ich habe ihr gesagt, dass ich gerne wieder über Architektur schreiben würde und sehr gerne auch über ein Frau und da brachte sie uns zum großen Entsetzen von Maria Schwarz zusammen …

 

 

Warum so großes Entsetzen?

Weil Maria Schwarz zunächst gar nicht wollte, dass man sie und ihr Werk wissenschaftlich betrachtet, sie hat sich anfangs sehr dagegen gesperrt und war absolut gegen ein Händescheiden, was die Kunsthistoriker so gerne machen…

Was genau hätte das bedeutet?

Dass man genau untersucht, was an den Entwürfen sie und was ihr Mann gemacht hat. Kunsthistoriker wollen immer gerne nachweisen, wer wo seine Finger im Spiel gehabt hat und das liegt überhaupt nicht in Maria Schwarz‘ Interesse.

Schließlich konnten Sie sie doch noch überzeugen, sie wurde sogar zu Ihrer wichtigsten Quelle?

Ohne Maria Schwarz als Quelle hätte ich diese Arbeit nicht schreiben können. Es hat jedoch Jahre gedauert, sie davon zu überzeugen, dass das gut ist, und dass ich durch die Beschäftigung mit ihr nicht an der Ehre von Rudolf Schwarz kratzen möchte. Einig war ich mit ihr, dass gemeinsames Gestalten Dinge hervorbringt, die einer alleine nie so entwickelt hätte. So gibt es Bauten und Ideen, die Maria Schwarz gemeinsam mit ihrem Mann entwickelt hat, bei denen man heute nicht mehr herausfinden kann, wer welche Idee zuerst in die Planung eingebracht hat.

 

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Tierzeichnungen Pfau, Entwürfe für Fußböden oder Fenster um 1949–1955 Maria Lang © Zeichnung Maria Lang um 1946, Archiv Maria Schwarz

 

Maria Schwarz (damals Maria Lang) wurde 1921 geboren. Als sie ihr Architekturstudium in Aachen 1941 aufnahm war dies noch sehr ungewöhnlich für eine Frau. Woher kam ihr Interesse an der Architektur?

Ihr Vater hatte Architektur studiert, doch nie als Architekt gearbeitet. Allerdings hat er seinen Kindern häufig kleine dreidimensionale Zeichnungen gemacht, mit denen er wohl ihr Interesse daran geweckt hat. Schließlich haben auch ihre Schwester und ihr Bruder in Aachen Architektur studiert. Auch wenn es in dieser Familie also nicht ganz ungewöhnlich war, fand der Vater es zunächst ganz unmöglich, dass seine Tochter Architektur studieren wollte. „Nee, Mädchen, das geht nicht“ habe er zu ihr gesagt. Doch als nach ihrem einjährigen Kriegsausgleichsdienst der Wunsch immer noch bestand, sagte er schließlich „Dann soll das wohl so sein“. Dazu muss man auch sehen, dass sich die Zeit durch den Krieg verändert hatte. Da die Männer nun nicht studieren konnten, war für die Frauen eine Nische entstanden und die Fakultäten waren gar nicht mehr so abgeneigt, sie in den Ingenieurwissenschaften aufzunehmen.

 

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Illustrationen zu Hans Schwipperts Hausrat-Fibel, Zeichnungen Maria Lang 1947, Archiv Buslei-Wuppermann

 

 

Nach dem Studium arbeitete Maria Schwarz im Lehrstuhl und später im Büro von Hans Schwippert. Was nahm sie von dort mit – oder was konnte sie dort beitragen?

Aus ihrer Studienzeit ist wenig erhalten und ich musste mich auf ihre Erzählungen stützen. Sie erzählte mir, dass sie bei Hans Schwippert einmal eine Arbeit eingereicht hatte, die keine Semesterarbeit war, sondern ihre Idee, ein Haus für eine kinderreiche Familie, für das sie alle Möbel und sogar Spielgeräte entworfen hat. Damals schon konnte sie sich sehr gut in die Bedürfnisse anderer Menschen hineinversetzen, und das kann sie bis heute. Und ich glaube, das war es auch, was Hans Schwippert an seiner Studentin interessiert hat, weil es so gut zu seiner eigenen Arbeitsweise passte. In seinem Büro hat sie zunächst vor allem Möbelentwürfe gemacht, beziehungsweise die Möbelentwürfe von Hans Schwippert gezeichnet. Für mich ist es das erste IKEA, denn er hatte, um möglichst schnell möglichst viel Wohnraum zu schaffen, damals schon Einraumwohnungen entworfen und sie mit sehr einfachen und kompakten Möbel eingerichtet, die er sogar zerlegbar geplant hatte, damit sie sich leicht transportieren ließen. Für die sogenannte Hausratfibel von Hans Schwippert, die leider nie veröffentlicht wurde, hat Maria Schwarz alle Zeichnungen angefertigt.

 

Katholische Grund- und Hauptschule Köln Nippes, Bülowstraße 90, 1959–1962, Entwurf Rudolf Schwarz mit Herbert Herrmann und Hilde Strohl, Durchführung unter der Verantwortung von Maria Schwarz, Herbert Hermann und Hilde Strohl; Klassenbauten, Foto 1962 © Archiv Maria Schwarz

 

 

Als sie Rudolf Schwarz kennenlernte, war er zunächst ihr Vorgesetzter, 1951 heirateten sie. Was verband die beiden?

Die Vorstellung bietet sich an, dass das kleine Mädchen zu dem großen Architekten kam. Rudolf Schwarz war schließlich 24 Jahre älter als Maria, etabliert in seinem Beruf, leitete die Wiederaufbau GmbH in Köln, hatte schon erste Schriften publiziert und war durchaus bekannt – und sie war grade eben erst fertig mit dem Studium. Ich habe aber in meiner Arbeit versucht zu zeigen, dass Maria Schwarz schon sehr viel mitbrachte, das für den Wiederaufbau in Köln sehr wichtig war, denn vorher war sie an den Wiederaufbauplanungen für Aachen und Jülich beteiligt und hatte sowohl bei Hans Schwippert wie auch bei René von Schöfer sehr viel gelernt. In Jülich hat sie ganz zentrale Orte mitentworfen und war also gar nicht so unterfahren, wie man vielleicht denken würde. Rudolf Schwarz war kein einfacher Mensch, ein Genie mit Ecken und Kanten und Maria Schwarz war damals – und so ist sie bis heute – eine Persönlichkeit, die dem etwas entgegenzusetzen hat. Ich denke, dass es das war, das ihn angezogen hat. Sie war von seiner Architektur unheimlich begeistert, von dieser klaren Sprache, die sie aus ihrem Studium so nicht kannte, obwohl ihr die Fronleichnamskirche in Aachen natürlich bekannt war – Schwippert hatte daran ja auch mitgearbeitet. Sie erzählte davon, wie sie bei Rudolf Schwarz eingezogen ist und ihre Mutter in Tränen ausgebrochen sei, weil ihre Tochter jetzt in diesem elendigen, schmucklosen Haus ganz ohne Zierrat wohnen musste. Aber eben genau das hat Maria Schwarz begeistert.

 

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Pfarrkirche St. Anna, Düren, Annaplatz 10, links: Turmskizze aus der Zeit des Wiederaufbaus 1951-61 von Rudolf Schwarz, Archiv Maria Schwarz; rechts: Ansicht mit Turm, Foto: Artur Pfau 1965, Archiv Maria Schwarz

 

Was konnten Sie über ihre Entwurfspraxis und ihre Aufgabenverteilung im Büro erfahren? Oder ist das jetzt genau der Punkt über den Maria Schwarz nicht reden wollte …

Doch, es ist ja auch schon vor mir von Julia Runge darüber geschrieben worden, die das an Hand von zwei Kirchen für die Mitarbeiter aus dem Büro Schwarz nachvollzogen hat. Es ist eigentlich sehr schön zu sehen: Von Rudolf Schwarz gibt es nur schnell hingeworfene Skizzen, in denen ein Baugedanke gezeigt wird, der aber nicht ausgearbeitet ist. Dann wurde es zur Aufgabe der Mitarbeiter, dem Gedanken eine architektonische Form zu geben. Es gibt Konvolute von Hunderten von Zeichnungen von Maria Schwarz, von Karl Wimmenauer, von Günter Kleinjohann und anderen, die das belegen. Die Zeichnungen wurden dann wieder auf dem Tisch ausgebreitet und Rudolf Schwarz schaute dann, wer seiner Idee am nächsten gekommen war, damit derjenige den Entwurf unter seiner Begleitung ausarbeiten konnte. Wie er seine Mitarbeiter begleitet hat, kann man an seinen Kommentaren auf den Skizzen sehr schön sehen. So gab im Büro Schwarz sehr unterschiedliche Architekturen, zum Teil wurden sie von Maria Schwarz weiterbearbeitet, zum Teil von anderen Mitarbeitern, wobei der erste Gedanke in der Regel von Rudolf Schwarz stammte. Für St. Michael in Frankfurt beispielsweise stammte der grundlegende Baugedanke allerdings sicher von Maria Schwarz.

 

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Wohn- und Bürohaus Schwarz, Köln-Müngersdorf, Lövenicher Weg 28 1954–1956, Maria Schwarz und Rudolf Schwarz, Bauherren: Maria und Rudolf Schwarz, Bauleitung: Hans Schilling, © Foto o.D., Archiv Maria Schwarz

 

Maria und Rudolf Schwarz waren bis zu seinem Tod 1961 zehn Jahre verheiratet. Ihre Bauten, liest man in Ihrem Buch, nannten sie ihre Kinder. Was genau meinten sie damit?

„Unsere Bauten sind unsere Kinder“ sagte Maria Schwarz einmal zu mir. Die beiden hatten ja keine Kinder, auch wenn sie gerne welche gehabt hätte. Es bedeutete aber, dass sie die ganze Zeit im Büro mitarbeiten konnte, wo die Architektur ganze Tage und Nächte durch diskutiert, entwickelt, gelebt und geliebt wurde – so wie man das sonst mit seinen Kindern tut. Und genau so liegen ihr ihre Bauten am Herzen. Wenn man Maria Schwarz zuhause besucht, gibt es auf der einen Seite den Büroflügel, auf der anderen Seite ist das Wohnzimmer, das eigentlich ihr Arbeitszimmer ist, denn mitten drin steht dort ihr Schreibtisch. Das war nicht geplant, hat sich aber schnell so entwickelt und ist bis heute so.

Nach dem Tod ihres Mannes 1961 führte Maria Schwarz das gemeinsame Büro fort. Wie stellte sich die Situation für sie dar?

Sie selbst sagt, dass es relativ einfach gewesen sei, da die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sofort akzeptiert haben, dass sie das Büro weiterleitet. Es hätte ja auch anders sein können, da sie ja unter Gleichen dort angefangen hatte. Sie stellt es immer so dar, und nie hat einer der Mitarbeiter etwas anderes gesagt. Für alle war sofort klar, dass Maria Schwarz die Leitung des Büros übernehmen würde, um gemeinsam die Bauten zu vollenden. Wobei sie darauf angewiesen war, dass die Mitarbeiter weitermachen, da sie nicht alle Entwürfe so intensiv mitbegleitet hatte wie ihr Mann. Und das finde ich so faszinierend und wenn man bedenkt, wie in dem Büro gearbeitete worden war durchaus nachvollziehbar, dass jeder das, was da gemeinsam entstand auch als sein Kind betrachtete, und das Bedürfnis hatte, die Arbeit zu vollenden.

Und wie ging es weiter nachdem die noch gemeinsam begonnenen Bauten fertig waren?

Zunächst legte Maria Schwarz eine Architekturpause ein, in der sich auch die Mitarbeiter verändert haben. Einige haben sich selbständig gemacht, andere sind im Büro Schwarz geblieben.

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Pfarrkirche St. Bonifatius, Aachen, Mataréstraße 10, 1959–1964 Entwurf: Rudolf Schwarz und Maria Schwarz, Durchführung: Maria Schwarz, Innenansicht zur Altarinsel, © Foto Artur Pfau 1964, Archiv Maria Schwarz

 

Hat sie denn in der folgenden Zeit noch eine eigene Architektur entwickelt?

Sie hat, denke ich, schon bei den gemeinsamen Entwürfen Dinge entwickelt, die unmittelbar mit ihr zusammenhängen. Karl Wimmenauer, den ich leider nicht mehr persönlich sprechen konnte, weil er in der Nacht der Eröffnung der Kölner Rudolf Schwarz Ausstellung (2011) im Haus Schwarz gestorben ist, hat immer gesagt, er sehe sofort, was Maria und was Rudolf sei. Für mich war es sehr lange sehr schwierig die Ideen zu scheiden, doch es gibt ein paar Elemente, die nur an den Bauten auftauchen, an denen sie beteiligt war, die man ihr sicherlich zuschreiben kann. Eine ganz eigene Handschrift konnte sie schließlich bei den Orgelentwürfen und einigen Innenausstattungen entwickeln. In der Architektur ist ihr Anteil daran schon erkennbar, aber sie blieb dem Rudolf Schwarzschen Gedankengebäude verhaftet. Das ist ihr aber auch ganz wichtig, sie hat es vollkommen verinnerlicht und letztendlich auch mit erdacht. Auch wenn alles – wie auch das Buch „Vom Bau der Kirche“ immer so aussieht als sei es nur von Rudolf Schwarz. Zwar ist das Buch von ihm geschrieben, doch in einer Zeit, in der sie ihn ganz intensiv begleitet hat, da er noch unter den Folgen seines ersten Herzinfarktes litt. Als in Aachen St. Bonifatius geplant wurde, lag er im Krankenhaus. Zwar konnten sie sich darüber unterhalten und Ideen entwickeln, doch faktisch hat Maria Schwarz diese Kirche gebaut, wie auch St. Theresia in Linz (Österreich). Danach hat sie Rudolf Schwarz permanent begleitet, und hat dadurch auch dieses Buch begleitet und zumindest geholfen, die Gedankengebäude zu Papier zu bringen. Und schließlich hat sie das Werk mit ihren Kirchen – St. Franziskus in Osnabrück und Liebfrauen in Oberursel –  vollendet.

 

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Liebfrauenkirche mit Pfarrhaus, Küsterhaus und Wohnhäusern, Oberursel, Herzbergstraße, 1961–1965 Maria Schwarz © Foto Artur Pfau 1965, Archiv Maria Schwarz

 

Hatten Sie denn in den Gesprächen mit ihr das Gefühl, dass sie damals schon als Architektin und als Frau all das machen konnte, was sie wollte oder hätte sie gerne noch mehr und anderes gemacht?

Ich glaube, sie hätte gerne mehr gemacht, mehr Kirchen gebaut zum Beispiel. Es gab in den 60er Jahren auch einige Wettbewerbe für Kirchen. Da lag es mit Sicherheit auch daran, dass sie eine Frau war, dass es schwierig war für sie an Aufträge zu kommen. Es lag aber auch daran, dass der Kirchengeschmack inzwischen ein andere war. Sie hat zwar mit der Liebfrauenkirche in Oberursel einen Zentralbau gebaut, doch es war nicht ganz so wie der Zeitgeist es in den 60er Jahren wollte. Ich fände es sehr interessant zu sehen, ob Rudolf Schwarz selbst, hätte er länger gelebt, seine Gedankengebäude weiter entwickelt hätte, mehr Konzessionen eingegangen wäre – was Maria Schwarz eben nicht getan hat.

Sie meinen eine Entwicklung, wie man sie bei den Böhms erkennen kann?

Bei den Böhms war es ja letztendlich eine Generationenfrage. Maria Schwarz ist ja ungefähr im Alter von Gottfried Böhm, war aber eben die Ehefrau und nicht die Tochter von Rudolf Schwarz.

Wissen Sie etwas über ihr Verhältnis zu Margot Schürmann und Elisabeth Böhm?

Die Architektinnen kannten und schätzten sich natürlich alle und haben schließlich alle im Jahr 2000 auf Anregung von Frau Professor Kier gemeinsam die Ehrenplakette des AIV bekommen, Margot Schürmann leider posthum. Doch trotz vieler Gemeinsamkeiten war die Situation von Maria Schwarz eine ganz andere, da sie nicht wie ihre beiden Kolleginnen viele Kinder hatte und dadurch ohne Unterbrechung immer gleichwertig im Büro mitgearbeitet hat.

 

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Wiederaufbau St. Marien, Köln-Kalk, Kalker Hauptstraße 228–242, 1950–1952, Rudolf Schwarz Mitarbeit: Maria Lang/Schwarz und Karl Wimmenauer, Isometrie zum Altar hin © Archiv Maria Schwarz, Foto rechts Köln-Kalk, St. Marien, Altarraum © Foto Artur Pfau 1952, Archiv Maria Schwarz

 

Wenn wir uns nun in Köln auf Spurensuche von Maria Schwarz machen wollen, wohin würde Sie uns schicken?

Ich würde Sie zunächst nach Ehrenfeld in die St. Mechtern Kirche schicken, das ist  eine der relativ frühen Kirchen, die sie gemeinsam mit Rudolf Schwarz gebaut hat, sie war dort jedoch ganz wesentlich am Wandaufbau beteiligt, so dass dort ganz viel von Maria Schwarz drin steckt. Die Kirche ist nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil von ihr umgestaltet worden. Ganz wichtig finde ich auch Maria im Kapitol, wo sie die Lettnerorgel entworfen hat, denn das war das Objekt, das die Aufmerksamkeit wirklich einmal auf sie gelenkt hat. Dann gibt es in Köln-Kalk St. Marien, auch da war sie am Wiederaufbau und an allen Umgestaltungen beteiligt, hat auch die Gestaltung der neuen Glasfenster begleitet.

 

Köln, Gürzenich, Großer Festsaal, Modell des nicht ausgeführten Deckenentwurfes von Maria Schwarz, © Foto Nachrichtenamt der Stadt Köln o.J. (1953), Archiv Maria Schwarz

 

Und der Gürzenich?

Ganz wichtig! Um den Gürzenich kommt man nicht herum, wenn man sich mit Maria Schwarz beschäftigt. Das war eine der ersten Aufgaben, mit der sie sich vor ihrer Ehe schon in der Wiederaufbau GmbH beschäftigt hat. Bereits Angela Pfotenhauer hat geschrieben, dass die geschwungene Treppenanlage auf Maria Schwarz zurückzuführen ist. Die Idee war ein tanzendes Haus zu schaffen, um damit den Charakter des Festsaals zu illustrieren und die Treppenanlage die alle Räume mit ihrem schönen Schwung verbindet ist im Grunde genommen genau das Element, mit dem das umgesetzt wird.

Sicher sind auch die Bänke entlang der Wand der Ruine von St. Alban von ihr, wie auch einige der schönen Details. In den 80er Jahren, als der Gürzenich zum Kongresszentrum umgebaut werden sollte, hat Maria Schwarz nicht nur einen eigenen Entwurf eingereicht, sondern auch sehr um den Erhalt dieses Gesamtkunstwerks gekämpft. Außergewöhnlich beim Gürzenich ist, dass dort der Bauhüttengedanken gelebt worden war. Für Rudolf Schwarz war das sehr wichtig und Maria Schwarz hat es immer fasziniert. Denn ich glaube, sie war keine von den Architektinnen, die unbedingt alleine etwas machen wollen, sie hat bei Rudolf Schwarz eine Begeisterung für das gemeinsame Arbeiten mit anderen Architekten aber auch mit Künstlern entwickelt. Das war für den Gürzenich ganz besonders wichtig. Maria Schwarz geht es nie um das Du oder schon gar nicht um das Ich, sondern immer um die harmonische Architektur.

 

Die Fragen stellte Uta Winterhager

 

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Das Buch mit DVD „Die Architektin Maria Schwarz – Ein Leben für den Kirchenbau“ ist im Verlag Schnell + Steiner in der Serie Bild Raum Feier, Studien zu Kunst und Kirche erschienen.

Alle Abbildungen bis auf die Porträts von Maria Schwarz und Annette Krapp sind dem Katalog des Buches entnommen.

 

Lesen Sie dazu auch das Interview, das Vera Lisakowski 2006 mit Maria Schwarz geführt hat Abriss ist Mord.

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