Enervie Zentrale, Hagen, JSWD Architekten © Christa Lachenmaier

Die Fotografin Christa Lachenmaier im Porträt

 

Wie kamen Sie zur Architekturfotografie?

Ich hatte schon immer Berührungspunkte mit der Architektur. Meine Schwester ist Architektin, ebenso mein Mann. Ich habe ihn schon während seines Studiums auf Architekturexkursionen begleitet. Dass die Grundschule, die ich besucht habe, von Günter Behnisch gebaut wurde, ist für mich eine schöne Begleiterscheinung. Und in der Tat einer meiner frühen Aufträge war eine Reportage über die zeitgenössische Architektur bei Vitra in Weil am Rhein für das Porschemagazin.

 

Hochschule Ruhr West, Mühlheim an der Ruhr, Arbeitsgemeinschaft ASTOC Architects and Planners und HPP © Christa Lachenmaier

 

 

Bilden Sie Architektur ab oder übersetzen Sie das Gebaute in eine Bildsprache?

Sowohl als auch. Zunächst bekomme ich ja den Auftrag, Architektur zu fotografieren. Ich sehe mir jedes Objekt zunächst genau an – zu unterschiedlichen Tageszeiten, in unterschiedlichen Lichtsituationen, sehe mir das Umfeld an. Dabei erfasse ich zum Beispiel ein Gebäude und seine architektonische Aussage. Das arbeitet dann einige Tage in mir und wenn ich schließlich fotografiere, habe ich einen Plan, mit welcher Bildsprache ich glaube, das Objekt am besten bildlich zu inszenieren. So entsteht eine der jeweiligen Architektur entsprechende Bildsprache.

 

Hochschule Ruhr West, Mühlheim an der Ruhr, Arbeitsgemeinschaft ASTOC Architects and Planners und HPP © Christa Lachenmaier

 

 

Wie nähern sie sich dem architektonischen Konzept eines Hauses?

Ich führe ein Gespräch mit dem Architekten, lasse mir erläutern, welche Intuition ihn geleitet hat. Ich möchte die Idee, die Philosophie verstehen. Dann setze ich mich, wie vorher erläutert, allein mit dem Objekt auseinander und nähere mich ihm aus der fotografischen Sicht. Wenn ich damit die Intention des Architekten widerspiegle, freut mich das natürlich.

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Kloster Hamborn, ASTOC Architects and Planners © Christa Lachenmaier

 

Wovon lassen Sie sich inspirieren?

Zu allererst vom Licht – für mich ein bedeutender Schlüssel zu meiner Arbeit. Aber auch Perspektiven. Man kann und sollte, wie immer im Leben, alles aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten.

JSWD Architekten, Enervie Hagen

JSWD Architekten, Enervie Hagen, Blick von oben in das Foyer © Christa Lachenmaier

 

Wie viele Bilder braucht man, um ein Haus zu verstehen?

Das kann man nicht pauschal sagen. Manchmal reicht ein Shot, um die Seele und den Charakter eines Hauses zu erfassen. Aber zur ganzen Geschichte, die es erzählt, gehören die Totale, Details, Oberflächen, Materialien, Farben, usw.

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CWD Aachen, JSWD Architekten © Christa Lachenmaier

 

In den letzten Jahren sieht man auch in den Architekturzeitschriften belebte Bilder. Eine Tendenz, die Sie begrüßen?

Sehr sogar. Hier würde ich mir zuweilen größere Budgets wünschen, um zum Beispiel mit Komparsen arbeiten zu können.

 

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RTL, HPP © Christa Lachenmaier

 

Kann Sie Architektur noch überraschen?

Natürlich!

 

Welche Lichtsituationen schätzen Sie besonders?

Das hängt sehr von der Architektur ab. Manchmal braucht man Sonnenlicht, dann wieder diffuses Licht oder tolle Streiflichter. Mein ganz persönlicher Favorit ist die Blaue Stunde.

Fraunhofer Institute IPT + LPT (Aachen) JSWD Architekten, Künstlerin Annette Sauermann © Christa Lachenmaier

 

 

Gibt es Gebäude, die bei Ihnen eine besondere Leidenschaft auslösen?

Ja! Interessanterweise sind es alles Gebäude, deren architektonischer Entwurf von einer gewissen Freiheit geprägt ist. Zumeist sind es Museumsbauten die mich faszinieren. Grandios finde ich es, wenn Architektur und Kunst korrespondieren. Zumthor, Tadao Ando, Mies van der Rohe, Oskar Niermeyer, aber auch Zaha Hadid stehen ganz oben auf meiner Liste der Leidenschaft.

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Kloster Hamborn, ASTOC Architects and Planners © Christa Lachenmaier

 

Woran erkennt man Ihre Bilder?

Das müssen Sie die Betrachter fragen.

 

Ist die digitale Fotografie gegenüber der analogen Fluch oder Segen für Sie?

Ganz klar ein Segen. Man kann so viel effizienter arbeiten, ausprobieren, verwerfen, spielen und Grenzen ausloten.

Im künstlerischen Bereich arbeite ich aber gerne auch analog. Es zwingt zur Aufmerksamkeit.

 

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Afarfrau, Äthiopien © Christa Lachenmaier

 

Zeigen Sie uns ein Bild, das Sie nachhaltig berührt oder inspiriert hat? Warum haben Sie gerade dieses gewählt?

Das Foto, das ich ausgesucht habe, ist mein ganz persönliches Lieblingsbild. Ich arbeite nicht ausschließlich als Architekturfotografin. Begonnen habe ich mit Reportagen für verschiedene Magazine wie z.B. das ZEITmagazin und Organisationen wie die Welthungerhilfe. Auf zahlreichen Reisen habe ich meine Leidenschaft entdeckt, vor allem Momentaufnahmen von Menschen zu machen. Bei dieser Afrikanerin war es ein ganz besonderer Moment. Ich war mit meinem Fahrer in der Wüste Äthiopiens unterwegs und plötzlich stand diese Frau da. Ich fand sie so wunderschön und stolz und habe sie gefragt, ob ich sie fotografieren darf. Es war nur ein kurzer Moment, ein fast absurdes Zusammentreffen in der Wüste, aber ich spüre beim Betrachten des Bildes noch immer diese Magie des Augenblicks.

 

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© Christa Lachenmaier

 

Die Fragen stellten Barbara Schlei und Uta Winterhager

 

JSWD Architekten hautnah, Köln Fotoausstellung in der Lounge des Rotonda Business-Clubs, Köln, Eingang Salierring 32, 50676 Köln
Zur homepage von Christa Lachenmaier

 

Kölner Architekturfotografen im Fokus II
Wer sind die Frauen und Männer hinter der Linse?

Zehn Jahre ist es nun schon her, dass wir unsere erste Porträtserie über Kölner Architekturfotografen gestartet haben. Nun sahen wir die Zeit gekommen diese Reihe fortzusetzen. Denn wir sind sehr glücklich darüber, dass viele Fotografen unsere Arbeit für koelnarchitektur schon seit Jahren mit ihren Fotografien unterstützen. Denn man kann viel über Architektur schreiben, doch wenn die Bilder fehlen, ist es, als bliebe etwas ungesagt. In den nächsten Wochen werden wir in loser Folge Interviews über Licht und Schatten, Inspiration und Intention veröffentlichen.

Ein visuelles Panorama Im Fokus I von 2006

 

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