Entwurf aus dem 2. Werkstattverfahren im Dezember 2014 von Volker Staab. © Volker Staab

Podiumsdiskussion zur Historischen Mitte

Podiumsdiskussion am 16.Februar 2016 zur Frage: Wie geht es weiter mit der „Historischen Mitte“ Kölns? Es diskutierten: Prof. Dr. Werner Görg, Präsident der IHK; Franz-Josef Höing, Dezernent für Stadtentwicklung, Planen, Bauen und Verkehr; Prof. Albert Speer, AS&P; Susanne Laugwitz-Aulbach, Dezernentin für Kunst und Kultur; Peter Füssenich, Dombaumeister, Moderation: Christian Hümmeler, Leiter Lokalredaktion KStA

 

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Sich der Vorfahren versichern – Kölner Köpfe unter dem rekonstruierten Nordtor der römischen Stadt© Martina Goyert/Kölner Stadt-Anzeiger

 

 

Ein Wort fiel bei dieser vom Kölner Kulturrat organisierten Podiumsdiskussion besonders häufig: „Euphorie.“ Ein gemeinsamer Neubau für Römisch-Germanisches Museum, Kurienhaus und Stadtmuseum im Südosten des Roncalliplatzes soll diese unschöne Ecke endlich zu einer würdigen Nachbarschaft des Domes umgestalten – ein begeisternder Plan, wohl wahr. Aber wird sich angesichts der jüngsten Debakel im Bausektor, die für Hochkonjunktur beim „Köln-Bashing“ sorgten, eine breite Mehrheit von der Notwendigkeit dieser Maßnahme überzeugen lassen?

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Mögliche Neuordnung des Roncalliplatzes. Entwurf aus dem 2. Werkstattverfahren im Dezember 2014 von Kaspar Kraemer. © Kaspar Kraemer

 

Museen-WG

Ja, natürlich werde man Geld ausgeben. Aber das müsse man sowieso, sagte Kulturdezernentin Susanne Laugwitz-Aulbach: „Ich glaube, man kann hier eine sehr gute Überzeugungsarbeit leisten, auch weil sowieso große Summen anstehen, um das jetzige Niveau der Museen halten zu können.“ Die Idee einer „Dreier-WG“ entstand angesichts des massiven Sanierungsbedarfs von Römisch-Germanischem Museum und Stadtmuseum sowie dem bevorstehenden Abriss des Kurienhauses. Durch das Zusammenziehen ließe sich Geld sparen, auch durch gemeinsame Werkstätten und Bibliotheken.

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Die Sichtachse auf den Dom bleibt frei. Entwurf aus dem 2. Werkstattverfahren im Dezember 2014 von Peter Kulka Architektur. © Peter Kulka Architektur

 

Der große Wurf

Für den besonderen Standort reicht es aber natürlich nicht, ein paar Sanierungsvorhaben zusammenzukehren. Hier muss der große Wurf gelingen. Deshalb betreibt die Stadt schon seit 2014 „Turnübungen“, so Baudezernent Franz-Josef Höing, zur Erkundung des Standortes. Erkenntnisse aus der zweiten Runde des Werkstattverfahrens „Historische Mitte“ sind in zehn Leitlinien niedergeschrieben auf deren Grundlage bis zum Sommer ein Realisierungswettbewerb ausgelobt werden soll. Prof. Albert Speer äußerte seine Zustimmung zu einer Tendenz, die sich in den bisherigen Überlegungen abzeichnet, nämlich den Platz nach Süden hin nicht abzuriegeln und die historische Schwerpunktsetzung zum Rhein hin zu belassen.

 

Nicht mehr als nötig

Höing erwartet ein „höchstöffentliches Haus.“ Während am Anfang die drei Partner, was den Raumbedarf angeht, fröhlich drauflos gewünscht haben, hat man sich nun auf die jeweiligen Minima verständig. „Herr Höing war ja mit der Peitsche hinterher, dass wir unsere Raumprogramme auf den Punkt brachten. Interessanterweise deckt sich das nun mit der Kubatur, die dort einst stand, der des erzbischöflichen Palais,“ resümierte Kölns neuer Dombaumeister Peter Füssenich. Nur das Nötige an Raum solle entstehen, um eine destillierte Schau zusammenzustellen, die nicht den Fehler anderer historischer Museen macht, „langweiliger zu sein als das Zuschauen beim Angeln,“ so Höing.

Der WG-Partner Kirche habe mit dem Kurienhaus „eine geheimnisvolle Immobilie“, formuliert Moderator Christian Hümmeler, doch der Dombaumeister kläre gerne auf: das Gebäude enthalte Privatwohnungen, was ihm auch den Beinamen ‚Prälatenbunker‘ verschafft habe, aber vor allem habe es als Gedächtnis und Archiv der Kathedrale inhaltlich Wesentliches zum neuen Haus beizutragen.

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An der Schnittstelle von Kirche und Stadt, Standpunkt auf dem Kurt-Hackenberg-Platz. Entwurf aus dem 2. Werkstattverfahren im Dezember 2014 von Christian Kerez. © Chrisitan Kerez

 

Euphorie und Praxis

Inmitten der erwärmenden Begeisterung stellte Werner Görg, Präsident der IHK, die Dusche plötzlich auf Kalt: Im praktischen Vollzug sei es ja mit dieser Euphorie nicht weit her. Die Stadt habe schließlich jüngst mit Projekten Schiffbruch erlitten, die deutlich weniger komplex angelegt waren. Er trat für eine „emotions- und ideologiefreie Debatte“ hinsichtlich der Umsetzung und Finanzierung ein durch institutionelle Anleger ein.

Wer baut mit welchem Modell, diese Frage ist gänzlich ungelöst. Erfahrungen mit privater Finanzierung will die Stadt bei einem Investorenwettbewerb zur Erweiterung des Wallraf-Richartz-Museums und der anschließenden Realisierung sammeln. Diese Auslobung ist aber noch nicht erfolgt. Die Institutionen haben drastischen Handlungsbedarf, im Stadtmuseum drohen im Sommer schon mal die Exponate zu schmelzen, doch gleichzeitig will man nichts übereilen.

Nach möglichen Terminen befragt, nannte Höing das Jahr 2022 als Fertigstellungsdatum. Das würde sehr gut zu einem Domjubiläum passen, denn vor genau 700 Jahren fand die Weihe des Domchores statt. Eine Eröffnungsausstellung zu diesem Thema in dem neuen gemeinsamen Hauses, das wäre wirklich ein Grund zur Euphorie. Mag man von Beschwörungsformeln halten, was man will: Es ist doch ein gutes Signal für das Planen und Bauen in dieser Stadt, dass die Beteiligten in Ruhe und Einigkeit das Vorhaben weiterführen wollen.

 

Ira Scheibe

 

 

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