Abriss des Kindergartens St. Hermann Joseph von Gottfried Böhm. Foto: Veit Landwehr © bildpark.net

Der Architekturfotograf Veit Landwehr im Porträt

 

Wie kamen Sie zur Architekturfotografie?

Zunächst kam für mich die Zeit der „angewandten“ Architektur. Nach meinem Architekturstudium und einigen Jahren als Architekt im Büro Brandlhuber & Kniess habe ich mich schließlich wieder der Fotografie zugewandt, die ich seit meiner Jugend mehr oder weniger intensiv betrieben habe. Doch es wäre falsch, hier von einer abgeschlossenen Transformation zu sprechen, denn bis heute fällt es mir bisweilen schwer, mich als „echten“ Fotografen zu bezeichnen. Wahrscheinlich bin ich eher eine Art fotografierender Architekt.

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 Veit Landwehr, Selbstporträt

Wie nähern sie sich dem architektonischen Konzept eines Hauses? Sprechen Sie mit den Architekten und Bauherren oder machen Sie sich selbst ein Bild?

Wenn möglich, besuche ich das Projekt noch vor der Fertigstellung, idealerweise gemeinsam mit dem Architekten. Diese meist eher kollegialen Gespräche sind sehr wichtig für mich, denn das gebaute Ergebnis kann sich ja aus durchaus unterschiedlichen Richtungen entwickelt haben, was einen nicht unerheblichen Einfluss auf Entscheidungen innerhalb des Abbildungsprozesses haben kann.

Bei dieser Gelegenheit kann ich die wichtigsten Einstellungen bereits vorab festlegen und später sicherstellen, dass alle Kamerapositionen auch erreichbar sind.

 

In den letzten Jahren sieht man auch in den Architekturzeitschriften belebte Bilder. Eine Tendenz, die Sie begrüßen?

Ich denke, dass sich die Fotografie, vor allem größerer Projekte, heute mehr und mehr dem klassischen Rendering annähert, was vor nicht allzu langer Zeit noch genau umgekehrt war. Die momentan allgegenwärtigen 3D-Visualisierungen noch unrealisierter Bauvorhaben dienen ja vornehmlich der Vermarktung und werden daher großzügig mit möglichst zahlreichen, offensichtlich zufriedenen Beispielen der angepeilten Zielgruppe bevölkert.

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Kolumba Foto: Veit Landwehr © bildpark.net

Generell mag ich belebte Bilder, zumal es für mich kaum etwas trostloseres gibt als ein leeres Haus. Doch gibt es in der fotografischen Praxis natürlich unterschiedliche Qualitäten der „Belebung“, da sich dieser Begriff ja nicht nur über das Vorhandensein von Menschen, sondern auch durch deren Begleiterscheinungen definiert, und hier sei an erster Stelle das fast unvermeidliche Bildelement „Auto“ genannt. Ich schätze, dass man im Einzelfall entscheiden sollte, welche Dosis das Motiv (bzw. dessen Architekt!) verträgt.

 

Ist die digitale Fotografie gegenüber der analogen Fluch oder Segen für Sie? 

Auch wenn mich die mit der digitalen Fotografie einhergehende Sorglosigkeit sicher ein großes Stück Konzentration gekostet hat, überwiegen die Vorteile klar, ganz einfach, weil sie meine Möglichkeiten erheblich erweitert.

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Wohn- und Geschäftshaus Ehrenstraße (Johannes Schilling Architekten). Foto: Veit Landwehr © bildpark.net 

Die Aufnahme des Gebäudes in der Ehrenstraße z.B. besteht aus mehreren Einzelbildern einer an der Fassade gegenüber montierten Kamera, die ich von der Straße aus per Funk auslösen konnte, während ich die Positionen aller störenden Gegenstände (Mülltonnen und -säcke, Sonnenschirme, Displays, Fahrräder etc.) zwischen den Aufnahmen ständig verändert habe. So konnte ich in der Nachbearbeitung exakt steuern, was wo im Bild ist. Oder eben nicht.

In diesem Fall wollte ich das Gebäude sehr aufgeräumt abbilden, doch natürlich hätte ich mit dieser Methode auch das genaue Gegenteil erreichen können (also eine sehr vollgerümpelte Szene); es ist irgendwie auch ein spielerisches Element hinzugekommen, das liebe ich.

 

Welche Lichtsituationen schätzen Sie besonders?

Ich denke, dass jedes Licht im Zusammenspiel mit dem Objekt seinen ganz eigenen Reiz haben kann, doch generell mag ich klare, sonnige Tage. Also eher hartes, sehr definierendes Licht, der Himmel wie ein gutes Steak leicht marmoriert.

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Kleines Haus Blau (BeL) Foto: Veit Landwehr © bildpark.net 

Gibt es Gebäude, die bei Ihnen eine besondere Leidenschaft auslösen?

Unbedingt. Ich glaube, dass sich recht viele Gebäude irgendwann in einem Stadium befinden, in dem sie mich begeistern können, leider ist dies nicht immer der Moment der Fertigstellung und somit üblicherweise der Fotografie. Manche Gebäude sind als Rohbau absolut großartig und verlieren während der Fertigstellung jeden Reiz, andere bekommen erst durch jahrelange Nutzung die nötige Reife. Und so manches wäre wohl besser gar nicht gebaut worden, da die möglicherweise phantastische Idee dahinter ihrer baulichen Umsetzung nicht standgehalten hat.

 

Wovon lassen Sie sich inspirieren?

Ich muss gestehen, dass ich eher unkonzentriert durchs Leben gehe und mich leicht ablenken lasse – Inspirationen warten auf mich also an jeder Ecke.

 

Zeigen Sie uns eines Ihrer Bilder, das Sie nachhaltig berührt oder inspiriert hat? Warum haben Sie gerade dieses gewählt? 

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Abriss des Kindergartens St. Hermann Joseph von Gottfried Böhm. Foto: Veit Landwehr © bildpark.net

Diese Aufnahme entstand am 24.01.2007 um genau 10:50 und zeigt den Abriss des Kindergartens St. Hermann Joseph von Gottfried Böhm. Bernd Kniess gab mir den entscheidenden Hinweis auf die beginnenden Abbrucharbeiten am Vorabend, während wir uns an einer sehr schönen Theke über den Umgang der Stadt Köln mit seiner jüngeren Architekturgeschichte unterhielten.

Natürlich hat dieses Bild einen durchaus journalistischen Aspekt, doch war es mein Anspruch, diesem wunderbaren Gebäude ein letztes, „echtes“ Architekturbild zu widmen. Interessant finde ich, wie selbstverständlich der Container für diesen kurzen Moment Teil der Architektur wird; es scheint fast, als hätte Herr Böhm höchstselbst diesen Ort gewählt.

Die Fragen stellten Barbara Schlei und Uta Winterhager

 

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Kölner Architekturfotografen im Fokus II
Wer sind die Frauen und Männer hinter der Linse?

Zehn Jahre ist es nun schon her, dass wir eine erste Porträtserie über Kölner Architekturfotografen starteten. Zeit, diese Reihe fortzusetzen, denn man kann viel über Architektur schreiben, doch wenn die Bilder fehlen, ist es, als bliebe etwas ungesagt. So freuen wir uns bei koelnarchitektur, dass viele Fotografen uns und unsere Beiträge schon seit Jahren mit ihren Fotografien unterstützen. In den nächsten Wochen werden wir in loser Folge Interviews über Licht und Schatten, Inspiration und Intention veröffentlichen.

 

Ein visuelles Panorama
Im Fokus I von 2006

 

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