Ansicht von der Vogelsanger Straße auf den Haupteingang des mit dem 1. Preis ausgezeichneten Entwurfs der Heliosschule von Schilling Architekten.© Schilling Architekten

Schilling Architekten gewinnen den Wettbewerb Heliosschule

Dass auf dem Ehrenfelder Heliosgelände statt eine Einkaufszentrums nun eine Schule gebaut werden wird ist das Ergebnis eines intensiven Bürgerbeteiligungsprozesses, der in dem Film „Wem gehört die Stadt – Bürger in Bewegung“  sehr anschaulich dokumentiert wurde. Nach dem städtebaulichen Wettbewerb 2013 ist nun mit dem Rahmenplan von Ortner &Ortner weitergearbeitet worden. Nun liegt das Ergebnis des europaweit ausgeschriebenen Wettbewerbs für die Schule vor. Ende Juni empfahl die Jury unter Vorsitz von Prof. Jörg Aldinger (Stuttgart), den Entwurf von Schilling Architekten (Köln) mit den Landschaftsarchitekten und Stadtplanern Lohaus & Carl (Hannover) einstimmig zur Realisierung.

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Lageplan der Heliosschule © Schilling Architekten

 

 

Die Inklusive Universitätsschule Köln wird aus einer Grund- und Gesamtschule bestehen und an ihrem geplanten Standort auf dem Heliosgelände rund 1.200 Schüler unterrichten.S ie soll als gemeinsame Initiative der Stadt Köln und der Universität zu Köln die schulische und außerschulische Bildung, die universitäre Ausbildung und den umliegenden Stadtteil Köln-Ehrenfeld unter dem Gesichtspunkt der Inklusion miteinander verbinden. Das Außergewöhnliche dieser Schule, die Inklusion, das skandinavisch inspirierte pädagogische Konzept sowie die Anbindung an die Universität fordern eine Architektur, die diesen Ansatz unterstützt – in einem klassischen Schulbau stieße man hier, wo das Kind, nicht der Lehrplan im Vordergrund steht, schnell an die Grenzen des Machbaren. So ist der Entwurf der Preisträger in der sachlichen und direkten Handschrift des Büros Schilling verfasst, eine sorgsam konzipierte Lernlandschaft, die das städtebauliche Rahmenkonzept überzeugend umsetzt.

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Erdgeschoss-Grundriss der Heliosschule © Schilling Architekten

 

Stadtbaustein

Die Schule als wichtigster Baustein dieses neuen Quartiers bildet in seiner stadträumlichen Konstellation die vielfältigen inhaltlichen Bezüge ab und bietet der Nachbarschaft mit sorgsam angelegten Blick- und Wegeachsen zahlreiche Anknüpfungspunkte. Zu allen Seiten hin zeigt die Schule ein differenziertes Bild. Zur Vogelsanger Straße, wo hinter einer Kiss’nGo-Zone der Haupteingang liegt, sowie am Gürtel, bieten die Erdgeschosse Einblick in die Ateliers, die Schülerfirma, Werkstätten, Kunst- und Musikräume. Der zentrale Platz, der geschützt zwischen Schule und Rheinlandhalle liegt, bietet tagsüber als Schulhof Raum für vielfältige Nutzungen, die in der detaillierten Planung als Grünes Klassenzimmer, Sportflächen oder Ruheflächen bereits angelegt sind, abends als Quartiersplatz vielfältige Möglichketen der öffentlichen Nutzung.

 

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Blick über den Quartiersplatz auf das Forum und die Mensa der Heliosschule, links die Haupterschließungsachse. © Schilling Architekten

 

Auf diesen Platz orientieren sich auch die weiteren öffentlichkeitsrelevanten Räume der Schule, die Mensa und das Forum, die abends ebenso wie die Sporthalle an der südwestlichen Ecke des Grundstücks unabhängig genutzt werden können. An der Längsseite der Sporthalle ergibt sich parallel zu der etwas breiter angelegten Öffnung des Haupteingangs eine weitere Verbindungsachse zwischen Vogelsanger Straße und Quartiersplatz. Dieser ist trotz seiner geschützten Lage zu allen Seiten hin gut angebunden und soll durch eine Baumpflanzungen und Lichtgestaltung einen eigenständigen Charakter erhalten.

 

Lernlandschaft

Das strenge Raster des Betonskelettbaus, der eine geschosshohe Verglasung erlaubt, verhilft der Lernlandschaft mit ihren vielfältigen Elementen zu einer soliden und unaufgeregten Ordnung. Alle Räume werden über die zentrale zweigeschossige Eingangshalle, der ein Lichthof eine besondere Qualität verleiht, erschlossen. Im Erdgeschoss liegen die Sport. Kunst- und Musikräume sowie die Mensa und das Forum. Im 1. OG befinden sich die Bibliothek sowie die für die Schule charakteristischen offenen Selbstlernbereiche. Die Lernbereiche im 2. und 3. OG sind flexibel angeordnet und je nach Auslegung unterschiedlich nutzbar. Über die Lichthöfe haben auch die zentral angeordneten Räume einen direkten Außenbezug.

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Modellfoto der Heliosschule © Schilling Architekten

 

Stadtlandschaft

Das gesamte Heliosareal soll gestalterisch mit einem einheitlichen Bodenbelag zusammengeführt werden, Baumreihen aus Gleditschien sollen den Raumeindruck in den öffentliche Bereichen verstärken und die Orientierung für Fußgänger und Radfahrer erleichtern. Einen weiteren Eingang in das Quartier ergibt sich im Norden zwischen Helioshaus und Bahnarkaden, wo die gastronomische Nutzung des Heliosplatzes auch hier eine Grund zum Verweilen bieten soll.

 

Schilling Architekten ist gelungen auf diesem post-industriellen Standort eine Architektur zu entwickeln, die neugierig macht, wie Räume sich entwickeln. Weil die Räume oftmals formal nicht festgelegt sind, lasen sie ein bestimmtes Maß an Mehrdeutigkeit zu, wie es das offene und individuell justierbare Konzept dieser Schule fordert. Doch auch als Stadtbaustein scheint der Baukörper zu funktionieren, weil er bei immer auch ein bestimmtes Maß an Öffentlichkeit zulässt. Nur so kann hier einmal ein lebendiges Quartier entstehen.

 

Uta Winterhager

 

 

Das Preisgericht hat folgende Arbeitsgemeinschaften ausgezeichnet:
1. Preis
Schilling Architekten, Köln mit Lohaus & Carl Landschaftsarchitekten + Stadtplaner, Hannover

2. Preis
cityförster und bof architekten, Hamburg mit urbane gestalt Landschaftsarchitekten, Köln

3. Preis
Lacaton & Vassal Architects, F-Paris mit Cyrille Marlin, F-Paris

4. Preis
ludloff + ludlloff Architekten, Berlin mit Weidinger Landschaftsarchitekten, Berlin

5. Preis
v-architekten, Köln mit RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten, Bonn

eine Anerkennung für
Ortner & Ortner Baukunst, Köln mit FSWLA Landschaftsarchitekten, Düsseldorf

eine Anerkennung für
AFF Architekten, Berlin mit Stefan Bernard Landschaftsarchitekten, Berlin

eine Anerkennung für
Taller DE2, ES-Madrid und Kartonkraft, NL-Rotterdam mit Openfabric, ES-MAdrid

 

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Eine Reaktion auf “Postindustrielle Lernlandschaft”

  1. Uta Winterhager

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