Das Modell des Stadion in Braga an Zentraler Stelle im Siza Pavillon. Foto: Barbara Schlei

Ausstellung "Souto de Moura 1980 – 2015" in der Raketenstation Hombroich

Mit einem kurzen Blick sind die Gebäude von Eduardo Souto de Moura nicht zu begreifen, keine einheitliche Handschrift lässt sich ausmachen, nichts das erklärend wiederkehrt. So sollte man sich Zeit nehmen für die monografische Ausstellung „Souto de Moura 1980 – 2015“, die an Hand 14 ausgewählter Gebäude die Position des portugiesischen Architekten zu ex­tra­hie­ren sucht.

Aber es ist Zeit, die sich lohnt. Museum und Ausstellung verbindet eine enge Verwandtschaft, denn nicht nur die Exponate sind sehenswert, auch der Ort selbst ist es und kein anderer scheint für die erste in Deutschland gezeigte Schau über Souto de Moura einleuchtender, als der 2008 von Álvaro Siza, auf der Raketenstation des ehemaligen Nato-Geländes von Hombroich realisierte Ausstellungspavillon. Ein Glücksfall, der das Museum bereichernde Hülle und Exponat gleichermaßen werden lässt. Nicht nur weil beide, Souto de Moura und Siza, maßgeblich für die zeitgenössische Architektur Portugals stehen, sondern der Pavillon im Kontext der skulpturalen Bauten des Bildhauers Erwin Heerich in ähnlicher Weise lokal verortet ist wie auch Souto de Mouras Bauten.

 

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Die skulpturalen Bauten von Álvaro Siza und Erwin Heerich lassen sich am Übergang zwischen Architektur und Skulptur einordnen und fügen sich in die Naturlandschaft der „Insel“ ein. Foto: Barbara Schlei

 

Kritischer Regionalismus

Trotz internationaler Bekanntheit, die sich seit 2011, als er den Pritzker-Preis erhielt noch verstärkte, behielt der 1952 in Porto geborene Souto de Moura seine Heimatverbundenheit. Seine Gebäude zeigen den Respekt vor dem Ort, sie machen das Alte sichtbar und sind dennoch fast radikal zeitgenössisch, selbst wenn er, wie beim Umbau der „Markthalle in Braga“ mit bereits gebrauchten Steinen arbeitet.

Mit Präzision verweben seine Häuser die Geschichte, die reduzierte Formensprache der klassischen Moderne und die zeitgenössische Architektur miteinander. Bereits bei seinen ersten verwirklichten Projekten, der Umgestaltung einer „Ruine in Geres“, 1980 entstanden und der „Case das Artes“ in Porto (1981 – 85) einem Kulturgebäude, das den existierenden Garten nicht berühren sollte, wird deutlich, was Souto de Mouras Architektur auszeichnet. Ausgangspunkt seiner Entwürfe ist immer der bestehende Ort – sei es der gebaute Kontext, ein historisches Gebäude oder die Landschaft.

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Der Siza Pavillon bildet den idealen Rahmen für die Präsentation von Souto de Mouras Bauten. Unprätentiös wie er selbst ist auch das Ausstellungkonzept. Modelle, Skizzen, Fotos und immer wieder der Ausblicke in die Landschaft. Foto: Barbara Schlei

 

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Zwei Tribünen bilden das offene Stadion „Estádio Municipal de Braga“, die Dritte ist der Steinbruch in den es eingefügt wurde, die 4. Fassade – die Landschaft – erinnert an ein griechisches Amphitheater. Fotograf: Luis Ferreira Alves

 

Von der Skizze zum gebauten Haus

Die vom portugiesischen Architekten Nuno Graca Moura gemeinsam mit Souto de Moura kuratierte Ausstellung zeigt Formensprache und Entwurfsprinzipien des Portugiesen unprätentiös aber ohne akademischen Verzicht. In den sich U-förmig um einen Innenhof gruppierenden Räumen des Hauptgebäudes ist eine Modellandschaft entstanden. Modelle aus Holz und Pappe, Handskizzen und Baupläne, ergänzt durch die großformatigen Fotografien seines Freundes und Fotografen Luis Ferreira Alves füllen die Innenräume.

 

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Casa das Històrias – Museu Paula Rego, Cascais, Portugal, 2009 Fotograf: Luis Ferreira Alves

Unterschiedliche Orte führen Souto de Moura zu jeweils unterschiedlichen, immer spezifischen und manchmal auch zu überraschenden Resultaten – wie hier der Burgo Tower von 2007 in Porto.

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Burgo Tower, Porto, Portugal 2007 Fotograf: Luis Ferreira Alves

Die Basis für diese Ausstellung legte eine Reise des BDA Düsseldorf nach Porto im Jahr 2013. Hier und nicht zuletzt durch den nachhaltig beeindruckenden Besuch im Büro Souto de Mouras wurde die Idee für eine Ausstellung über das Schaffen des portugiesischen Architekten entwickelt.

Entstanden ist eine sehr persönliche Ausstellung, für die Souto de Moura seine, wie er sagt „Lieblingsprojekte“ aussuchte. Eine Ausstellung die nicht chronologisch aufgebaut ist, sondern deren Augenmerk auf den Entstehungsprozess, die zeichnerische Entwicklung und die ihr zugrunde liegende architektonische Idee zielt. Und noch etwas verrät der heute 62-jährige portugiesischen Architekten Eduardo Souto de Moura in einem Interview mit Frank Boehm, Geschäftsführer der Stiftung Insel Hombroich und Nuno Graca Moura, dessen Aufzeichnung ebenfalls sehenswerter Teil der Ausstellung ist, dass mit der Schau in Hombroich eine seiner kleinen Träumereien real geworden sei, denn schon lange wünschte er sich, in einem Gebäude auszustellen, das von Álvaro Siza entworfen wurde.

Barbara Schlei

 

Die Ausstellung „Souto de Moura 1980 – 2015 ist vom 18. April bis zum 23. August 2015 auf der Raketenstation Hombroich, 41472 Neuss im Siza Pavillon zu sehen. Ergänzend erscheint ein Katalog (deutsch/englisch) mit teilweise sehr persönlichen Textbeiträgen des Architekten.

Zur Internetseite der Insel Hombroich

 

Katalog Hrsg. von der Stiftung Insel Hombroich und Bund Deutscher Architekten BDA, 330 Seiten 35 Euro.

 

 

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