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©Foto: Elke Wetzig

Das Funkhaus der Deutschen Welle am Raderberggürtel

In Anwesenheit des Bundespräsidenten Gustav Heinemann wurde 1974 am Raderberggürtel der Grundstein für die gemeinsame Funkhausanlage von Deutscher Welle und Deutschlandfunk gelegt. Sechs Jahre später bezog der Deutschlandfunk sein auf einen Sockel gestelltes brutalistisch anmutendes Hochhaus von Gerhard Weber + Partner, die Deutsche Welle zwei bunt schillernde Hochhausgeschwister der Planungsgruppe Stieldorf.

Ballonfahrt ueber Koeln

Ballonfahrt über Köln (2013). Links hinten die Türme der Deutschen Welle. rechts daneben der Deutschlandfunk. Im Vordergrund links das Haus der Deutschen Industrie noch im Originalzustand, rechts davor die Cologne Oval Offices. Foto: ©Eckhard Henkel, CC BY-SA 3.0 DE (via Wikimedia Commons)

 

Situation

Bis 2003 arbeiteten die 1.400 Mitarbeiter der Deutsche Welle hier mit einem einzigartigen Blick über Köln, dann ging der Sender in die Horizontale und bezog den sogenannten Schürmannbau in Bonn, der ursprünglich als Bürogebäude für die Abgeordneten des Deutschen Bundestages geplant worden war. Der zum 50. Geburtstag des staatlichen Auslandsrundfunks geplante Umzug war allerdings durch die im Funkhaus am Raderberg festgestellte Asbestbelastung auch zu einer dringenden Notwendigkeit geworden. Seit 12 Jahren steht das Doppelhochhaus nun leer, konkrete Pläne für seinen Abriss haben die wenigen Überlegungen einer Um- und Nachnutzung abgelöst. An dieser Stelle möchten wir noch einmal genauer hinschauen, worüber in den letzten Jahren so erregt debattiert wurde.

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Lageplan des gemeinsamen Bauvorhabens am Raderberggürtel.

 

Konstellation

Mit den Neubauten von Deutscher Welle und Deutschlandfunk entstand am Raderberggürtel ein recht eigenwilliges Ensemble, das durch seine schiere Größe, seine Farbigkeit und Plastizität unwillkürlich zum Mittelpunkt seines inhomogenen und diffusen und vor allem wesentlich niedrigeren Umfelds zwischen Großmarkt und Marienburger Villen wurde und die Stadtsilhouette weithin sichtbar maßgeblich veränderte.

Das schlanke Doppelhochhaus der Deutschen Welle steht abgehoben auf einem ausgedehnten Unterbau mit Tiefgarage, Technikzentrale und Gemeinschaftseinrichtungen. Die beiden Türme unterscheiden sich nicht nur in Höhe und Proportion, sondern auch durch die markanten Farbverläufe der Fassadenelemente. In dem niedrigeren – nur 22 Geschosse hohen – gelb-orange-roten Turm befanden sich die Sendestudios, der höhere, gelb-grün-blaue 37-geschossige Turm wurde als Verwaltungsgebäude genutzt. Etwas abgerückt von dieser Gruppe befand sich noch ein Fortbildungszentrum für Rundfunkmitarbeiter aus Entwicklungsländern und Osteuropa.

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Original-Grundriss des Studioturms der Deutschen Welle am Raderberggürtel, Köln

 

Konstruktion

Die beiden Türme wurden als Stahlskelettbauten um einen Betonkern gebaut, so dass der Rohbau in relativ kurzer Zeit errichtet werden konnte. Zwischen dem auf einem rechteckigen Grundriss (18,99 m x 36,29 m) angelegten Büroturm und dem Studioturm auf einem annähernd quadratischen Grundriss (31,10 m x 30,96 m) steht der Aufzugsturm, der das Gebäude mit einer Höhe von 137,66 m zum dritthöchsten Hochhaus (nach dem Kölnturm mit 148,5 m und dem Colonia-Haus mit 147 m) von Köln macht. Der Aufzugsturm ist statisch von den beiden anderen Türmen unabhängig und konstruktiv wie ein Stahlbetonschornstein zu betrachten. Die darin liegenden 8 Aufzüge, jeweils vier pro Seite, sind geschossweise mit einer Decke aus Plattenbalken verbunden und mit einem schmalen Steg an die Büro- und Studioetagen angeschlossen. Die obersten Geschosse, die den Büroturm noch überragen, wurden als Empfangsstation mit einer Plattform für Parabolspiegel geplant.

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Original.Schnitt durch alle drei Türme der Deutschen Welle. Links der Büroturm mit niedriger Deckenhöhe, in der Mitte der Aufzugsturm, rechts der breitere Studioturm.

 

Dekoration

Ebenso markant wie die Farbverläufe der Fassaden sind die in einem Raster von 1,74 m recht dicht stehenden außenliegenden Stützen, die eine starke Betonung der Vertikalen erzeugen. Die Fensteröffnungen sind für heutige Verhältnisse bei beiden Türmen vergleichsweise klein. Das mag bei den Studios durchaus Sinn machen, doch auch die schmalen Fensterbänder des Büroturms lassen nur wenig Tageslicht in die tiefen Baukörper.

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Schön bunt sind die Fassaden, doch drinnen ist es leider relativ dunkel. Ehemaliges Funkhaus der Deutschen Welle am Raderberggürtel, Köln. Foto: DW/M.Müller

 

Vision

Einer möglichen Umnutzung kommt diese Architektur nur sehr wenig entgegen, und doch gab es während des BDA-Workshops Ressource Stadt im vergangenen November interessante Ideen, die nicht aus dem gewöhnlichen Repertoire geschöpft wurden. Hier gab es Vorschläge, den Villen-Standort Marienburg in der Vertikalen weiterzubauen und den Sockel mit öffentlichen Funktionen in die Stadt zu integrieren. Doch dafür ist es nun zu spät, denn nicht zuletzt die immensen Kosten der Asbestsanierung haben dazu beigetragen, dass wohl noch in diesem Jahr mit dem Abriss begonnen werden wird.

 

Trotzdem schön, dass wir noch einmal darüber geredet haben.

 

 Uta Winterhager

 

Zum Bericht des ksta über die geplante Sprengung der Deutschen Welle

 

Deutsche Welle: Planungsgruppe Stieldorf

Baujahr 1974 – 1978

Raderberggürtel 50

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