Pünktlich zum Geburtstag blühen die Kirschbäume am Josef-Haubrich-Hof. Foto: Christian Wendling

10 Fragen und 10 Antworten. Wir gratulieren herzlich zum Geburtstag!

Seit zehn Jahren agiert das Haus der Architektur Köln an der Schnittstelle von Fachöffentlichkeit und Öffentlichkeit. Zum Geburtstag haben wir Wegbegleiter aus Politik, Presse, aus Initiativen, Architekten und Besucher befragt, warum baukulturelle Vermittlung wichtig ist, warum alle immer wieder gerne hingehen, was man in Düsseldorf darüber denkt und wie es um die Zukunft des Kubus bestellt ist.

 

Dr. Ute Chibidziura ist Referentin für Kunst am Bau beim Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR)

Von den Anfängen im Haus in der Lintgasse, dessen Start Du maßgeblich mitgeprägt hast, bis heute im Kubus auf dem Josef-Haubrich-Hof hat sich das hdak gewandelt. Wofür stand es bei seiner Gründung und was hat sich in den letzten 10 Jahren verändert?

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Ute Chibidziura: Die Gründung des hdak’s entstand aus der Idee, dass es angesichts der großen damals anstehenden Themen wie Umbau des Messegebäudes, Umbau des Gerlingviertels,  Hochwasserschutz, Ausbau des Rheinauhafens, Abriss oder Sanierung der Oper, Umwandlung des Clouth-Geländes, Umgang mit der Via Sacra, Leitbilddebatte etc. einen Ort bräuchte, an dem aktuelle Architektur- und Stadtplanungsfragen in Köln aber auch überregional relevante Themen diskutiert werden könnten, wo Veranstaltungen stattfinden und Arbeitsgruppen zusammenkommen, wo interessierte und sachkundige Bürger mitdiskutieren und sich Gehör verschaffen, aber auch Fortbildung erhalten könnten.
Und dieser Ort sollte zugleich möglichst allen in diesem Themenbereich aktiven Vereinen und Gruppen wie BDA, AFR, BDLA, Achitektinneninitiative, Kölner Architekturpreis, KKK Kontaktkreis Kölner Architekten- und Ingenieurverbände, koelnarchitektur, RVDL, DWB und vielen noch mehr eine Heimstatt bieten, um sich artikulieren und präsentieren zu können und auf breiter Ebene mit den Bürgern dieser Stadt ins Gespräch zu kommen.

Auf inhaltlicher Ebene war vor allem das Bestreben da, den damals noch recht neuen Begriff Baukultur mit Leben zu füllen und den Dialog darüber mit der Stadtgesellschaft aufzunehmen. Baukultur wurde ja mitunter als unnötiger Luxus angesehen, so dass wir vermitteln wollten, welchen Mehrwert Baukultur mit sich bringen kann. Außerdem war in zahlreichen Diskussionen deutlich geworden, dass es über Stadtgestaltungsfragen zwischen Architekten und Nutzern sowie Politik und Bürgern ein Kommunikationsproblem gab, weil jede Gruppe in ihren Systemen agierte und mit ihren Fachbegriffen hantierte, ohne diese und die damit verbundenen Auswirkungen auch allgemeinverständlich zu vermitteln.

Bedingt durch meinen Weggang aus Köln 2006 und den Umzug nach Berlin habe ich die weitere Entwicklung des hdak’s nur noch punktuell aus der Ferne begleiten können, allerdings stets mit großer Freude und Begeisterung die Veranstaltungsangebote zu sehr unterschiedlichen Fragestellungen aufgenommen. In besonderer Erinnerung sind mir die wunderbaren Abende zu Architektur im Film und die zahlreichen Vorträge und Diskussionen zu den Themen wieweiterwohnen, Klimawandel, Moscheen, Umnutzung von Kirchen, Nord-Süd-U-Bahn, Stadt weiter bauen, Architektur in China und Indien, Masterplan oder  Bauten der 1960er/70er geblieben.

 

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Christian Hümmeler ist Leiter der Lokalredaktion Köln des Kölner Stadtanzeigers.

Welchen Stellenwert haben Architekturdebatten und das Thema Baukultur in der Kölner Lokalpresse?

Christian Hümmeler: Architektur und Stadtplanung sind wichtige Themen in einer wachsenden Metropole – für die Bürger der Stadt, also auch für die Leser des Kölner Stadt-Anzeiger. Deswegen berichten wir kontinuierlich und engagiert über geplante Bauprojekte, über Neu- und Umplanungen sowie über die zahlreichen Veranstaltungen zum Thema Baukultur, die in dieser Stadt stattfinden. Außerdem beteiligen wir uns mit eigenen Veranstaltungen oder als Kooperationspartner an den laufenden Debatten über Architektur in der Stadt – wie etwa im vergangenen Jahr mit der Reihe „Kölner Perspektiven“ zusammen mit Bauverwaltung, IHK und Kap-Forum.

Und welchen Beitrag kann hier das hdak leisten?

Christian Hümmeler: Das Haus der Architektur hat der Kölner Stadt-Anzeiger von seiner Gründung an intensiv publizistisch begleitet. Es ist ein wichtiger Player, von dem immer wieder deutliche Anstöße und Einwürfe zur Architekturdebatte in der Stadt ausgehen.

 

Dr. Uta Joeressen ist Geschäftsführerin des Bund Deutscher Architekten NRW

In kaum einer anderen Stadt ist die Architekturszene so lebendig und Initiativendichte so hoch wie in Köln. Wie wird aus Landessicht das hdak wahrgenommen?

Uta Joeressen: Aus der Perspektive des BDA auf Landesebene hat das hdak den Anspruch, Fachleute aus den verschiedensten Disziplinen der Architektur und des Städtebaus miteinander und, vor allem, mit den interessierten Bürgern ins Gespräch zu bringen, in den letzten 10 Jahren voll eingelöst. Köln wird bundesweit in der baukulturell interessierten Szene darum beneidet, ein solches Zentrum zu haben. Wir wünschen dem hdak, dass es bald auch von der Stadt Köln die verdiente Anerkennung in der Weise findet, dass ihm der Ausbau und die Nutzung des Erdgeschosses des VHS-Studienhauses ermöglicht wird.

Die Berufsverbände, ob BDA oder andere, sind neben ihrer baukulturellen Ausrichtung auch Interessenvertretung ihrer Mitglieder und kümmern sich um berufspolitische Themen im engeren Sinne, die das hdak nicht belasten. Das hdak nutzt diese Unabhängigkeit, die ihm die Möglichkeit gibt, innovativ, undogmatisch und flexibel Inhalte auf die Tagesordnung zu setzen, die wichtig sind oder es in absehbarer Zeit werden. So wurde das Thema „Baugruppen“ im hdak bereits bearbeitet, als der Begriff (und die Praxis) noch längst nicht geläufig war.

 

Markus Graf ist Mitglied der Bezirksvertretung Innenstadt und Stadtführer in Köln.

Was finden Sie für sich und Ihre politische Arbeit bei den Veranstaltungen im hdak?

Markus Graf: Meine politische Arbeit profitiert vom außerordentlich guten Niveau der hdak-Veranstaltungen. Gerade in aktuellen politischen Fragen bieten die Diskussionen und die Meinungsvielfalt neue Blickwinkel für eine Entscheidungsfindung.

 

Prof. Gernot Schulz, gernot schulz : architektur

Euer Büro hat 2008 den Wettbewerb zum Ausbau und zur Sanierung des VHS Studienhauses gewonnen. Umgesetzt wurde nach Deinen Plänen bisher nur der hdak-Kubus, ursprünglich als Provisorium gedacht hat er sich als Dauerlösung etabliert. Ist das typisch für Köln?

Gernot Schulz: Statistisch stimmt es sicherlich nicht, dass Provisorien generell eine längere „Lebenszeit“ haben als diesen zu Beginn zugedacht war. An sensiblen Kölner Orten und für im Fokus stehende Nutzungen scheint es hier aber eine gewisse „Häufung“ zu geben. Dies kann nur alle Beteiligten in Zukunft dazu anhalten, auch bei „Provisorien“ gestalterisch und gesellschaftlich Wertvolles entstehen zu lassen. Dies ist beim hda-Kubus gelungen.

 

Was interessiert Sie, als Politiker, an den Aspekten der Stadt und der Architektur?
Markus Graf: Köln hat trotz des immer wieder vorgebrachten Chaos in Sachen Stadtbild unglaubliche Qualitäten in Sachen Städtebau und Architektur, die Lust aufs Entdecken machen. Zudem war und ist die bauliche Entwicklung der Stadt sehr dynamisch. Umso wichtiger ist es daher, neben neuen Qualitäten die vorhandenen zu erhalten. Toll dass dem Denkmalschutz ein breiter Raum im hdak eingeräumt wird.

 

Trägt das hdak dazu bei, das Profil der Stadt als Architekturstandort zu schärfen?

Uta Joeressen: Als „Dach“ zahlreicher Partner und als Netzwerkknoten aller vernetzungsbereiten Institutionen, Initiativen und Bürger ist das hdak heute unverzichtbar. In den Formen seiner Aktion und Kommunikation wird es dem Beteiligungsbedürfnis und –anspruch der Bürger gerecht und gibt ihm Raum. Es geht nicht darum, mit möglichst prominenten Namen möglichst viele Besucher anzuziehen, sondern Beiträge zu leisten, die die Stadt voranbringen.

Aus Düsseldorfer Sicht ist es bewunderungswürdig, dass das Projekt hdak so einen langen Atem hat. In der Landeshauptstadt muss schon mindestens ein Jahrhundertbauwerk wie der Tausendfüßler bedroht sein, damit sich Verbände und Initiativen für eine gewisse Zeit zusammenschließen und an einem Strang ziehen.

 

Das hdak behandelt in seinen Veranstaltungen ein großes Themenspektrum, das viele Bereiche der Baukultur absteckt, zunehmend aber auch das Thema Partizipation. Weshalb hat dieses Thema im öffentlichen Diskurs so an Gewicht zugenommen?

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Ute Chibidziura: Hier kann ich aufgrund der mangelnden Kenntnis über die laufenden lokalen Projekte nur spekulieren. Allerdings sehe ich die partizipatorischen Projekte und Netzwerke als logische Folge der anfangs formulierten Zielsetzung für das hdak an, Raum für Dialog und Austausch zu bieten. Ein weiterer Punkt dafür könnte sein, dass Stadt und Politik festgestellt haben, dass ein offener Kommunikationsprozess für die meisten Projekte hilfreich ist und Vorurteile und Barrieren abbauen kann und sie daher ihrerseits an einem öffentlichen Austausch interessiert sind.

 

Wie wird die architektonische Zukunft des hdak’s aussehen?

Gernot Schulz: Das kann ich in der Konkretheit der Fragestellung nicht beantworten. Ich würde mir wünschen, dass unsere Wettbewerbsidee aus 2008, Räume für das hdak im Erdgeschoss des Studienhauses der VHS als gläserne Vitrine zu etablieren, umgesetzt wird. Hier sind aber inzwischen Fakten geschaffen. Die Sanierung des Studienhauses, die leider ohne unsere Beteiligung in die Realisierungsphase gegangen ist, verfolgt unseres Wissens z.B. nicht mehr unsere Idee, den hinteren Bereich des EG mit einem separaten Eingang zugänglich und durchlässig zum Rautenstrauch-Jost-Museum zu gestalten. Das ist architektonisch und stadträumlich schade und birgt meines Erachtens zusätzlich die Gefahr, dass sich der Josef-Haubrich-Hof zu einem un-öffentlichen Ort zurück entwickelt.

Es ist nicht auszuschließen, dass der Kubus auch auf mittelfristige Sicht Heimstätte des HdA bleibt. In diesem Fall muss der Ursprungszustand des Kubus wieder hergestellt werden, um auch weiterhin glaubwürdig die Ziele guter architektonischer Gestaltung vertreten zu können Dies betrifft die Klappfunktion der Türen, den Lichteinfall durch die Oberlichter und die Fassadengrafik.

 

Die Fragen stellte Barbara Schlei

 

 

 

 

 

 

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