Das ursprüngliche Erscheinungsbild der Epiphaniaskirche, Architekt Paul Olpp, 1963-65. Foto: Lepel+Lepel Architekten

Jetzt mit Glockenturm und in neuem Kleid: die Epiphaniaskirche in Bickendorf.

Obgleich die Architektur der 1960er Jahre noch nicht das öffentliche Ansehen genießt, welches ihr in Fachkreisen oder unter Liebhabern entgegen gebracht wird, lässt sich im ein oder anderen Fall doch von erkennender Wertschätzung sprechen. Dies passt auch zum neusten Bericht der Bundesstiftung Baukultur, der erst im Herbst 2014 zur Lage der Baukultur veröffentlicht wurde. Für einen Großteil der Gesellschaft nämlich, so die Ergebnisse, bedeutet Baukultur die Sicherung und Pflege schützenswerten Gebäudebestandes. Dies gilt besonders dann, wenn es sich um die identitätsstiftende Typologie einer Kirche handelt. So auch bei der evangelischen Epiphaniaskirche in Köln-Bickendorf. 1963-65 vom Kölner Architekten Paul Olpp geplant und erbaut, wird hier das Schöne dieser Architektursprache durch behutsame Erweiterung so hervorgehoben und kontrastiert, dass ein vorbildliches Beispiel für Baukultur geschaffen wird. Den anonymen, eingeladenen Wettbewerb von 2011 konnte das Kölner Architekturbüro Lepel&Lepel mit der Erweiterung einer offenen und einladenden Gestaltung für sich entscheiden.

Die Visualisierung des Wettbewerbsbeitrags

Die Visualisierung des Wettbewerbsbeitrags von 2011 zeigt die Erweiterung der bestehenden Kirche und den Neubau des Glockenturmes. Darstellung: HH-Vision / Lepel&Lepel Architekten

 

Die Erweiterung der massiven Klinkerwand und die neue Glasfassade zum Vorplatz

Die Erweiterung der massiven Klinkerwand und die neue Glasfassade zum Vorplatz während der Bauphase. Foto: Lepel&Lepel Architekten

 

Ein dem Kirchengebäude vorgesetzter Neubau erweitert den Gebäudebestand und gibt der Kirchengemeinde eine stärkere Präsenz zum Stadtraum. Kirchenraum, Servicezone, Café, Vorplatz: Schichtenweise wurde der von den massiven Klinkerwänden gehaltene Baukörper durch einen neuen homogenen Gebäudeteil zur Straße hin weitergebaut. Eine vollflächige Glasfassade, die den Blick auf die einstige Fassade der 60er Jahre gewährt, ist Symbol für mehr Transparenz und Offenheit. Mit einem Café wird eine neue Nutzung hinzugefügt, die die Kirche nicht nur als Herz der vier Pfarreien Bickendorf, Ossendorf, Vogelsang und Bocklemünd, sondern auch des Quartiers neu positionieren soll. Wichtiges Stilmittel des Ineinandergreifens der Nutzungsschichten ist der neue einheitliche Bodenbelag des Platzes, der sich bis in das Foyer hineinzieht. Hier öffnet sich der Bau vom sakralen zum öffentlichen Raum. Als immer wiederkehrendes Gestaltungselement der Glasfassade, die sich in ihrer gesamten Breite zum vorgelagerten Platz hin öffnet, stehen vier sich überschneidente Kreise, sie symbolisieren jeden einzelnen der vier Gemeindebezirke.

 

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Das ursprüngliche Erscheinungsbild der Epiphaniaskirche schimmert noch durch. Foto: links: Lepel&Lepel Architekten, rechts: Pfarrerin Uta Walger

 

Der Kirchenraum wird neu geordnet: durch eine 90 Grad Drehung des Altars wird die gesamte Fensterfront zu einer gläsernen Altarwand und einem Schaufenster ins Grüne. Dies soll, so die Architekten, ein intensiveres Miteinander der Gemeinde ermöglichen.

Grundriss Erdgeschoss, Vorplatz und Turm

Grundriss Erdgeschoss, Vorplatz und Turm. Zeichnung: Lepel&Lepel Architekten

 

Aufstellung der Fertigteilelemente

Die Fertigteilelemente des Turmes werden aufgestellt. Foto: Lepel&Lepel Architekten

Das Fugenbild des Turms

Das Fugenbild des Turms. Zeichnung: Lepel&Lepel Architekten

 

Im Zuge der Erweiterung erhält die Kirche einen neuen Glockenturm. Auch bei seiner Gestaltung symbolisiert die Zahl vier wieder die Gemeindebezirke. Skulptural kontrastiert der neue Glockenturm aus hellem, glattem Sichtbeton die rostroten Klinker des Hauptgebäudes. Aus vier vorgefertigt und vor Ort aufgestellten Betonfertigteilen, ist der gut 17 Meter hohe Turm aufgebaut, der neben einer Zwischendecke noch eine Spindeltreppe aufnimmt. Durch die kreuzförmigen Fugen des neuen Turms werden künftig vier Glocken die Gemeinde zum Gottesdienst rufen.

Die offizielle Einweihung der Kirche findet bereits am kommenden Sonntag, den 12 April 2015 statt.

Annelen Schmidt

Zur Internetseite von Lepel&Lepel Architekten

 

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