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Das Parkcafé: kein isoliertes Gebäude, sondern Herzstück des Gesamtensembles Rheinpark. Foto: Ira Scheibe

Im Parkcafé wird ab 2017 wieder serviert: charmantes Wirtschaftswunder-Ambiente oder Lifestyle-Einheitsbrei, das ist die Frage.

Eine „freudige Nachricht“ hatte Wirtschaftsdezernentin Ute Berg Ende letzter Woche zu verkünden: Das Konzept für die Sanierung und den Betrieb des Parkcafés im Rheinpark steht, die Bauarbeiten beginnen in wenigen Wochen. Nach jahrzehntelangem (Fast-)Leerstand scheint der 1957 für die Bundesgartenschau gebaute Pavillon nun gerettet. Aber der Freudefunken wollte nicht so recht zünden. Lag es am grauen Märzwetter? An der unmunteren Mimik des Betreibertrios? Oder gar an den Umbauplänen?

 

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Die Visualisierungen zeigen die geplanten Veränderungen: Treppe statt Rampe und kantige Glasarchitektur statt geschwungener Linienführung. Grafiken: Marciniak Architekten

 

Im Namen der Trittsicherheit

Die Stadt wird das Gebäude mit 2,7 Mio. Euro sanieren. Ende 2011 erteilte die Stadt Marciniak Architekten den Auftrag für ein Konzept. Dass für diesen schönen Ort lange kein Betreiber gefunden werden konnte, lag, so hieß es immer, am Raumbestand: Die einzelnen Ebenen sind im Gebäude nicht miteinander verbunden, die Grundfläche insgesamt ist zu klein. Ein Treppenhaus mit Aufzugschacht soll nun die Ebenen verbinden und ein auf die Terrasse herausragender Glaskubus im zweiten Geschoss 60 bis 80 zusätzliche Innenplätze schaffen.

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Sonntagnachmittag-Ausflugziel, noch im Dornröschenschlaf. Foto: Ira Scheibe

 

Was den Bau so charmant macht, ist die Art und Weise, wie er mit der Parklandschaft auf mehreren Ebenen förmlich verwachsen ist und dabei aber alles andere als erdschwer wirkt mit seinen geschwungenen Linien und den dünnen Platten der Flugdächer. Zum Café schreitet man auf Rampen herauf, nicht auf Treppen, so als würde man in der Natur einen Hügel erklimmen.

 

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Hier soll der neue Glaskubus, der obligatorische Loungebereich, hin. Das feine Zusammenspiel von Dach, Stütze und Terrassenplatte ginge dann verloren. Foto: Ira Scheibe

 

Die Rampe soll zwischen erstem und zweitem Obergeschoß abgebrochen und durch eine Treppe ersetzt werden – auch weil die Betreiber diese tragenden Pfeiler als unschön empfinden. Die Denkmalpflege hat diese Entscheidung abgenickt. „Wir kriegen das einfach nicht trittsicher,“ sagt der Architekt. Dabei sind doch die Rampen barrierefrei, ein Zustand, den man im Inneren mit einem platzraubenden Aufzug erst herstellen muss. Und auch der Eingriff auf dem „Oberdeck“ kommt dem Gebäude ästhetisch nicht zugute: der geplante Glaskubus verdirbt das fein ausgewogene Kurvenspiel der Dächer und Terrassen.

 

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Treppe statt Rampe: wichtige Teile der originalen Struktur sollen verschwinden. Foto: Oliver Grebe

 

Hollywoodschaukel oder Loungemöbel

Aber es muss sich ja rechnen. Aus sechs Vorschlägen hat die Stadt sich für die Gruppe aus Roberto Campione, Markus Zehnpfennig und Frank Tinzmann entschieden. Das Team will einen ganzjährigen Betrieb sichern, mit Kiosk und Außenbereich im Erdgeschoß, einem Restaurant mit mehreren 100 Außenplätzen, Küche und kleinem Veranstaltungsraum im 1. Obergeschoß und einer Bar und „Loungebereich“ im 2. Stock. Mindestens acht von 28 festen Arbeitsplätzen sollen Langzeitarbeitslosen zum Einstieg in den Arbeitsmarkt verhelfen.

Wie denn das gastronomische Konzept aussähe, wollte eine Journalistin wissen. „Meinen Sie, welche Biersorten es gibt?“, scherzte Roberto Campione. Angeboten werden „neben mediterranen Speisen auch kölsche Küche.“ Wer sich ein Bild von den Aktivitäten der zukünftigen Geschäftsführer der Parkcafé GmbH machen will, wird im Internet schnell fündig. „Lifestyle ist unsere Kernkompetenz!“ So heißt es zum Beispiel auf der Webpage der „Qest Lifestyle Gbr“, ein von Roberto Campione geführtes Unternehmen für „VIP-Betreuung und Hospitality“.

Perle im Wandel

Vielleicht haben die drei erfahrenen Gastronomen ja doch noch ein Einsehen. Könnte nicht zumindest mit der Rampe die charakteristische Rückansicht des Parkpavillons erhalten bleiben? Kann es gelingen, so viel beschwingten Wirtschaftswunder-Charme wie möglich wieder zu erwecken? Diese unübertreffliche Rheinparklage mit den Sternwellenzelten von Pritzkerpreisträger Frei Otto und dem Staatenhaus von Adolf Abel nebenan ließe sich zu einem wirklich einzigartigen Ort entwickeln, mit einer Strahlkraft weit über Köln hinaus. Oder er wird eben einfach ein „Lifestyle“-Biergarten mit sattsam bekanntem „Lounge-Charakter“. Ob sich das rechnet?

Ira Scheibe

 

 

Weitere Infos dazu bei Oliver Grebes Kölner Initiative zur Wertschätzung des Parkcafés: „perle sucht dame“

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Visualisierung der aktuellen Sanierungsplanung. Textliche Erläuterungen von Oliver Grebe, der die Initiative „perle sucht dame“ ins Leben rief und seit Langem für den wertschätzenden Erhalt des Parkcafés wirbt. Die farbigen Ergänzungen veranschaulichen die Eingriffe am Gebäude. Die Sorge ist nicht unberechtigt, dass diese Maßnahmen den Gebäudecharakter merklich verändern werden und zeigen zugleich den Konflikt zwischen Ökonomie und Baukultur. Grafik: Marciniak Architekten

 

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Rheinparkperle
10.03.2014, Schön wär’s: Kaffee und Kuchen im Park-Café

 

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6 Antworten auf “Arriverderci, 50er Jahre”

  1. rainer b

    die umbaupläne sind eine katastrophe (!) für das 50er-jahre-erbe. da merkt man, dass der architekt so gar kein gespür für das hat, was ihm da aus der vergangenheit überantwortet wurde. wie man es richtig macht, kann man bspw. am campi-umbau im WDR-haus am wallraff-platz sehen. umso trauriger und schade für das parkcafé. auch hier heißt es wieder: investoren-profit und minimal-lösung vor sinn für schönheit und ästhetik… aber wenn ich mir anschaue, dass da bspw. der zehnpfenning mit seiner ballermann-gastro drin hängt… wen wundert’s ?!

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  2. mannikoeln

    Hier muss der Denkmalschutz eingreifen. Keinem privaten Eigentum würden solch massive Eingriffe in das Erscheinungsbild eines Denkmals der 50er Jahre erlaubt. Eines der herausragenden Beispiele der Architektur dieser Zeit derart und ohne Not zu verschandeln darf nicht erlaubt werden. Auch der Frau Wirtschaftsdezernentin (sic!) der Stadt Köln nicht!

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  3. Joachim Köln

    Grauenvoll !!! Vergeudete Chancen zu Gunsten des Umsatz. Architektur mit der Bratpfanne und dem Holzhammer. Haben die Herren Architekten denn so gar keinen Stilbewusstsein? Hauptsache billig, der Gewinn stimmt und die Statt kann sich über ihre Steuern freuen. Sehr sehr schade.

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  4. Oliver Grebe

    „Nicht nur ökonomische Gesichtspunkte können Kriterien sein“ war eine der Hauptthesen des Kölner Baudezernenten Franz-Josef Höing beim „Kölner Diskurs, Kölner Perspektiven zum Öffentlichen Raum“, Ende 2014. Als Herzstück des Rheinparks ist das Parkcafé ein wichtiger Bestandteil des Gesamtensembles und kein isoliertes Gebäude.

    Warum ist dieser hoffnungsvolle Ansatz hier ungültig?
    Kennt der Kölner Baudezernenten die Sanierungsplanung für dieses überregionale architektonische Beispiel der Nachkriegsmoderne (nachweislich Bundesstiftung Baukultur)?
    Warum sind die Zugeständnisse der Denkmalpflege so konträr zum einmaligen und noch gut erhaltenen Charme des Ensembles?

    Es gibt viele Fragen – aber leider keinen Dialog.
    Ein Aufbruch auf Augenhöhe tut not!
    Das Rheinparkcafé im AufbruchO.

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  5. anton s.

    köln ist schon phänomenal – da heißt es schon immer, köln sei so hässlich – und dann versaut man sich auch noch ohne not sein beachtliches 50er jahre aber auch generell hier und da durchaus erhaltenswertes nachkriegs-erbe peu à peu – diese sadt und ihre verantwortlichen kriegen auch wirklich rein gar nix stilvoll hin – kölsche butzenkachel-mentalität wo man hinschaut. kleinstadt-eifel-bergheim-lösungen all überall. wenn ich mir bspw. anschaue, was die malzmühle da mit ihrer „renovierung“ für ein piefiges-kontinuum verbrochen hat – oder das savoy am eigelstein mit seinem pseudo-grosstädtischen kotz neu-ambiente – da MUSS die stadt doch auch mal genauer hinschauen… und das ist jetzt KEIN hau-drauf-gerede — das ist fakt. weitere beispiele gefällig? theater am rudolfplatz – rheinparkcafé – vormaliges gebäude westgate – vormaliges gebäude dorint-hotel heumarkt – etc. – zumeist wird es hässlicher als es vorher war – zielsicher werden oft genau die FALSCHEN gebäude abgebrochen – auch am breslauer platz. mir graut es schon vor der „umgestaltung“ am dom – wie kann denn ein von architektur begeisterter und fachkundiger mensch NICHT ERKENNEN, dass das verwaltungsgebäude zusammen mit dem hauptgebäude des römisch-germanischen museums, wenn GUT GEPFLEGT, ein ganz feines ensemble ist ?!? sind denn hier alle verrückt geworden ?!? das reine grauen muss einen auch schon jetzt befallen, wenn man sich überlegt, was alles um das alte WDR-parkhaus abgerissen werden soll… und dann aber legt man einem köln-affinen investor der ganz feine pläne für das ehemalige kino im riphan-gebäude am ring an der ehrenstrasse hat, von seiten des denkmalschutzes steine in den weg wegen der hinterseite (eine graue beton-wand) am friesenwall, von der ich bisher dachte, das sei ein alter hochbunker. während man dem herrn zehnpfennig das rheinparkcafé überantwortet, der ja schon beim wiener steffi bewiesen hat, wie man eine niveauvolle gastro aufbaut. im rheinpark wird es ein ganz ganz feine systemgastro mit prollo-cocktail-schwerpunkt geben – da freuen sich schon all die drauf, die jetzt im beach-club nebenan sitzen. wer bei solchen pro-und-kontra-entscheidungen nicht an kölschen klüngel denkt, dem kann nicht mehr geholfen werden. aber was für geistige dimensionen soll man auch von einer wirtschaftsdezernentin erwarten, die auf dem cover einer in überregionalen zeitungen veröffentlichten köln-sonderbeilage den red-hot-chilli-peppers-bassisten FLEA druckt?! ist das nur unsäglich peinlich! oder grenzt das schon an unzurechnungsfähigkeit? die liste hier ließe sich immer und immer weiter führen…

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  6. Christiane Rath

    Da möchte man nur noch weinen. Warum denn dann nicht gleich ganz abreißen? Ich kann diese Ignoranz weder verstehen, noch ertragen – gleiches gilt auch für das gesamte Umfeld im hinteren Teil des Rheinparks, wo man verborgene – sprich: zugewucherte Schätze finden kann, so man sich denn durch das Gestrüpp schlagen möchte. Oder das wunderschöne Theater am Rudolfplatz… Kann man noch irgendwas tun? Petitionen, Demonstrationen, Sitzblockaden? Beim Schauspielhaus hat das ja am Ende auch geklappt… sonst hätten wir dort heute einen gläsernen Klotz ohne Foyer und mit Miniaufzug… wer sich noch an die scheußlichen Pläne erinnert, wird mir Recht geben!

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