RACHEL ist: modular, mobil, open source, autark, lowcost, lowtech reversibel, nachhaltig, autark und zum Wohnen. Foto: Wettbewerbsbeitrag Dominika Detko. Sie erhielt einen der Zeitpunkt Sonderpreise für ihren Beitrag in der ersten Wettbewerbsstufe.

RACHEL – ein Architekturprojekt gibt Denkanstöße für alternative Wohnformen

Wie sieht das Wohnen der Zukunft aus, wenn ein Haus einen Verbrauchshorizont vorgibt? Dies ist eine der Ausgangsfragen, die Lars Lange mit seinem Projekt RACHEL aufwirft. Auf dem Ehrenfelder Güterbahnhof bei Jack in the Box beheimatet, möchte der Initiator und ehemalige Mitarbeiter von Naturstrom die Diskussion um wirklich nachhaltige Wohnformen anregen und am liebsten bald eine Testsiedlung in Köln bauen. Seine Vision klingt zunächst einfach: “RACHEL ist ein kleines Heim. Für alle, die es selber bauen oder günstig kaufen möchten. Ganz frei, weil Opensource und netzautark. Frei von unnötigem Ballast durch Suffizienz. RACHEL ermöglicht eine neue Art von urbanem, kooperativem Zusammenleben!“

 

Jeder ist gefragt

02 Guillermo Dario

Gulliermo Dario hat erprobt, wie hoch und dicht eine Bebauung aus minimalen Wohneinheiten sein kann .Visualisierung: Wettbewerbsbeitrag Gulliermo Dario

 

Auf der Suche nach energetisch autarken, ökologisch und ökonomisch optimierten modularen Wohneinheiten wurde im Sommer 2013 die erste Phase eines Architekturwettbewerbes ausgeschrieben. Das Besondere an dem Verfahren: ein Open-Source- Ideenwettbewerb, an dem jeder teilnehmen konnte. Die Ergebnisse werden veröffentlicht, geteilt und von anderen weiter verwendet. Es entsteht also eine Wissensallmende, die auf den bisherigen Ideen und Erfahrungen immer weiter aufbauen kann. Die Ausschreibung ist gleichermaßen zukunftsweisend, konsequent und schwierig zu erfüllen: maximal 25.000 € pro Person darf das energetisch netzunabhängige Modul kosten, die Baumaterialien sollen regional und recyclefähig sein. Darüber hinaus wäre es am besten einfach zu bauen, demontierbar und damit unabhängig von Grund und Boden. Aber Rachel soll auch und vor allem zu größeren Einheiten und bis zu 3 Geschossen zusammen zu fügen sein, um Verdichtung zu ermöglichen. Es eignet sich also für das gemeinschaftliche Wohnen auch in der Stadt, auch temporär, also eigentlich überall. Soweit das umfassende Ziel.

03 Pauline Menzel

Pauline Menzel hat für ihre Bachelorabschlussarbeit den 3. Preis erhalten. Visualisierung: Pauline Menzel

 

Das ist natürlich keine ganz neue Idee, es gibt schon zahlreiche Architekturbeispiele, die gute Ansätze für die Frage nach zukünftigen Wohnformen darstellen. In seiner Summe bedeutet der von RACHEL gestellte Aufgabenkatalog jedoch vor allem eine Reduktion an privatem Wohnraum, an Energieverbrauch und Luxus. Im Gegenzug aber auch eine gerechte und enkeltaugliche Wohnform, die einen angemessenen ökologischen Fußabdruck erzeugt und das soziale Zusammenleben ermöglicht. Ob und wie das aussehen kann, zeigen bereits die ersten Ergebnisse, die im Herbst 2013 von der Jury um Lars Lange bewertet und prämiert wurden.

Patin für das RACHEL Projekt ist die US amerikanische Biologin Rachel Louise Carlson (1907-1964), die mit ihrem weltweit erfolgreichen Buch „Der stumme Frühling“ im Jahr 1962 in den USA eine Umweltbewegung angestoßen hat.

 

Holzbox „Böxli“

04 Lorraine

Der erste Prototyp des Rachel-Architekturwettbewerbes. Das Schweizer „Böxli“ von Huldreich Hug, hier in Bern. Foto: Andreas Bodmer, WOZ Die Wochenzeitung

 

Tatsächlich konnte aber im letzten Jahr auch schon eine erste Wohneinheit gebaut werden. „Ich hätte nicht gedacht, dass alles so schnell geht“ freut sich Lars Lange über die rasche Umsetzung des Siegerentwurfes. Huldreich Hug, der zwar kein Architekt, aber ein kreativer Denker ist, hat seine Idee gemeinsam mit der Bürgerinitiative „Tour de Lorraine“ in Bern als Prototyp umgesetzt. Das so entstandene einfache „Böxli“ aus Holz tourt nun durch die Schweiz und wird vielfach diskutiert, ein echter Gewinn für Rachel. Wenn auch auf den 24m² noch nicht alle Themen aus dem Rachel Aufgabenkatalog gelöst wurden, ist er doch ein wichtiger Beitrag: in weniger als zwei Wochen konnte die Holzbox überwiegend in Eigenbau umgesetzt werden und bildet damit eine gute Grundlage für Erfinder und Nutzer, das Wohnmodul weiter zu optimieren und die Diskussion um das Wohnen der Zukunft einen Schritt weiter zu bringen.

 

Seit Sommer 2014 läuft nun die zweite Wettbewerbsphase, an der sich neben freien Teilnehmern auch einige deutschsprachige Hochschulen mit Seminaren und Semesterentwürfen beteiligt haben. Die Ergebnisse dieser Vertiefung werden in den kommenden Wochen prämiert. Und dann kann hoffentlich auch bald in Köln gebaut werden. Vielleicht noch keine ganze Siedlung, aber ein weiterer Prototyp könnte RACHEL auch in Köln bekannter machen. Und damit die Diskussion um wirklich wichtige Fragen für die Zukunft anregen.

 

Ragnhild Klußmann

 

 

Infos zum Projekt RACHEL

und zu Rachel und Jack In The Box

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