Franz-Josef Höing, Foto: Stadt Köln

Franz-Josef Höing im Gespräch mit Uta Winterhager und Jörg Leeser

Köln kann stolz auf eine Reihe mutiger und weitsichtiger Stadtplanungen des 19. und 20. Jahrhunderts zurückblicken. Josef Stübben, Fritz Schumacher, Adolf Abel und Rudolf Schwarz entwickelten großstädtische Konzepte, die mit bemerkenswerter Konsequenz umgesetzt wurden und, wie das Beispiel der nach der Schleifung der Festungsringe geplanten Grüngürtel zeigt, das Bild der Stadt bis heute maßgeblich prägen.

Komplettiert wurden die großmaßstäblichen Planungen in den zwanziger bis fünfziger Jahren mit Siedlungsbauten u.a. von Wilhelm Riphahn und Caspar Maria Grod, die ihrer Zeit weit voraus waren. Alles dies ist lange her. Heute ringt Köln, dessen amtliche Einwohnerzahl 2012 zum zweiten Mal seit 1975 die Million überschritten hat, mühsam mit seiner städtebaulichen Entwicklung. Nur überaus langsam kommt etwa die Umwandlung der brachfallenden Indu­strieflächen zu neuen Stadtquartieren in Gang. Im ver­gan­genen Juni wurde das Vorzeigeprojekt Rheinauhafen nach einem mehr als zwanzigjährigen Planungs- und Bauprozess offiziell eröffnet. An Zeichenhaftigkeit ist das Projekt kaum zu überbieten. Doch eignet sich dieser synthetische Architekturzoo kaum als Vorbild für die anstehenden Planungsaufgaben. Die Zahlen sprechen dafür, dass Köln in den nächsten Jahren weiter wachsen wird, aber schon heute ist der Wohnraum knapp und die gebotene Qualität häufig nicht angemessen. Der Handlungsdruck ist enorm.

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Die Perspektive des Baudezernenten. Foto: Uta Winterhager

 

 

Wir trafen Franz-Josef Höing, den Leiter des Dezernats VI (Stadtentwicklung, Planen, Bauen und Verkehr), in seinem Büro in der 15. Etage des Deutzer Stadthaus und waren gebannt vom Blick auf die Stadt: Besser kann man Köln nicht ins Bild fassen. Genau in der Längsachse des Domes steht Höings Schreibtisch, und das wunderbar dichte Panorama aus Alt und Neu, Hübsch und Hässlich lässt uns mit der Idee spielen, eine große Rolle Transparentpapier auf die Scheiben zu kleben und es einfach weiterzuzeichnen. Gar nicht so abwegig, vermutet Höing, dass Entscheidungen in der Vergangenheit tatsächlich so getroffen wurden. Vor zwei Jahren kam der studierte Raumplaner aus Bremen, wo er Senatsbaudirektor war, nach Köln. Hier empfing ihn eine durch den Einsturz des Stadtarchivs und den durch einen Bürgerentscheid verhinderten Abriss des denkmalgeschützten Schauspielhauses sensibilisierte Bürgerschaft, die, ungewöhnlich gut vernetzt und organisiert, die Planungsprozesse auf informelle Weise begleitet. Im Kleinen gibt es Fortschritte, so zum Beispiel bei der Umgestaltung der Domumgebung, am Deutzer Rheinufer oder – weniger prestigeträchtig – auch bei der Modernisierung einzelner Siedlungen. Doch die großen Stadtentwicklungsprojekte, mit denen die starke Nachfrage nach Wohnraum und einer intelligent durchmischten Stadt befriedigt werden könnte, stecken nach Jahren in der Pipeline immer noch dort fest oder bewegen sich nur äußerst langsam. Höing hat erkannt, dass die Stadt selbst wieder eine aktive, fordernde Rolle in der Planung übernehmen muss, statt sich nur teilnahmslos zu verwalten. Nach Jahrzehnten der Pflicht warten wir nun gespannt darauf, ob die Kür wieder etwas von der Grandezza spüren lässt, die Köln einst geprägt hat.

Das Statistische Bundesamt hat jüngst verkündet, dass sich der Bauboom in Deutschland fortsetze. Ist der Boom in Köln wahrzunehmen?

Wenn ich sehe, wie viele Baugenehmigungen wir erteilen: Die Kurve steigt steil nach oben. In den nächsten Jahren haben wir den höchsten Bedarf an Wohnraum, danach flacht die Kurve etwas ab. Bis 2030 geht es darum, dieses Wachstum anzunehmen. Für die Stadt ist es eine Chance, dass sie wächst, und das nicht in homöopathischen Dosen, sondern nennenswert. Das Land prognostiziert für Köln mehr als 100.000 zusätzliche Einwohner, das sind zehn Prozent der Stadtbevölkerung. Wir selbst sind da ein bisschen moderater und gehen von gut 50.000 neuen Einwohnern aus.

Wird sich diese Entwicklung auch im Stadtgrundriss ablesen lassen? Und in welcher Form?

Absolut. Weil wir die Innenentwicklung ernst nehmen, wird das den Stadtgrundriss nicht nur in den Außenkonturen verändern, sondern auch zu einem intensiven Umbauprozess im Inneren der Stadt führen. Es braucht eine gewisse Phan­tasie, zusätzliche 50.000 Wohnungen1 in einer dichten Stadt wie Köln zu bauen. Es gibt aber eine ganze Reihe sehr großer Standorte, wie den Mülheimer Süden oder den Deutzer Hafen, die ihre angestammte Rolle verloren haben, jetzt aber eine kraftvolle Reserve für die Stadtentwicklung bilden.

Da sprechen Sie von den großmaßstäblichen Entwicklungen. Dem steht aber auch ein großer Bestand in der für Köln typischen Kleinkörnigkeit mit viel Privateigentum gegenüber.

Stadtplanerisch können wir nur die Konturen entwickeln, am Ende des Tages baut die Stadt nicht selbst. Das sind private Entscheidungen, doch die Stadt muss den Weg vorzeichnen und die Zusammenhänge erklären. Diese Rolle füllen wir heute aber noch nicht so aus, wie es notwendig wäre. Zwar braucht die Stadt auch die großen Projekte, aber es ist die Vielzahl von kleineren Entscheidungen, durch die ein kontinuierlicher Stadtumbauprozess in Gang gesetzt wird. Bei der Wohnungsversorgung haben in Köln aber auch die Genossenschaften eine lange Tradition. Man ist fast man betroffen, wenn man sieht, mit welcher Qualität schon vor achtzig oder hundert Jahren Wohnungen gebaut wurden. Nicht, dass ich romantisch verkläre, aber diese Qualität erreichen wir heute oft nicht mehr. Und in einer Phase, in der eine Stadt wie Köln sich dynamisch weiterentwickelt, denkt man schnell nur noch an die Quantitäten.

Schaffen Sie es denn tatsächlich, auf die demographischen Veränderungen zu reagieren? Planen Sie voraus, um gegenzusteuern, oder müssen Sie eher nachbessern?

Das hängt davon ab, was gebaut wird. Es gibt gesetzliche Vorgaben, aber letztendlich entscheidet der Bauherr. Wir können das dort, wo wir städtische Grundstücke haben, flankieren, können die Vergabe definieren und Qualitätsstandards einfordern. Dann kann es auch mal ein besonderes Anliegen sein, demographiegerecht zu bauen. Wir müssen das Thema aber in Zukunft noch intensiver betrachten.

Wie fördert die Stadt denn die neuen Wohnformen?

Wir haben jetzt das Stadtentwicklungskonzept „Wohnen“ verabschiedet. Darin geht es nicht nur um Quantitäten, sondern auch darum, nach welchen Kriterien eine Stadt, deren finanzielles Korsett eng geschnürt ist, ihre Flächen nach dem Höchstpreisverfahren vergeben muss. Wir haben uns bei städtischen Flächen für Konzeptvergaben entschieden. Das Problem ist weniger, dass es keine Investoren oder Bauherren gäbe, sondern die Frage, wo es Flächen gibt, die wir vorantreiben können.

Seit fünf Jahren hat Köln einen – da privat finanziert, durchaus auch kontrovers diskutierten – städtebaulichen Masterplan. Ist er für Sie eine große Hilfe oder engt er Sie ein?

Für mich ist der Masterplane extrem hilfreich. Eine Stadt muss selbst offensiv sagen, wohin die Reise gehen soll. Denn eine Stadt die nichts will, bekommt auch nichts. Köln hat die Stadtentwicklung in den vergangenen 100 Jahren immer wieder offensiv als Chance begriffen. Der erste wie auch
der zweite Grüne Ring waren planerisch äußerst weitsichtige Entscheidungen, von denen wir auch heute noch profitieren. Köln muss jetzt die Dinge vorantreiben, denn wir sind in der glücklichen Lage, eine begehrte Stadt zu sein, täglich stimmen die Leute mit den Füßen ab und kommen zu uns. Deshalb ist es unser Job, die Konturen der Stadt dieser Entwicklung anzupassen und dieses Wachstum zu organisieren. Dabei hilft uns der Masterplan, denn eine Stadt wie Köln, die im Inneren zerrissen und zerfleddert ist, braucht einen solchen roten Faden.

Sie sagten grade, eine Stadt müsse etwas wollen. Können Sie die Strategien und Instrumente, die Sie haben, um das Wollen zu orchestrieren, konkret benennen?

Im Moment konzeptionieren wir – auch aufgrund der aktuellen demographischen Entwicklung – einen Prozess, der zu einem strategischen Gesamtkonzept für die Stadt führen soll. Denn selbst der Masterplan, so groß wie er ist und so viele Projekte er auch auf einem Blatt vereint, umfasst nur die innere Stadt, doch Köln ist deutlich größer. Dazu braucht man noch mal einen Kompass, ein strategisches Konzept, wie es sich andere Städte, Hamburg, Wien oder Kopenhagen, schon geleistet haben. Dann muss der Masterplan, der zu Recht ein bisschen grobmotorisch ist, in einigen Bereichen präzisiert werden und eine weitere Maßstabsebene bekommen. Und dann brauchen wir ein paar Leuchtturmprojekte.

Bilbao?

Das ist nicht mein Anliegen, aber eine Stadt muss sich zwei, drei große, strategisch wichtige Sachen vornehmen, und das tun wir bereits.

Wenn Sie das Köln von Adenauer, von Schumacher und von Abel betrachten, dann war da Grandezza als Ergebnis großer städtebaulicher Ideen. Müsste dies unserer Gene­ration nicht auch gelingen können?

Es gibt ja nicht nur einen Masterplan für die bauliche Entwicklung im Inneren, sondern auch noch einen zweiten, grünen Masterplan, für den zweiten Grünen Ring. Der ist kürzlich in enger Zusammenarbeit mit der Kölner Grün Stiftung entstanden, und das schafft dann noch mal einen anderen Maßstab.

Was wir darüber hinaus im Moment in enger Abstimmung mit dem Land NRW vorbereiten, ist ein Bild für die Region. Alle Themen, ob Fragen des Verkehrs, ob Freiraumverknüpfung oder Fragen des Wohnungsbaus, all diese Herausforderungen lösen sie nur, wenn sie eine Vorstellung von der Stadt Köln in der Region entwickeln.

Welches sind für Sie derzeit die wichtigsten Projekte? Wenn man auf einen rechtsrheinischen und einen linksrheinischen Ort fokussierte, welche würden Sie nennen?

Rechtsrheinisch sind es der „Mülheimer Süden“ und der „Deutzer Hafen“, zwei große Projekte, an denen wir jetzt systematisch arbeiten. Auf der anderen Rheinseite ist es das Großmarktareal. Ich scheue mich immer davor, Vokabeln wie „Jahrhundertprojekt“ in den Mund zu nehmen, aber das Großmarktareal ist solch ein Thema. Nach der Verlagerung des Großmarktes soll der Innere Grüngürtel unter dem Titel „Parkstadt Süd“ bis an den Rhein geführt werden, was man auch als geometrische Schlussfolgerung bezeichnen könnte. Außerdem haben wir in Ehrenfeld das Güterbahnhofsareal in Angriff genommen, das wir nun mit einer Verfahrenskultur hinterlegen möchten.

Das heißt, Sie fordern Partizipation ein?

Ja. Es bedeutet zunächst, dass wir mit großer öffentlicher Beteiligung arbeiten. Nicht nur wenn wir Ergebnisse verkünden, sondern auch, wenn wir Konzepte entwickeln. Das erfordert ein neues Rollenverständnis der Stadtverwaltung, der Planer, der Architekten aber auch der Bürger, die sich einbringen. Das haben wir inzwischen mehrmals gemacht, auch beim Helios-Areal, ein durchaus umkämpfter Standort. So entsteht über Alternativen, über Wettbewerbs- und Gutachterverfahren in all ihren Spielarten, eine Planungskultur.

Köln hat die Tradition, dass Projekte immer sehr, sehr lange dauern, der Mülheimer Süden ist sicherlich auch schon in die Jahre gekommen. Haben Sie in den zwei Jahren als Baudezernent Werkzeuge gefunden, mit denen man hier die Dinge vorantreiben kann?

Ich sehe auch, dass manche Debatten sehr, sehr lange dauern. Vielleicht muss man da auch mal am eigenen Rollenverständnis arbeiten. Denn zwischen der nüchternen Planung und dem konkreten Projekt gibt es eine Phase, in der die Stadt, z.B. bei der Definition von Standorten, eine aktive Rolle übernehmen muss. Konkret bedeutet dies, den Akteuren noch bildhafter zu vermitteln, welche erheblichen Potenziale in bestimmten Standorten stecken, um Prozesse zu beschleu­nigen. Diese Form der Planungskultur, die über die Zwei­dimensionalität hinaus gehen muss, versuchen wir jetzt auch in der Verwaltung offensiver voranzutreiben.

Es gibt den Mythos Köln, die Stadt als Gefühl, nicht nur im Karneval. Jeder findet, Köln ist eine tolle Stadt. Hier gibt es solche Ikonen wie die Veedel, historisch gewachsene, dichte soziale Strukturen. Ist es angesichts der demogra­phischen Daten, die eine große Wanderung in die Stadt, aber auch heraus und einer steigenden Zahl von Singlehaushalten belegen, ein Thema für Sie, genau dieses „Kölsche“ in die Planung einzubeziehen oder zu fördern?

Das Kölsche, ich ahne, was Sie meinen. Ich halte es für ein Vorurteil, Köln sei toll, aber nicht schön. Natürlich gibt es entstellte Ecken, aber es gibt auch spektakuläre Stadt- und grüne Freiräume. Darum beneiden uns viele andere Städte. Sie prägen das Bild dieser Stadt, das an vielen Stellen unglaublich schön ist. Wie man das Thema des kölnischen Gefühls in den Quartieren planerisch richtig übersetzt, dafür gibt es kein Rezept.

Im Kölner Stadtgrundriss finden sich zahlreiche Maßstabssprünge. Einerseits haben wir kleine, historisch gewachsene Viertel, andererseits den monumentalen Grüngürtel, der schon jetzt mit sehr, sehr großen Gebäuden, Uni-Center, Fernsehturm usw., bestellt ist. Wie reagiert man heute auf diesen Maßstabssprung? Der Masterplan ist diesbezüglich eher zurückhaltend, man sieht da nur Blockrandschließungen, das Hochhaus in der Stadt wird nicht angesprochen.

Der Masterplan ist im Wesentlichen ein zweidimensionales Werk, das nicht den Anspruch hatte, diese Themen endgültig zu definieren. Wir führen jetzt auch in Bezug auf den Wohnungsbau eine Dichte-Diskussion. Ich meine allerdings, dass man aufpassen muss, nicht zu vordergründig hoch hinaus
zu wachsen. Aus meiner Sicht gibt es schon den einen oder anderen Ort in der Stadt, an dem man sich eine Entwicklung auch über das normale Maß hinaus vorstellen kann.

Ist der Innere Grüngürtel solch ein Raum? Etwa in Bezug auf die Uni-Erweiterung oder den Großmarkt.

Der Großmarkt definiert neue Konturen im südlichen Bereich der Innenstadt. Hier setzen wir ab November ein großes Gutachterverfahren mit internationaler Beteiligung in Gang, fünf Teams sollen die zurecht abstrakte Chiffre des Masterplans in eine konkrete räumliche Vorstellung übertragen. Die Aufgabenstellung definieren wir erst einmal relativ offen. Ich sehe das nicht automatisch als einen Standort, an dem
ich mir von vornherein hohe Häuser vorstellen will oder muss. Hundert Hektar sind eine Dimension, bei der man grundsätzlich über Städtebau nachdenken muss, damit lebendige Quartiere entstehen können. Architektur ist da nur ein mögliches Mittel. Die Frage, wie ich ein robustes Stück Stadt schaffe, treibt mich eher um, als formale Gelüste nach hohen Häusern.

Könnte man sagen, die Herausforderung im Mülheimer Hafen besteht darin, aus der Kontinuität heraus etwas Neues zu entwickeln?

Ja, und das sehe ich nur in Ansätzen in diesen ersten Skizzen, die wir gemacht haben, weil wir diese Debatte vorantreiben und planungsrechtliche Fragen oder Fragen von Retentionsräumen intensiv diskutieren. Ich finde es interessant, aus der typologischen Tradition einer Stadt etwas Neues zu machen, um damit an das, was da ist anzuknüpfen. Wonach wir uns doch alle sehnen, ist eine gewisse Originalität und eine Interpretation eines Ortes, damit es nicht überall gleich aussieht.

Es gibt aber auch viele Gebäude in der Stadt, bei denen man sich durchaus vorstellen könnte, auf sie zu verzichten.Wir denken etwa an den Siedlungsbau der fünfziger Jahre. Gehört es nicht auch zum Stadtumbau, sich von Unzeitge-mäßem zu trennen?

Man muss aufpassen, dass man nicht zum Bilderstürmer wird, denn an vielen Stellen in Köln entdeckt man die Qualitäten erst auf den zweiten Blick. Ich gehe nicht durch die Stadt und denke: „Kann weg, kann weg, kann weg.“ Doch man muss nicht an allem festhalten, manches wurde in der Nachkriegszeit sehr schnell gebaut. Auch im Wohnungsbau ist das seit geraumer Zeit ein Thema. Es gibt auch schon gute Lösungen – die GAG Siedlung Buchheimer Weg (Heft 45.2011) zum Beispiel.

Dort wurde doch alles abgerissen?

Ja, und das Doppelte neu gebaut, ohne den Städtebau grundsätzlich in Frage zu stellen. Es ist immer noch diese offene Struktur, nur viel dichter. Dies ist ein gelungenes Beispiel, wie man preiswert baut und die teilweise wahnsinnigen ener­getischen Ertüchtigungen von Bestandsgebäuden umgehen kann. Auch bei einer Siedlung in Ossendorf hat die Wohnungsbaugenossenschaft lange überlegt, wie der Bestand energetisch ertüchtigt oder die Grundrisse modernisiert werden könnten. Die Maßnahmen waren nicht finanzierbar. Jetzt reißt man ab und plant komplett neu, auf dem Grundriss der alten Siedlung. Das ist wie aus einem Lehrbuch für Siedlungsbau: Ganz strenge Struktur, straßenbegleitende Reihenhäuser, Zeilen zweigeschossig, wunderbar proportionierte Stadträume. Mit neuen Häusern am historischen Plan festhalten, das ist ein zentrales Thema.

Ja, aber auch ein quantitatives Thema. Im Stadtgrundriss sieht man zahllose Fünfziger-Jahre-Siedlungen.

Mit fünf oder sechs Wohnungsbaugenossenschaften führen wir parallel Untersuchungen durch, um zu sehen, wie man diese Siedlungen klug weiterentwickeln könnte. Vielleicht auch nicht nur mit Wohnen, denn häufig ist es die Crux einer Siedlung, dass sie ausschließlich Wohnraum bietet. Welche neuen Zielgruppen kann man ansprechen, was gibt es noch an architektonischen Experimenten, wie kann man dadurch auch den Bestand auch noch mal aufwerten? Das will ich für Köln jetzt mit verlässlichen Partnern, ganz systematisch in Angriff nehmen, weil ich glaube, dass da großes Potenzial, auch in Form dringend gebrauchter Wohneinheiten, drinsteckt.

 

Text: Leeser, Jörg, Köln; Winterhager, Uta, Bonn

aus Bauwelt 36.2014

(red.uw)

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