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Was ist denn nun eigentlich Architekturqualität? Versuch einer Annäherung | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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26.03.2004 Die Architekten gaben an, dass Architektur mit der Poesie die meisten Gemeinsamkeiten habe. Betrachtet man die in den Antworten verwendeten Metaphern, gibt es tatsächlich eine große Nähe zum sprachlichen Ausdruck. Schilling: "Gute Gebäude lassen sich auf vielfältige Weise 'lesen', reden aber auf die Betrachter oder Nutzer nicht ein." Steffens spricht vom "lesbaren Konzept". Schlechte Architektur so hieß es, sei "nichtssagend" und "autistisch", das heißt, entweder ist sie trivial und es gibt gar nichts zu verstehen, da das Bauwerk keine Tiefe hat, oder sie ist abgehoben und legt es nicht darauf an, verstanden zu werden. Gute Architektur ist wie ein Buch, das man gerne mehrmals liest, auf diese Formel bringt es Doch die Geschmäcker sind ja nicht nur bei Büchern verschieden. Gibt es überhaupt ein "Richtig" und ein "Falsch" in der Architektur? Ähnlich wie Wolfgang Felder mit der Einführung des Kribbel-Faktors, sagt auch Gisbert Brovot: Gute Architektur kann man fühlen. Erkennt man gute Architektur auf Anhieb oder muss man sie sich erst erschließen? Hier waren die Urbanophilen gespalten. Zwar entschied sich die deutlich größte Gruppe für die Antwort "man erkennt sie sofort", doch die restlichen Stimmen verteilten sich gleichmäßig auf "man muss sie sich erschließen" und "beides ist richtig" – eine Option, die wir gar nicht zur Wahl gestellt hatten. Eine weitere interessante Variante zu diesem Thema lieferte Wolfgang Felder, der darauf hinwies, dass man zum Glück ja schlechte Architektur auf Anhieb erkenne. Obwohl Johannes Schilling dann doch wieder zu bedenken gibt, dass völlig Unbedarfte durchaus Gefahr laufen, auf Scheinqualitäten hereinzufallen. Gelungene Architektur – und das Haus ist dein Freund Gleichzeitig betonen gerade Architekten, dass das Gelingen eines Gebäudes ausmacht, dass man es nicht nur versteht sondern auch mag, sich von ihm gefühlsmäßig angesprochen fühlt. Was meinen Sie, wenn Sie sagen, dass ein Gebäude funktioniert, so lautete die entsprechende Frage. Gisbert Brovot: "Harmonie innen und außen, Akzeptanz des Nutzers." Ulrich Coersmeier: "Atmosphärisches, man liebt es, dort zu sein, zu arbeiten, zu wohnen." Wolfgang Felder: "Die Logistik stimmt, man freut sich, es zu benutzen." Johannes Schilling: "Es wird selbstständig, und es wird zum Freund derer, die mit ihm zu tun haben." Ob man ein Gedicht oder Gebäude mag, richtet sich nach persönlichen Vorlieben. Ob man es versteht oder nicht, hängt von der Sprachkompetenz ab – und zwar sowohl der des Senders als auch der des Empfängers. Die Qualität ergibt sich aus dem Zusammenspiel verschiedener Faktoren, die sich in einem Zustand der Balance befinden. Ausgewogenheit heißt, jede Betonung braucht ein Gegengewicht und jedes Unterstreichen ein Unterordnen, denn nur so kommen nicht irgendwelche sondern gute Lösungen zustande. Noch einmal Gute Architektur – da sind sich doch alle einig -tritt in Dialog, sowohl mit dem Betrachter als auch mit der Umgebung. Im Idealfall antwortet sie dem genius loci, indem sie Eigenheiten und Vorzüge des (Stand-)Ortes unterstreicht und zu einer positiven Identitätsbildung beiträgt. Die Qualität muss herausgearbeitet werden. Dieser Prozess, gewissermaßen das Ringen mit dem Kontext und der Aufgabe ist eine Bedingung für Architekturqualität. Johannes Schilling sagt, Gestaltung sei ihm suspekt. Ihm geht mehr um ein Freilegen als um ein Erschaffen: Dass es dennoch zu einer Sprachverwirrung kommen kann, liegt gewissermaßen in der Natur der Architektur, die stets eine Gratwanderung darstellt, wie Axel Joerss formuliert: "Ein Raum muss ein Paradox verwirklichen, es sollte Weite und Transparenz haben und den Menschen trotzdem bergen." Gelungene Architektur muss diesem Doppelaspekt Rechnung tragen: Raum schaffen durch Begrenzen. In dieser Hinsicht gibt es vielleicht kein eindeutiges richtig und falsch aber auf jeden Fall ein "besser oder schlechter." Die Stadt als Garten Beim Bauen, so meint Juan Pablo Molestina, geht es "um eine Manipulation der organischen Welt. Es gibt Gesetze zu beachten, wachstumsfördernde Eingriffe und andere, die Wachstum verhindern. Die Stadt hat auch etwas von einem Garten." Damit ist er näher am Kulturbegriff als man zunächst vermuten mag. Denn dem ursprünglichen Wortsinn nach meint Kultur das Urbarmachen von Boden und die Hege und Pflege dessen, was man zum Wachsen bringen möchte. An wachstumsfördernde Eingriffe denkt Johannes Schilling, als er seinen stadtplanerischen Wunsch für Köln formuliert. Ihn reizt vor allem "die Weiterentwicklung vorhandener Potenziale. Die Entwicklung einer Industriebrache zu einem lebendigen Stadtviertel mit 'Flair' würde mich beispielsweise interessieren. Das Wichtigste Kriterium für das Leben und Überleben einer Stadt ist übrigens bekanntlich das Wachstum ihrer Einwohnerzahl. Eine Stadt, in der man gerne lebt, zieht auch Arbeitsplätze an sich." Vielleicht muss man also einfach immer nur solche Architektur bauen, von der sich "Leute mit Fantasie, Kultur, Geschmack oder Engagement" - wie Schilling selbst sagt - angezogen fühlen. Denn wenn solche Menschen einen Ort bevölkern, besitzt er Charisma und eine hohe Aufenthaltsqualität. Und das gilt, wenn man den Antworten zu den Lieblingsorten glauben darf, sogar unabhängig von seiner baulichen Qualität. Ein persönliches Fazit: Auf die Dramaturgie kommt es an Eine vielschichtige Ausbildung muss Architekten und Stadtplaner auf die hohe gesellschaftliche Verantwortung, die sie tragen,vorbereiten. Neben der technischen und pragmatischen Kompetenz, sollten Wahrnehmungslehre, Architekturgeschichte, Ästhetik und Philosophie einen angemessenen Raum einnehmen. Kultur heißt eigentlich Pflege, und Kulturbewusstsein setzt voraus, dass man eine Vorstellung davon hat, was es zu pflegen gilt. Diese Forderung richtet sich an Auftraggeber und Architekten gleichermaßen. Für mich hat Baukunst viel mit Filmkunst gemeinsam. Beide stützen sich auf Pläne, nach denen Inszenierungen mit verschiedenen Zielsetzungen und Verweilqualitäten geschaffen werden, und beide nutzen maßgeblich das Licht. Es gibt große Teams aus Investoren, Regisseuren, Autoren, Cuttern, Beleuchtern, Aufnahme- oder Projektleitern und Kostenmanagern. Beide Disziplinen arbeiten mit Plots, also gedanklichen Leitsystemen, die gleichzeitig Hülle und Kern, Struktur und äußere Erscheinung verbinden. Mal ist der Plot durch das Genre geprägt, mal vom Produzenten vorgegeben, oder er greift eine langgehegte Entwurfsidee auf, die sich endlich zur vollen Blüte entfalten lässt. Was macht die emotionale Qualität aus? Spannung, Abwechslung, Charakter. Es ist in beiden Fällen die Dramaturgie, die über das "Funktionieren" entscheidet. Ihr geht es darum, das gleichzeitige Wirken widersprüchlicher Parameter im Sinne des Plots zu organisieren. Die Anforderungen an das Ergebnis sind ebenfalls widersprüchlich, denn es soll Interesse wecken aber nicht laut sein. Es muss zudem einer doppelten Prüfung standhalten: 1. Dem intuitiven Erfassen im ersten Eindruck. 2. Der Analyse des Zusammenhangs, in der das Ganze als System aus Elementen und Beziehungen verstanden wird. Greift beides sinnvoll ineinander, dann funktioniert das Ergebnis, denn das "Spiel zwischen Intellekt und Sinn" – wie Johannes Schilling es ausdrückt, kommt in Gang. Was sich dann erleben lässt ist der 'Mehrwert', von dem auch Wolfgang Felder spricht, nämlich die Freude am gelungenen Werk, die sich dem, der sich hin- oder mitreißen lässt, zum Beispiel als Kribbeln im Bauch darstellt. Autorin Petra Metzger - Auf der Suche nach Architekturqualität - Von Vorbildern, Vorlieben und Qualitätshindernissen - Qualitätsvorstellungen zwischen Emotionalität und Identität - Wie verhält es sich mit der Architekturqualität in Köln? - Wie lässt sich vermitteln, was sich nur schwer erklären lässt? - Schlaglichter |
![]() [+] Frauke Burgdorff auf die Frage: 'Für mich bedeutet Architekturqualität...' ![]() [+] Gisbert Brovot auf die Frage: 'Für mich bedeutet Architekturqualität...' ![]() [+] Johannes Schilling auf die Frage: 'Ist gute Architektur reine Geschmackssache?' |
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