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26.03.2004
Warum sich viele Menschen mit moderner Architektur schwer tun, hat vielfältige Gründe, wie die Antworten zeigen. Sie ist zu wenig nutzerorientiert, meint Frauke Burgdorff, zu ungewohnt, zu wenig vertraut sagt Robert von Zahn und zieht eine Parallele zur Neuen Musik. Zu vertraut weil ewiggleich und fantasielos, das sieht hingegen Wolfram Hagspiel als Hemmnis an; er nennt diese Bauten "Allerweltsarchitektur". Auch Ulrich Krings und Helmut Fußbroich finden einhellig, dass viele Gebäude zu nichtssagend und unfähig sind, in einen Dialog mit dem Betrachter zu treten.

Allerdings trägt der Betrachter eine Mitschuld an der Kommunikationslosigkeit, denn beide stimmen zugleich der Aussage zu "Es liegt nicht an der Architektur, sondern an den Betrachtern, denen es an Hintergrundwissen fehlt." Dieser Meinung ist auch Uta Joeressen. Audio Uta Joeressen Doch sie erkennt das Problem als tiefsitzender: Denn überhaupt wird Bildung eher als Unlust und Anstrengung erlebt denn als Bereicherung. Audio Uta Joeressen

Axel Joerss nimmt die verstörten Rezipienten in Schutz. Audio Axel Joerss Nach Gründen für die Probleme der Laien sucht auch Helmut Fußbroich und bezieht sich dabei auf den Einfluss der Wahrnehmungsgewohnheiten auf das Vorstellungsvermögen. Audio Helmut Fußbroich

Ob nun Desinteresse zu Unkenntnis führt oder Unkenntnis Interesse verhindert, in jedem Fall ist es wünschenswert, Architekturwissen zum Allgemeingut zu machen. Denn im Vergleich zum Filmschaffen oder zur Literaturszene ist Architektur beinahe unpopulär zu nennen, obwohl sie unausweichlich unsere Lebenswelt prägt.

Vorschläge zur Gegenoffensive

Was kann man tun, um der Popularitätskrise zu entgegen zu treten? Fast alle Befragten rufen nach mehr Öffentlichkeitsarbeit. Johannes Schilling nennt als Beispiel "Kritische Sachkunde in Tagespresse (haha!), Feuilletons, Radio und Fernsehen." In diese Forderung stimmt auch Helmut Fußbroich ein: "Tageszeitungen sollten in der Lage sein, sich Architekturkritiker zu leisten. Das Beispiel Strodthoff hat gezeigt, wie wirkungsvoll so eine Einrichtung ist - unabhängig davon, ob man mit jeder Besprechung einverstanden ist."

Jürgen Steffens erhofft sich von der Presse, dass sie den Wert guter Gestaltung stärker würdigt. "Es gibt viele Architekturpreise, die öffentliche Wahrnehmung erfahren. Trotzdem ist es schlimm, dass in der Tagespresse über ehrgeizige Bauvorhaben berichtet wird, ohne den Entwurfsverfasser zu nennen. Dieses weit verbreitete Fehlen von Sensibilität für Gestaltung kann nur dann vermieden werden, wenn allseits begriffen wird, dass gute Gestaltung etwas nutzt, etwas wert ist."

Dieses Begreifen zu fördern wurde vor fünf Jahren die Projektwoche plan ins Leben gerufen, die seither jährlich zur Auseinandersetzung mit den Themen Stadt, Raum, Architektur einlädt. Auf diesen Vorstoß, der bis heute nicht an Notwendigkeit verloren hat, bezieht sich Ulrich Coersmeier und wünscht der plan mehr Gewicht in der Öffentlichen Wahrnehmung. Dazu sein Vorschlag Audio Ulrich Coersmeier

Neben den Medien – so weisen die Antworten aus - ist der Schulunterricht das zentrale Moment auf dem Weg zum architektonischen Urteilsvermögen. Frauke Burgdorff sähe gerne, wenn "Architektur und Städtebau fester Bestandteil des Geographie und Kunstunterrichts" wären. Ähnliches wünscht sich Jürgen Steffens. "Den Kinder sollte die Notwendigkeit eines Qualitätsanspruches im Hinblick auf die Entwicklung und/oder die Wahrnehmung guten Designs vermittelt werden. Die Initiative Baukultur ist ein guter Ansatz."

Das Wohnzimmer als Ausweis

Wohnkultur hält Frauke Burgdorf für einen Schlüssel zum Thema Raumgestaltung, denn sie würde vor allem Profanbauten (insbesondere Wohnbauten) zum Gegenstand von Ausstellungen und Veranstaltungen machen.
Über die Verschränkung von Eigentum und Geschmackserziehung macht sich auch Axel Joerss Gedanken. "In Deutschland gibt es ca. 40% Privateigentum in England dagegen etwa 70%, wie sieht es denn da mit der öffentlichen Sensibilität für architektonische Leistungen aus?" Audio Axel Joerss

Dass Besitz und Wohnkultur unabhängige Kategorien sind, führt hingegen Johannes Schilling aus. "Katastrophal ist auch die teilweise ungenügende (6) Bildung der gesellschaftlichen Eliten, man möchte gar nicht hinsehen, wie deren, oft berufsbedingt beratungsresistente, Vertreter zuweilen wohnen." Ob ein Auftraggeber seiner Zahlungsverpflichtung nachkommen kann unterliegt einer Bonitätsprüfung. Nun lässt sich vielleicht an ein Verfahren zur Feststellung ausreichender kultureller Verantwortung denken. Denn das wäre mal ein wirklich neuer Vorschlag zur Förderung der Baukunst, wenn zudem jeweils das Wohnzimmer des Bauherren auf einen den gestalterischen Prüfstand gestellt würde.

'Mehr schauen als reden', lautet das Credo von. Audio Frauke Burgdorff .Das Architekturerlebnis sollte ebenso für sich sprechen wie das Baustellenerlebnis, das zu allen Zeiten seine Anhänger findet. Auf die Frage, warum er Architekt geworden sei, antwortet beispielsweise Paul Böhm so: "Ich liebe Baustellen" – um dann aber in einem Nachsatz hinzuzufügen "und ich möchte einen Beitrag leisten für das kulturelle Vorankommen unserer Gesellschaft."

Welchen Weg kann man sonst noch gehen, um Architekturwissen populärer zu machen? "Bessere Häuser bauen" lautet dazu die knappe Antwort von Museumsdirektor Kasper König. Unschlagbar auf der Höhe der Zeit zeigt sich Dr. Robert von Zahn mit seiner Antwort. Nach dem Motto Architektur goes RTL schlägt er gleich Quotenbrecher vor: ein "Architekturquiz mit Günter Jauch" und ein "Öffentliches Casting für Architekten mit Michelle Hunziker".


- Auf der Suche nach Architekturqualität
- Von Vorbildern, Vorlieben und Qualitätshindernissen
- Qualitätsvorstellungen zwischen Emotionalität und Identität
- Wie verhält es sich mit der Architekturqualität in Köln?
- Was ist denn nun eigentlich Architekturqualität? Versuch einer Annäherung
- Schlaglichter



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[+] Uta Joeressen auf die Frage: 'Wie könnte man Architekturwissen fördern und gesellschaftliche Debatten über Architektur fördern?'

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[+] Helmut Fußbroich auf die Frage: 'Nach dem Vorstellungsvermögen der sogenannten Laien.'

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[+] Frauke Burgdorff auf die Frage: 'Nach dem Vorstellungsvermögen der sogenannten Laien.'

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[+] Robert von Zahn auf die Frage: 'Wie läßt sich Architekturwissen populärer vermitteln?'

 
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