RTL hat sich, trotz Hürther Verlockungen, für einen Umzug nach Köln-Deutz entschieden.

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Im Jahr 2008 wird Europas größte private Fernsehanstalt mit ihren Tochterunternehmen und womöglich auch den Sendern Vox und Super RTL, in die bisher von der koelnmesse genutzten Rheinhallen umziehen.

Dabei wechseln die Gebäude ebenso ihren städtischen Besitzer wie das dazu gehörige Grundstück: die koelnmesse verkauft ihre Immobilie zunächst an die Stadtsparkasse, welche die innerhalb der denkmalgeschützten Fassade errichteten Hallen aus den 1920er Jahren abreißen wird. Es folgt der Bau einer fünf- bis sechsgeschossigen Kammstruktur aus Büros und Studios, die zu großen Teilen an die RTL-Gruppe vermietet wird. Die koelnmesse erhält zum Ausgleich bis 2006 vier neue Hallen auf dem nördlich der jetzigen Osthallen gelegenen Areal und verfügt damit auch weiterhin über das viertgrößte Messegelände der Welt.

Sieger und Verlierer zugleich: die Messe

So werden sich künftige Messeveranstaltungen auf das östlich von Auenweg und Bahntrasse gelegene Gelände konzentrieren und damit gleichzeitig die bislang störende Zweiteilung beseitigt. Neben einer modernen Infrastruktur dürften die neuen Hallen über eine weitaus größere räumliche Flexibilität sowie eine höhere Aufenthaltsqualität für Aussteller wie Besucher verfügen.

Mit der Aufgabe der Rheinhallen wird sich die koelnmesse allerdings nicht nur physisch von Stadtzentrum, Rheinufer und Messefähre entfernen. Durch den Verzicht auf Backsteinfassade und Messeturm verliert die GmbH neben der weithin sichtbaren Außenwirkung auch die Identität stiftenden Teile seiner Unternehmenskultur.

Im Bewußtsein der Bevölkerung mag die Messe deshalb künftig eine weitaus geringere Rolle als bisher spielen – dies umso mehr, als Rheinhallen und Turm durch ihre Verwandlung in privat genutzte Immobilien ihren bislang zumindest halböffentlichen Charakter verlieren werden.

Hauptgewinn für RTL

Die „weichen“ Standortvorteile wird sich die RTL-Gruppe zunutze machen. Im Zentrum der Stadt, unmittelbar am Rhein gelegen, wird der neue Firmensitz ganz automatisch zu einem wichtigen touristischen Blickpunkt. Als wesentlicher Teil des Stadtpanoramas profitiert die Senderfamilie dabei zugleich vom hohen Imagewert des Doms. Das macht aus dem größten Gewerbesteuerzahler der Stadt, deutlicher als bisher, ein Kölner Unternehmen.

Die Beschäftigten des Senders werden dabei auch von der dichten Infrastruktur der nahegelegenen Innenstadt und der Deutzer Rheinseite profitieren. Das beinhaltet neben der optimalen Verkehrsanbindung an ÖPNV, Autobahn und Eisenbahn -der Flughafen Frankfurt ist in einer Stunde zu erreichen -auch die dort vorhandenen Einkaufs- und Freizeitangebote. Darüber hinaus könnte die Nutzung von Rheinpark und Tanzbrunnen für den Sender durchaus reizvoll sein.

Vom steten Versuch, Deutz aufzuwerten

Die neue Senderzentrale wird sich zu einer ganzen Reihe von Versuchen gesellen, durch bedeutende infrastukturelle und städtebauliche Projekte das „schäle“ Deutz aufzuwerten und dem rechtsrheinischen größere, auch mediale, Aufmerksamkeit zukommen zu lassen.

Projekte wie das Stadthaus, die Köln-Arena oder die von der UNESCO zunächst gestoppten Hochhäuser, scheinen sich jedoch allein aufgrund ihrer Größe und Monofunktionalität schwer in diesen Stadtteil integrieren zu lassen. Das Hinzufügen weiterer Großprojekte könnte zu noch mehr „Mittagspausen-Infrastruktur“ sowie zu „nach Dienstschluß toten Gegenden“ führen – und aus Deutz die Docklands Kölns machen.

Dabei liefert das linksrheinische Köln durchaus ein Vorbild für die hier erwünschte „Urbanität“: das Personal von Gerling oder dem WDR etwa arbeitet in mehreren, über die Stadt verteilten Gebäuden. Das mag für die Firmen im besten Fall „unpraktisch“ sein, der städtischen Lebendigkeit und Aufenthaltsqualität allerdings ist es mehr als zuträglich.

Großräumig verwoben

Ob der Stadt Köln mit der Ansiedlung von RTL in den Rheinhallen ein medien- und wirtschaftspolitischer Coup gelungen ist, muß sich erst noch erweisen. Der Umzug wird zweifellos dazu führen, den Bau von Kongreß-Zentrum, Bürogebäuden und Hotels in Deutz für Investoren noch attraktiver zu machen und Köln als Fernsehstadt im Bewußtsein von Bevölkerung und Entscheidern zu verankern.

Dabei wird sich das rechtsrheinische, nach den offenbar gescheiterten Versuchen, den Mediapark und das Coloneum als Medienzentren zu etablieren, zum wichtigen Standort für Fernsehproduktionen entwickeln. Ebenso wie das diesmal knapp gescheiterte Hürth.

Ulrich Grützner

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Nur der Rhein trennt Dom und RTL

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Deutz soll schöner werden.

Foto: koelnmesse

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Vom Messeturm wird das neue koelnmesse-Logo bald wieder entfernt.

Foto: koelnmesse

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