Im Rahmen des “Romanischen Sommers“ finden im Hohlraum der Deutzer Brücke Konzerte und Installationen statt.

Ursprünglich als musikalische Wanderung durch die Kölner Romanischen Kirchen konzipiert werden im Rahmen des Romanischen Sommers mittlerweile auch ungewöhnliche Orte angesteuert – wie etwa der Hohlkörper der Deutzer Brücke.

Die Dimensionen des dreiteiligen Hohlkastens der Deutzer Brücke sind beindruckend: zwei der drei Räume habe eine Länge von je 130 Metern, der mittlere, zwischen den Strompfeilern gelegene etwa 180 Meter,bei einer Breite von 10 Metern variiert die Höhe zwischen zweieinhalb und fünf Metern.

Unter akustischen Gesichtspunkten betrachtet, handelt es sich um einen Klang- und Hallraum, der jedoch nicht leer oder neutral wie etwa ein elektronisches Hallgerät ist.

Im Unterschied auch zu einem Kirchenraum kann man hier von einem „weltlichen Sakralraum“ sprechen, ein Widerspruch in sich: Ein Sich-Abkapseln des Hörers von den hereindringenden Zivilisationsgeräuschen ist nicht möglich: über die Fahrbahndecke werden ständig „Störgeräusche“, Klänge von Autos und besonders Straßenbahnen in die Brücke übertragen. Auch die Schiffe auf dem Rhein kann man zuweilen hören.

Das Konzept der BrückenMusik hat immer darin bestanden, diese Störfaktoren nicht zu ignorieren sondern im Sinne der Ästhetik John Cages zum Bestandteil der künstlerischen Arbeiten zu machen. Cage: „Wenn Musik Umweltgeräusche zulassen kann, ohne davon beeinträchtigt zu werden, so handelt es sich um moderne Musik.“

Die diesjährigen Installationen der BrückenMusik IX (zum zweiten Mal innerhalb des „Romanischen Sommer“) werden den visuellen und akustischen Raum der Deutzer Brücke auf wieder neue Weise interpretieren und erleben lassen:

Harald Muenz, in Köln lebender Komponist und „ästhetischer Phonetiker“, sieht die Betonarmierung der Deutzer Brücke als einen „Schutzraum für vom Verschwinden bedrohte sprachliche Idiome“, von Dialekten in Italien; er wird eine mehrkanalige Sprach-Komposition aus seinen phonetischen Feld-Forschungen permanent abspielen.

Die „Raumzeichnung für die Deutzer Brücke“ der in Mannheim lebenden Künstlerin Barbara Hindahls greift „das Prinzip der barocken Anamorphose“ auf und schafft die „ephemere Raumillusion eines flächigen Bildes“.

Der amerikanische Komponist experimenteller Musik Alvin Curran beschäftigt sich mit der flüchtigen, privaten Welt der Träume und der Erinnerung: er möchte mit acht im Raum verteilten Betten und den ihnen zugeordneten Klängen einen Eindruck erwecken, „als ob diese Traum-Klänge wirklich in die Betten „eingebettet“ wären.“

Peter Behrendsen

Brückenmusik: Di 24.06.03, 17:00 Uhr bis 20:00 Uhr

Installationen von Alvin Curran, Harald Muenz und Barbara Hindahl

Wiederholung täglich bis 4. Juli, 14 – 19 Uhr

Abschlusskonzert am Sonntag, 6. Juli, 16 Uhr, mit Guy de Bièvre, Klara Schilliger, Valerian Maly, Petra Dubach und Mario van Horrick

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