Geschichte und Gegenwart des Kölner Doms - Text zum Tag des offenen Denkmals.

Der Kölner Dom, den der Dombaumeister i.R. Prof. Dr. Arnold Wolff als „die vollkommendste aller gotischen Kathedralen“ bezeichnet hat und der nicht ohne Grund im Jahre 1996 in die UNESCO-Weltkulturliste aufgenommen worden ist. Bereits nach der Feier der Domvollendung im Jahre 1880 wurde die würdige Anlage der Umgebung als ein wesentlicher Teil des Dombaues gesehen. Seitdem gibt es Überlegungen zur besseren Gestaltung der Domumgebung.

Zur Lage

Bereits seit dem Entstehen einer frühchristlichen Kirchenanlage nach 800 – in römischer Zeit stand dort ein Tempel – in der nordöstlichen Ecke der römischen Stadt war diese im Süden und Westen in eine städtische Struktur eingebunden. Durch die mittelalterlichen Stadterweiterungen im 12. Jahrhundert – innerhalb blieb der römische Stadtgrundriss i.w. erhalten – kam der bedeutende Kirchenbau aus seiner Randlage heraus. Seit Baubeginn der Kathedrale 1248 entstand mit Domhof und Domkloster ein „Heiliger Bezirk“, der bis nach 1800 sein mittelalterliches Gepräge mit kirchlichen Einrichtungen und kleinteiliger Bebauung bewahrt hatte. Die weitere Umgebung setzte sich als eine gemischte Stadtstruktur aus Stiftsanlagen, kleinteiligen Bürgerbauten und Gartenbauflächen zusammen.

Ansätze zur Freistellung von Umbauung

Erst mit dem Gedanken des Weiterbaus des Domes und seiner Idealisierung als nationales Denkmal tauchten Ideen zu seiner Freistellung (siehe Darstellungen im Domwerk von Sulpiz Boisseree 1842) nach dem Vorbild eines griechischen Tempels auf. Die Vorstellungen eines befreiten und vollendeten Denkmals beeindruckten sowohl die Fürstenhäuser als auch einflussreiche Persönlichkeiten wie Johann Wolfgang von Goethe und Karl Friedrich Schinkel. 1816 hatte Maximilian Friedrich Weyhe einen Plan vorgelegt, der den Dom rings von Bäumen umstanden zeigte. Ab 1817 wurden sukzessive die umgebenden Kirchen, das Priesterseminar und schließlich alle Umbauungen weggeräumt. Der Erwerb der Grundstücke wurde vom Dombauverein finanziell unterstützt.

Städtebauliche Wiedereingliederung

Nach der Vollendung des Domes im Jahre 1880 strebte man seine städtebauliche und gestalterische Einbindung an. Bei der Teilbebauung von Platzflächen und -rändern, die bestimmte Sichtwinkel zum Dom berücksichtigen sollten, legte man Pläne von Carl Friedrich Heimann zugrunde. Die Rahmung der Platzflächen übernahmen palastartige Bauten, von denen noch das Domhotel in seinen überlieferten Resten und spätere neoklassizistische Bauten wie das Hotel Ernst und das Deichmannhaus zeugen. Die von Stadtbaumeister Josef Stübben aufgegriffene Idee einer „Kaiserstraße“ als Verbindung vom Dom zum Appellhofplatz, die jedoch an der Finanzierung scheiterte, ist in Ansätzen noch am Reichardhaus und dem davor liegendem Platz „Margarethenkloster“ ablesbar.

Kritik in der Vergangenheit und heute

Mit der Fertigstellung erhob sich heftige Kritik an der Gestaltung der Domumgebung, die durch den Wiener Architekten Camillo Sitte und sein Gedankengut des künstlerischen Städtebaus angefacht wurde.

Durch den Abtrag von Erdreich um ca. zwei Meter stand der Dom isoliert auf einem Sockel und konnte nur über Stufen erreicht werden. Der erweiterte Domhof war keine ebene Fläche, sondern fiel zum Rhein hin ab. Außerdem stand der Dom durch den stärker werdenden Verkehr auf einer umtosten Verkehrsinsel, was auch der Gottesdienstnutzung abträglich war.

Hier kann ein Bogen zur heutigen Kritik geschlagen werden, die wesentlich davon ausgeht, dass der Verkehr im Norden zu nahe an den Dom herangeführt wird und dass sich der Dom isoliert auf einer Platte befindet.

Verbesserungsvorschläge bis heute

Bereits um 1903 gab es Vorschläge zur Herausnahme des Verkehrs an der West- und Südseite und zur maßstäblichen Einbindung der Platzflächen. Dombaumeister Bernhard Hertel plante erstmals die Anhebung des Platzes südlich des Chores auf ein einheitliches Niveau und den Abgang mit einer hohen Treppe zur Bechergasse. Seine und die über Jahrzehnte lang folgenden Überlegungen, Ideenwettbewerbe etc. befassten sich überwiegend mit dem Domhof. Dabei wurden von Willy Weyres 1948, Rudolf Schwarz 1950 bis zu Arnold Wolff 1999 die Ideen Fritz Schumachers aus dem Jahr 1923 zugrundegelegt. Schumacher sah eine bauliche Einbindung und Rahmung des südlichen Querhauses vor und einen Platzabschluss nach Süden.

Dombaumeister Hans Güldenpfennig hatte 1934 unter Bezugnahme auf Paul Bonatz umgreifende Änderungsvorstellungen veröffentlicht, zu denen die Verlegung des 1894 fertig gestellten Hauptbahnhofes gehörte. Dieser sowie der Vorgängerbau und die bewusst auf die Domachse ausgerichtete Brücke hatten einen erheblichen Einriff in die Domumgebung bedeutet. Die wiederholt nach dem Krieg aufgegriffene Idee der Verlagerung wurde letztlich wieder aufgegeben.

1941 erfolgte in Verbindung mit der Anlage eines Luftschutzbunkers die lange gewünschte Höherlegung der Osthälfte des Domhofes; darüber wurde – als Museumsstandort bereits von Schumacher angeregt – 1968 das Römisch-Germanische Museum errichtet. 1969 errichtete man westlich und südlich des Domes eine zweigeschossige Tiefgarage und griff damit zugleich eine Anregung Carl Oskar Jathos (1920) zur Anhebung der Flächen rings um den Dom auf. Darüber wurde die „Domplatte“ nach Plänen Fritz Schallers gestaltet. Mit dem Bau des Museums Ludwig von Peter Busmann/Godfried Haberer wurde 1986 der Geländesprung zur Bechergasse überbrückt und der „Domhügel“ zum Rhein hin vorgeschoben. Es wurde die Rheinuferstraße in einen Tunnel gelegt und mit dem Rheingarten darüber eine neue Verbindung zum Rhein geschaffen.

Heutige Situation:

Die Domumgebung steht nach wie vor in der Kritik. Diese bezieht sich sowohl auf die ungeliebte Domplatte mit ihrer abweisenden unteren Dunkelzone als auch auf die ungepflegte und wenig gestaltete nähere und weitere Domumgebung. Für die Umbauung gibt es derzeit verschiedene Umgestaltungsansätze, aber keine Gesamtkonzeption.

Die Umgebung des Domes ist wegen des Wirkungszusammenhanges über die eigentliche Domumbauung hinaus weiter zu fassen. Der Breslauer Platz wartet als Rückseite des Bahnhofs auf eine Gestaltung, die bereits 1992 mit einem Wettbewerb vorbereitet wurde. Er ist seit Jahren mit einem riesigen hässlichen Musicalzelt besetzt. Mit der Planung des neuen ICE-Bahnhofs auf der Deutzer Seite und der damit verbundenen städtebaulichen Umstrukturierung wird deutlich, dass die Wirkung des Domes auch von dort beeinträchtigt werden kann.

Aussicht

Der Dom als international bedeutendes Bauwerk, städtischer Identifikationsfaktor aber auch als Zeugnis einer christlich geprägten europäischen Kultur sollte auch in seiner Umgebung gewürdigt werden. Auf das Fehlen einer „Pufferzone“ hatte im Rahmen der Aufnahme des Domes in die Weltkulturliste bereits der Gutachter der UNESCO bereits aufmerksam gemacht. Es wird die Stadt dazu aufgefordert, Voraussetzungen für eine rücksichtsvollere und effektivere Gestaltung der Domumgebung zu schaffen, die der Bedeutung und Funktion des Domes gerecht wird.

Barbara Precht von Taboritzki

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