Die Domplatte soll abschnittsweise umgebaut werden. Ergebnisse des Workshops vom Mai 2002 und der aktuelle Planungsstand zum Bahnhofsvorplatz.

Erste Anzeichen einer Verbesserung der Situation rund um die Kölner Kathedrale sind bereits sichtbar. Vor dem Hotel Excelsior und an der Einmündung zur Hohe Strasse wird seit Kurzem gebaut. Im Hinblick auf die Bewerbung als Kulturhauptstadt sollen die Planungen und Arbeiten um den Kölner Dom bis 2010 abgeschlossen sein.

Mit dem aktuellen Montagsgespräch zur Domumgebung, die als allgemeine Misere empfunden wird, setzte der BDA die Tradition zahlreicher Podiumsdiskussionen um relevante und aktuelle Kölner Städtebauprojekte fort. Um den derzeitigen Planungsstand zu klären diskutierten Interessenvertreter von Politik, städtischer Planung, Architektur, Museum Ludwig und die Dombaumeisterin die Zukunft der Domumgebung.

Kontroverse Diskussionen um diesen Bereich sind historisch begründet und bei der Dichte des besonderen städtebaulichen Gesamtpotenzials nahezu unvermeidbar. Auf engstem Raum müssen die Interessenlagen von Verkehr, Kultur, Religion und Natur Berücksichtigung finden. Dieses komplizierte Aufeinandertreffen so unterschiedlicher Interessen sollte in einem Wettbewerb städtebaulich, funktional und gestalterisch entwirrt werden.

Auf Basis eines Gutachterverfahrens und unter Berücksichtigung des Urheberrechts des Kölner Büros Schaller/Theodor wird derzeit die Nordseite zum Bahnhof hin neu gestaltet. Die wohl auffälligste Umgestaltungsmaßnahme wird eine breite Freitreppe sein, die sich über die Trankgasse bis zum Bahnhofsvorplatz spannt. Auch die wenig attraktiven Kioskbauten sollen abgebrochen und die Schmuddelecken vor dem Alten Wartesaal gelüftet werden.

Der Wettbewerb

In Nachfolge von Stübben und Schinkel, die sich beide bereits mit der Domumgebung beschäftigt haben, waren in einem Wettbewerb sechs Büros aufgefordert, die disparate städtebauliche Situation, den Bereich zwischen Museum Ludwig, dem Domchor und den Gleistrassen des Hauptbahnhofes ohne dessen Vorplatz, zu strukturieren und nachhaltig zu gestalten. Die Jury unter Vorsitz von Prof. Gerhard Crudes (Aachen) empfahl die Pläne des Architekturbüros Allmann, Sattler und Wappner als Grundlage für weitere Planungen. Das Münchner Büro konnte sich gegen das Büro von Rem Koolhaas/OMA durchsetzten. Beide waren im März 2002 als Sieger eines Wettbewerbs hervorgegangen und zur Überarbeitung ihrer Entwürfe aufgefordert worden.

Grundlage des Entwurfs von Allmann, Sattler und Wappner ist es, mit wenigen präzise gesetzten Raumkanten eine klare räumliche Situation zu erreichen, die das Gesamtensemble um den Dom stärkt ohne ein „Mehr an architektonischer Willensäußerung“, dabei den Verkehr zu reduzieren und auf diese Weise einen Rückbau der Platte und des Tunnels zu erzielen. Durch die Verkleinerung des Tunnels wird auf der zum Rhein zugewandten Seite eine attraktivere Fuß- und Radwegeverbindung zwischen Innen- und Altstadt entstehen. Der Domsockel selbst soll mit einheitlichen Materialien räumlich erkennbar werden und schaufensterähnliche Ausstellungskabinette werden Einblicke in die Dombauhütte erlauben.

Der Entwurf von Rem Koolhaas, der derzeit den Eingang des Museums Ludwig neu konzipiert, setzte auf die Rekonstruktion der historischen Topographie des Domhügels. Im Osten soll der Dom stärker von der Domplatte getrennt und weggerückt werden um Platz für Grünflächen zu schaffen. Diese für den Ostchor und das Museum Ludwig durchaus positive Lösung fand keinen Konsens in der Jury, weil der Tunnel der Trankgasse „so kurz, so hell und damit so attraktiv wie möglich sein soll.“

Der Gesamtrahmen bis 2010

Das heutige Erscheinungsbild der Domumgebung wird geprägt von in den 70er Jahren entstandenen Plänen des Kölner Architekten Fritz Schaller und dem in den 80er Jahren erbauten Komplex Museum Ludwig/Philharmonie. Die Domplatte verdeckt die Topographie des Domhügels und ein frühchristliches Baptisterium aus dem 6. Jahrhundert. Alle baulichen Maßnahmen der letzten Jahrzehnte, die in ihrer Einzelaussage durchaus verständlich sein mögen, sind in der Komplexität der Gesamtsituation jedoch von widersprüchlicher Intention. Um so unverständlicher ist die derzeitige Vorgehensweise der stückweisen Umsetzung, die zwar mit sorgfältig ausgewählten Einzellösungen aufwarten, jedoch kein Gesamtkonzept darstellen. Eine Kölner Lösung, die auch bei anderen städtebaulich Projekten nicht gerade erfolgreich praktiziert wird.

Während auf Seiten der Politiker kein Diskussionsbedarf über ein neues Verkehrskonzept besteht, sondern vor allem die schnelle Umsetzbarkeit der Einzellösungen gefragt ist – denn die Zeit bis zur WM 2006 und zur Bewerbung als Kulturhauptstadt drängt – sehen die Kölner Architekten Schilling und vom Lom durchaus eine nachhaltigere Lösung in einer Umstrukturierung des Verkehrskonzepts. Damit wäre eine Freistellung des Doms auf dem Domhügel möglich, ohne trennenden Verkehr zwischen Dom und Bahnhof.

Ungewöhnliche Orte verlangen ungewöhnliche Lösungen. Städtebauliche und denkmalpflegerische Aspekte würden, aus heutiger Sicht, den Neubau einer Hauptverkehrsschneise direkt auf den Ostchor des Doms undenkbar machen. Dennoch ist es gerade diese urbane Dichte, die die Atmosphäre des Areals ausmacht. Gerade deshalb verlangt die Situation nach richtungsweisenden und mutigen Lösungen, die jedoch bisher leider nicht in Sicht sind. bs

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