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Sachlagenklärung zu Archäologischer Zone und Jüdischem Museum

Kindereichtum wird mal als Garant für Wohlstand angesehen, mal als Armutsrisiko Nummer eins – geradeso, wie es in die jeweilige Debatte am besten passt. So verhält es sich auch mit dem jahrtausendealten kulturellen Erbe Kölns. Von den 52 Mio. Euro, die das Museumsprojekt am Rathaus kosten wird, entfallen 40 Mio. Euro auf die Archäologische Zone und 12 Mio. Euro auf das Museum; gefördert wird das Gesamtprojekt vom Land NRW mit 14,3 Mio. Euro. Das Projekt von Wandel Hoefer Lorch nicht zu bauen, würde der Stadt also nur dann wirklich Einsparungen bringen, wenn sie darauf verzichtet, die Grabungen technisch und repräsentativ angemessen einzuhausen.

Die Auseinandersetzungen um das Museumsprojekt am Rathaus waren unlängst in einen unschönen Streit ausgeartet, der auch überregional durch die Medien ging. Das vom BDA Köln initiierte Montagsgespräch dieser Woche zeigte nun eine spürbare Versachlichung in der Debatte. Auch die Sitzordnung – die Zuhörer saßen einander zugewandt und nicht mit dem Gesicht zum Podium – unterstützte dem Austausch von Argumenten.

Die Kölner Museumsfamilie

Recht familiär begann die Einführung vom BDA Vorsitzenden Andreas Fritzen: Auch in schlimmen Zeiten, so erinnerte er, gab es Nachwuchs in der kinderreichen Kölner Museumsfamilie: 1946 wurde das Römisch-Germanische Museum gegründet. Kinder aber kosten Geld, und das ist auch schon der Kern der Debatte: zu viel Geld, sagen die Kritiker, denn die anderen „Sprößlinge“ sind ja schon von Verwahrlosung bedroht und ein weiteres könne man sich einfach nicht leisten.

Doch der Neuankömmling ist ein besonders vielversprechendes Exemplar: „Wollen Sie dieses Kind etwa abtreiben?“ lautete folgerichtig die Frage an die Kritiker. Aber die sorgen sich nicht nur ums Geld, die Einen finden, man habe den erhofften großen Wurf bis zum Unkenntlichen zusammengestutzt, die Anderen vergleichen das Projekt mit einer Beziehung, in die man eher so „reingeschlittert“ ist. Und dann gibt es noch die Schwarzseher, die unterstellen, dass man das Kind überhaupt gar nicht will, weil es jüdisch ist.

Der Pate

Es ist ein guter Zeitpunkt, die „Paten“ zu befragen. Thomas Otten, momentan noch Referatsleiter für Bodendenkmalschutz im Ministerium für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr NRW, ist designierter Gründungsdirektor des Museums. Für ihn hat das Projekt einen völlig eigenen Charakter. Das Frappierende in seinen Augen ist, „dass man die Archivalien mit den archäologischen Funden kombinieren kann“. Museum und Ausgrabungen seien unbedingt als Einheit zu betrachten: „Man kann beide Teile nicht voneinander trennen.“ Der römische Statthalterpalast, das jüdische Ghetto, die mittelalterliche Rathauskapelle sind „Zäsuren in der Stadtgeschichte, die man hier vor Ort erfahren kann.“

Und die Paten bringen Geld mit. Das auf knapp 52 Mio. Euro veranschlagte Projekt wird vom Land NRW mit 14,3 Mio. Euro im Rahmen der Regionale 2010 unterstützt. Und auch für die weitere Begleitung sind Gelder vorgesehen: Die Stadt zahlt den Bau und die Ersteinrichtung des Museums. Die Museumskonzeption und die Betriebskosten sind dann Sache des Landschaftsverbands Rheinland. Momentan prüft die Stadt etwaige Mehrkosten für das Projekt – von 5 Mio. Euro ist die Rede.

Die Fördergelder sind an das vorliegende Gesamtkonzept gebunden, 40 Mio. Euro waren für die Archäologische Zone angesetzt, 12 Mio. Euro für den Museumsbau. Unter dem Spardiktat der Kritiker gäbe es also nur die Alternative, auf eine Zugänglichkeit der archäologischen Stätten zu verzichten – Stätten, die möglicherweise einst Teil des Weltkulturerbes Niederrheinischer Limes werden könnten.

Die Petition der Projektgegner wurde mit 3.007 Unterschriften eingereicht. Es gibt auch eine Unterschriftenliste für das Projekt – mit derzeit 1.975 Unterschriften zwar im Rückstand, aber möglicherweise leuchtet es so manch einem interessierten Bürger nicht ein, dass er für eine Angelegenheit stimmen soll, die längst entschieden ist. Das virtuelle Museum hat jedenfalls bereits 90.000 Besucher – das ist ja auch eine Art Votum.

Ira Scheibe

 

Weitere Informationen zum Projekt:

Zur Unterschriftenlisten der Initiative für das
>>Haus und Museum der jüdischen Kultur in Köln

Zur Initiative >>Mut zu Verzicht

Zur Internetseite der >>Archäologischen Zone

 

Neue Sitzordnung beim Montagsgespräch. Debatte mit dem designierten Gründungsdirektor Archäologische Zone / Jüdisches Museum Thomas Otten

Foto: Ira Scheibe

Ein Fassadenmuster soll vor Ort eine bessere Vorstellung von Außenhaut und Kubatur des zukünftigen Museums geben.

Foto: Ira Scheibe

Heller Sandstein in drei verschiedenen Oberflächenbehandlungen

Foto: Ira Scheibe

Spolien – wiederverwendete Steine aus alten Gebäuden –, Glas und Sandstein bilden die Fassade.

Foto: Ira Scheibe

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