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Eine Stunde Baukultur: Projektleiter Martin Amme berichte im hdak-Kubus

Im Rahmen der dienstäglich im hdak-Kubus stattfindenden Baukulturstunde referierte Martin Amme, Projektleiter im Büro Böhm, über den Bau der Moschee. Sachlich, aber emotional nicht unbeteiligt, berichtete er über das Projekt und die Architektur, und umschiffte die gefährlichen Klippen der noch offenen Streitfragen. Sieben Jahre sind mittlerweile vergangen seit das Büro Böhm den Wettbewerb für die Kölner Zentralmoschee an de Venloer-Straße gewonnen hat. Doch Amme setzt nicht hier an, sondern ließ den der im Publikum sitzenden stellvertretende Amtsleiter des Stadtplanungsamtes Andreas von Wolff kurz von der zweijährigen Vorbereitungsphase und den ihr zugrunde liegenden Gesprächen mit der DITIB berichten. Denn die war zunächst mit einen Entwurf, für den von Wolff sogar die Bezeichnung „nicht gut“ für geschönt hielt, mit ihrem Bauvorhaben an die Stadt herangetreten. Aus dieser Situation heraus war es von allgemeinem Interesse einen konfessionsoffenen Wettbewerb auszuschreiben.

Amme zeigte Zeichnungen und Modelle aus der Entwurfsphase, die zur Formfindung der Kuppelschalen führten. Auf dem Papier, mit Wachs oder Gips wurde simuliert, was inzwischen in Beton Gestalt angenommen hat. Auch wenn der Entwurf nach dem Wettbewerb noch einmal vollständig überarbeitet wurde, kann man heute sagen, dass er dadurch noch erheblich an Eleganz und Modernität gewonnen hat, für die Architekten war dies jedoch kein leichter Weg.

Aus der Perspektive des Projektleiters erklärte Amme die Konstruktion und Bauweise der Kuppelschalen. Oft habe es hier „phantastische Situationen“ gegeben, wie er mit eindrucksvollen Bildern belegen konnte. Dass die „Baustellenrundgänge zu dieser Zeit richtig Spaß gemacht“ haben, glaubt man ihm gerne.

Aber auch die Schattenseiten des Moscheebaus verschwieg Amme nicht, die zahlreichen Demos, die den Bau begleitet haben und den enormen Arbeitsaufwand durch langwierige Diskussionen, der nicht honorarwürdig ist, aber ohne den sich das Projekt nicht weiterbringen ließ. Zu dem derzeit noch laufenden Beweisverfahren konnte und wollte er sich nicht äußern und schloss seinen Vortrag mit der Feststellung, dass alle Beteiligten wohl noch einen langen Atem bis zur Vollendung der Kölner Moschee brauchen werden.

Zum Erfolg verdammt

Die erste Frage aus dem Publikum stellte Ulrich Krings, der sich für die praktische Funktion der Minarette interessierte und mit der Feststellung, dass er die Minarette – ästhetisch betrachtet – für ein wenig zu niedrig halte. Amme erklärte, dass die Minarette nun doch keine Treppe enthalten, wie ursprünglich geplant, sondern nur eine Steigvorrichtung zur Wartung, hier konnten Kosten gespart werden, da es keinen Muezzinruf, weder live noch vom Band, in Ehrenfeld geben darf. Er selbst erinnert sich, dass er erstaunt war, wie grazil die Minarette durch die offene runde Form tatsächlich wirken. Von Wolf ergänzte, dass der 58 m hohe Turm der etwa 1km entfernten Marienkirche von der Politik zum Maßstab einer Höhenentscheidung gemacht wurde. Auch wenn die Moschee von sehr hohen Bauwerken umgeben sei, was an der Schnittstelle Ring-Radiale durchaus gewünscht war, konnte man bei der Höhe der Minarette die Akzeptanzfrage nicht außer Acht lassen.

Jürgen Keimer fragte, ob das Büro Böhm stark durch das Religionsministerium in Ankara beeinflusst worden sei. Amme verneinte dies, da die DITIB als deutscher Verein als unabhängiger Bauherr aufgetreten sei. Kommentare aus Ankara gab es nur in Form konkreter religiöser Korrekturen, die zum Beispiel die korrekte Position der Minarette oder der Schuhregale vor dem Gebetsraum betrafen.

Die nächste Frage aus dem Publikum betraf die Farbe des Betons, die, so war der Presse zu entnehmen, der DITIB nicht weiß genug ausgefallen sei. Amme griff noch einmal auf die Details seines Vortrags zurück und erklärte die Eigenschaften der gestockten Sichtbetonoberfläche, bei der immer auch der Zuschlag (gelblicher linksrheinischer Kiesel) sichtbar wird. Ungünstig für die Kommunikation mit dem Bauherren habe sich erwiesen, dass die DITIB seit 2006 sechs neue Vorstände gehabt hat, die, um sich ein eigenes Profil zu verschaffen, häufig Entscheidungen ihrer Amtsvorgänger rückgängig gemacht haben.

Die Frage nach einem konkreten Eröffnungstermin konnte Amme nicht beantworten, denn solange das Verfahren noch laufe, blockiere es auch den Fortschritt auf der Baustelle. Für Termine und Führungen, die das Büro Böhm auf der Baustelle nicht mehr machen dürfe, verwies er an die DITIB.

Ob er sich denn manchmal nicht wünsche, das Büro hätte den Wettbewerb gar nicht erst gewonnen, fragte ein Zuhörer schließlich. Amme antwortete, dass eigentlich nur Paul Böhm diese Frage beantworten könnte, er selbst sehe sich in der Pflicht für das Gelingen des Projektes zu kämpfen, denn niemand wolle die Kölner Moschee scheitern sehen.

Als Architekt, schloss er dann, bekomme man solch eine Chance wohl nur einmal im Leben.

Uta Winterhager

 

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Die Minarette über den Dächern von Ehrenfeld, der Dominaz des Domes im Stadtbild schaden sie augenscheinlich nicht. (Standpunkt Fröbelplatz)
Foto: Uta Winterhager

Amme

Martin Amme vor dem hdak-Kubus
Foto: Uta Winterhager

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2 Antworten auf “Die Kölner Moscheegeschichte”

  1. dirk waldmann

    Danke für die Zusammenfassung, schade dass ich diese Veranstaltung verpasst habe.

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  2. Tamara

    Die Moschee ist doch wieder einmal ein völlig unmaßstäbliches Gebäude in Köln wie der völlig sterile Rheinauhafen mit seinen Kranhäusern ( den neuen Schrottzeichen von Köln). Bitte nur Rechtwinkliges und bitte nur Steine, damit der Blick des völlig verblödeten Bürgers immer genau- geradeaus oder höchstens mal um eine Ecke- gelenkt wird, Andere Linien, andere Blicke, Bäume oder Natur, die die unglaublch tolle architektonischen Meisterleistungen wenigstens etwas abfedern könnten, haben da natürlich keinen Platz. Welches Problem haben Architekten, Stadtplaner und Bauherren etc.? Wollen sie mit der mittelalterlichen Architektur des Kölner Doms konkurrieren? Der Bau ist einfach nur hässlich und völlig überdimensioniert an der Stelle. Aber das ist wohl das erklärte Ziel in Köln und in ganz NRW… Als Innenstadtbewohner (das Gerlingquartier ist ja auch so eine architektonische Meisterleistung, die wir als Steuerzahler noch bezahlen) kann ich nur mit Entsetzen zuschauen, wie unter der derzeitigen Wirtschaftslage alle noch so bekloppten Bauvorhaben die Kölner Innenstadt und ihre angrenzenden Bereiche weiterhin nach dem Nachkriegsmotto „Alt trifft auf Neu“, mit dem jedes noch so undimensionierte, völlig unpassende Bauvorhaben abgesegnet wird, verschandeln.
    Ich habe schon in einigen Städten gelebt- in Deutschland und anderen Ländern-aber in noch keiner, die immer hässlicher wird wie Köln.

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