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Prof. Johannes Kister

Zu den Planungen für den neuen Campus der FH Köln in Deutz.

Die konkreten Planung zum neuen Campus Deutz können beginnen. Soweit der positive Ausblick. Der Rückblick gestaltet sich etwas schwieriger.

Letzten Herbst hat das Kölner Architekturbüro ksg Architekten und Stadtplaner gemeinsam mit dem Atelier Loidl aus Berlin den städtebaulichen Wettbewerb für ein neues Fachhochschulgelände mit ihrem Entwurf „Kern und Mantel“ gewonnen. Ein großes Projekt für Köln, natürlich begleitet von vielen Fragen und Diskussionen. Im Vorfeld das Ringen um den richtigen Standort des neuen Campus. Dann die Frage, was der neue Campus für den Stadtteil leisten kann. Und in den letzten Wochen wurde die Frage zur Denkmalwürdigkeit des Bestandsbaus am Ingenieurwissenschaftlichen Zentrum (IWZ) in Deutz diskutiert. Aber um die Schwierigkeiten soll es an diesem Abend des BDA Montagsgespräches nicht gehen, sondern um die Zukunft des Projektes, deshalb bleiben viele Fragen offen.

Nun machen sich die Beteiligten also auf den Weg zur Umsetzung einer „neuen urbanen Wissenslandschaft“. Auf der BDA Veranstaltung im März stellten die Fachhochschule als Nutzer (Herr Seeßelberg), der BLB (Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW) als Bauherr (Frau Montag, Frau Lettner) und der Architekt Professor Johannes Kister den Entwurf im Domforum vor. Es geht vor allem um die gemeinsame Planung dieser anspruchsvollen Großbaustelle – mit den Baumaßnahmen soll 2014 begonnen werden.

Bis 2023 wird das bisherige Ensemble aus den 1970er Jahre in die „bedeutendste Neuschöpfung einer Hochschule“ in Deutschland transformiert, wie Kister das Projekt beschreibt. Dabei geht es nicht um die Schaffung von zusätzlichen Flächen, sondern um funktional, technisch und vor allem gestalterisch zeitgemäße Hochschulräume, die laut Bauherr und Nutzer innerhalb der Bestandsgebäude nicht mehr realisierbar sind.

Wer spielt mit?

Für die Stadt und die Kölner steht vor allem die städtebauliche Einbindung in das Quartier im Vordergrund. War der Hochschulcampus bisher eine Insel im Straßennetz, so sollte die Neuentwicklung am Standort in Deutz einen starken Impuls für das Stadtviertel setzen. Der BDA stellte deshalb in seiner Veranstaltung die Frage „Wie kann sich die Hochschule in der Stadt neu vernetzen?“. Die ersten Grundlagen für die Antworten sind mit dem Entwurf von ksg gelegt, noch nicht ganz abzusehen ist jedoch, ob diese neuen Chancen auch wirklich genutzt werden. Prof. Andreas Fritzen informierte rund um den Wettbewerb und stellte die „nackte Grundstückswirklichkeit“ dieser Wettbewerbsaufgabe sowie seine Ergebnisse vor. Seiner Einschätzung nach findet der nun zur Realisierung stehende Siegerentwurf für die komplexe Aufgabe eine kluge Lösung, die sich erst auf den zweiten Blick erschließt.

Damit der Hochschulbetrieb mit circa 9000 Studierenden am Standort Deutz auch während der langen Bauzeit durchgängig weiterlaufen kann, haben die Beteiligten einen strategischen Plan entwickelt. „Der erste Zug ist entscheidend, am Ende muss es aufgehen“, urteilt Kister über die gleichzeitigen Anforderungen von Neubauten, Sanierungen und dem Abriss eines Großteils des Gebäudebestandes, die einem Schachspiel ähnlich vorgedacht werden müssen. Wie sich das unter Schutz gestellte Denkmal des IWZ in diesen Plan anspruchsvollen einfügen lässt, ist immer noch offen und hängt von der aktuell ausstehenden Abrissgenehmigung ab.

Zug um Zug

Als nächsten Schritt erwirbt der BLB neue Grundstücksflächen im Nordosten des Campus von der Stadt Köln. Die Gebäude der Abfallwirtschaft und der Feuerwehr dort werden abgerissen, das Gelände steht danach für die Erweiterung der Campusfläche zur Verfügung. Hier werden auch die ersten Bauabschnitte realisiert, denn der neue „Kern“ des Entwurfes, ein grüner zentraler Platz sowie das Hörsaalgebäude als „Tor zum Campus“ von der Deutz-Kalker-Straße liegen auf diesem neuen Grundstück. Ob und in welcher Form Architekturwettbewerbe für diese Gebäude ausgeschrieben werden, konnte der BLB bisher noch nicht sagen. Zeitgleich zu diesen Phasen kann im Bestandsgebäude aber noch weiter studiert werden. Sukzessive werden nun weitere Gebäude errichtet und andere abgerissen bis hin zum äußeren Mantel der Planung, der nach dem Vorschlag der Architekten an der östlichen und westlichen Seite als ergänzenden Bebauung vor allem ein Kreativquartier mit Studentenwohnungen und vielfältigen ergänzenden Nutzungen für ein lebendiges Quartier beherbergen soll.

Hier könnte auch die Stadt durch eventuellen Rückkauf von Grundstücken Einfluss auf die wichtige Vernetzung mit dem Wohnquartier und angrenzenden Nutzungen wie der Berufsschule nehmen. Hoffen wir also, dass über die komplexe Planungsaufgabe der Fachhochschule allen Verantwortlichen der Blick auf das Gesamtquartier nicht verloren geht. Denn nur wenn dieser neue Campus in einen vielschichtigen Dialog mit seinem Umfeld tritt, kann aus dem Hochschulstandort wirklich ein neues Stück Stadt werden.

Ragnhild Klußmann

 

Die Überblendung von Bestand und Planung zeigt die Komplexität des Bauvorhabens am Campus Deutz. Grafik: Cerstin Lettner

Prof. Johannes Kister stellt den Entwurf von ksg Architekten im Domforum vor

Foto: rk

Der Eingang zum Ingenieurwissenschaftlichen Zentrum im Moment. Das Hauptgebäude wurde erst kürzlich unter Denkmalschutz gestellt.

Foto:rk

Die Bauphasen zeigen, wie der neue Campus entsteht. Abbildung: ksg Architekten

Erst wenn der neue Campus schon da ist, wird das IWZ abgerissen. Abbildung: ksg Architekten

Kreativquartier und Wohnbebauung entstehen im letzten Schritt. Abbildung: ksg Architekten

Die Gesprächsrunde beim BDA Montagsgespräch: A.Fritzen, M.Montag, C.Lettner, J.Kister, C.Seeßelberg

Foto: rk

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Eine Reaktion auf “Schachspiel in Deutz”

  1. kölner

    Botschaft: „Köln hat Bauland ohne Ende!“ Fürchterlich dieser Raubbau an knappem Land, siehe neue Hauptver-waltung Rhein-Energie, sieht aus wie ein verbogener Baucontainer. Der BDA und die Stadtverwaltung sind wohl nicht mehr in der Lage die vertikale etwas mehr in Betracht zu ziehen. Alles über 4 Stockwerke ist ver-werflich, protzig, kapitalistisch und man könnte, „Gott vergelts“ den Dom nicht mehr sehen. Sollte man das schon als ideologisch verstockt bezeichnen.

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