Das Ergebnis des Bürgerbeteiligungsverfahrens um das Heliosgelände liegt vor - und der neue Baudezernent Franz-Josef Höing erzählte, wie es weitergehen könnte.

Zwar ist die Dokumentation des Bürgerbeteiligungsverfahrens zum Heliosgelände noch nicht fertig, die Ergebnisse konnten aber jetzt schon eingesehen werden: In einer Ausstellung im Design Quartier Ehrenfeld. „Die Ausstellung erfordert Geduld“, sagt Burkard Dewey vom Stadtplanungsbüro Dewey Muller. Und richtig: An den Wänden hängen 20 teils eng beschriebene, großformatige Blätter, die das erarbeitete Ergebnis skizzieren. Zusätzlich sind erneut die von den Werkstattteilnehmern erarbeiteten groben Pläne zu sehen.

Der Kodex

Wer dies nicht alles durcharbeiten möchte, findet die Hauptpunkte auch zusammengefasst in einem knappen Kodex:

1. Kein Einkaufszentrum und keine Ausweitung der Handelsflächen

2. Durchwegung mit Plätzen und Grünflächen

3. „Kulturmeile Helios“

4. Bildung als Impuls

5. Wohnen belebt

6. Historische Gebäude als Wahrzeichen

7. Innovatives Verkehrskonzept – „Shared Space“

Schule im Zentrum

Der versteckt in diesem Kodex auftauchende Punkt „Bildung als Impuls“ war dann aber doch das bestimmende Moment in der Werkstattphase. In den Vorträgen und Diskussionen im Begleitprogramm zur Ausstellung ist man sich seitens Politik, Verwaltung und Bürgerinitiative offenbar einig, dass die Integrierte Universitätsschule auf dem Gelände gebaut werden soll – die Anforderungen an die Grundfläche wurden hierfür bereits reduziert, damit die Schule für 1.100 Schüler überhaupt auf das Gelände passt und noch andere Nutzungen stattfinden können. „Die IUS spielte eine große Rolle“, berichtet dann auch Burkard Dewey aus den Werkstätten, dies sei von den Teilnehmern auch zum Teil kritisiert worden. Insgesamt ist die Zufriedenheit mit dem gesamten Verfahren jedoch groß. Man habe schnell viele Bürger motivieren können, die, so lobt der Sprecher der „Bürgerinitiative Helios“, Hanswerner Möllmann, ihre Kompetenzen gut einbringen konnten. Außerdem habe man sich schnell mit der Politik vernetzen und auch im laufenden Verfahren noch „Stellschrauben drehen“ können.

Viel Lob

Auch der Eigentümer des Grundstücks, Paul Bauwens-Adenauer, wird für seine Beteiligung und die Unterstützung des Prozesses gelobt. „Im Moment führen wir Verhandlungen mit dem Grundstückseigentümer“, berichtet Agnes Klein, Leiterin des Dezernats für Bildung, Jugend und Sport. Es seien konstruktive Verhandlungen, die die Verbundenheit des Eigentümers mit der Stadt Köln zeigten. Maike Miosiz, Projektentwicklerin des Investors Bauwens, ist naturgemäß nicht ganz so zufrieden mit dem Verlauf des Verfahrens: „Grundsätzlich ist es kein Erfolg, dass unser Einkaufszentrum gekippt wurde. Ein Erfolg ist aber, dass unser Blick geweitet wurde“, kann selbst sie dem bisherigen Verlauf noch Positives abgewinnen. Insgesamt gibt es also wenig Kritik am Bürgerbeteiligungsverfahren. Mehr Ehrenfelder mit Migrationshintergrund hätten sich beteiligen sollen, wurde geäußert, sowie dass weniger planerische Vorgaben die Kreativität hätten fördern können. Burkard Dewey setzt dem entgegen, dass es seitens vieler Beteiligter Berührungsängste gegenüber der Planung gegeben hätte und fordert, dass sich die engagierten Bürger auch ruhig mit den Zusammenhängen in Planungsprozessen beschäftigen sollten.

Baudezernent nimmt Stellung

Der neue Baudezernent Franz-Josef Höing, gerade mal drei Wochen im Amt, hat zwar das bisherige Verfahren nicht begleitet, kann aber aus seiner Erfahrung als Senatsbaudirektor in Bremen das Engagement der Ehrenfelder Bürger kommentieren. „Dass Sie so viele Leute mobilisieren konnten, verwundert mich nicht“, relativiert Höing das Selbstlob der Bürgerinitiative. Auch die Kritik an der Zusammensetzung der Arbeitsgruppen kann er zwar nachvollziehen, sieht aber kaum eine Möglichkeit, sie zu ändern: „Solche Runden können nicht repräsentativ sein. Es gibt immer auch Leute, die sich nicht dafür interessieren, wie interessant man es auch aufbereitet.“ Wenngleich er hier durchaus verstärktes Bemühen der Stadt in Aussicht stellt, auf die Bürger zuzugehen und nicht darauf zu warten, dass sie sich von sich aus engagierten. Die Vorgaben im Beteiligungsverfahren hält Höing für richtig: „Ergebnisoffenheit ist wichtig, aber man muss Rahmenbedingungen vorgeben, sonst wird es zum Wunschkonzert“, erläutert er, „bei solchen Planungen handelt es sich um hochkomplexe Themen, in die man sich zusammen einarbeitet. Für mich heißt Bürgerbeteiligung: Wir machen uns gemeinsam schlau.“

Bürgerbeteiligung im Wettbewerb

Der Auslobungstext für das EU-weite Auslobungsverfahren wird gerade erstellt. In ihm, so Höing, sollten möglichst viele der im Beteiligungsprozess erarbeiteten Punkte berücksichtigt werden. „Es braucht eine gewisse Verabredung: Was passiert mit den Ergebnissen? Sonst findet man keine Bürger, die mitmachen.“, erklärt er seinen Grundsatz bei Bürgerbeteiligungsverfahren, die er auch in seinen vorherigen beruflichen Stationen begleitet hat. Anders als sein Vorgänger Bernd Streitberger, sieht Höing durchaus die Möglichkeit, auch im Wettbewerbsverfahren die Meinung der Bürger einzuholen, indem zum Beispiel Zwischenergebnisse präsentiert werden. „Eine Jury, die sich zurückzieht, ist vielleicht nicht das richtige Modell“, erklärt er, „die Qualität könnte darin bestehen, sich aneinander abzuarbeiten und zu einer gemeinsamen Lösung zu kommen.“

Vera Lisakowski

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Weiterführende Links:

Informationen der Stadt Köln über das Verfahren

Bürgerinitiative Helios

helios ausstellung 1

Zur Ausstellungseröffnung im Design Quartier Ehrenfeld erschien auch die Broschüre zum Projekt.

helios ausstellung 2

Die Ergebnisse des Bürgerbeteiligungsverfahrens werden hauptsächlich in Textform präsentiert.

helios ausstellung 3

Zusätzlich werden das Modell und die erarbeiteten Pläne gezeigt.

helios ausstellung 4

Die im Bürgerbeteiligungsverfahren erarbeiteten Pläne.

helios ausstellung 5

Der neue Baudezernent Franz-Josef Höing (r.) nimmt Stellung zum Verfahren.

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