Interview: Architektur Ein Gespräch mit Andreas Walter Schöning über Feng Shui in der Kölner Architektur

Andreas Walter Schöning ist Inhaber von „dasha consulting – damit alles sich harmonisch arrangiert“ und beschäftigt sich seit 16 Jahren hauptberuflich mit der Lehre des Feng Shui. Wie man diese alten Regeln auf die Kölner Gebäude oder aber auch auf die Politik anwenden kann, erläutert er im Gespräch mit koelnarchitektur. Gut zu wissen: Am 12. Juni 2012 um 19 Uhr veranstaltet das HDAK einen Feng Shui Abend mit Herrn Schöning.

Könnten Sie uns bitte ganz kurz einmal das Prinzip von Feng Shui erläutern?

Andreas Walter Schöning: Lassen Sie uns mal beim Wort an sich anfangen. Feng Shui heißt wörtlich übersetzt „Wind und Wasser“. Und dies sind die beiden Elemente, welche unsere Existenz im Wesentlichen bedingen. Im nächsten Schritt geht es dann darum, was uns Menschen auf der Erde von unserer Umgebung mitgegeben wird und wie wir darauf reagieren. Früher gab es Menschen – die alten Meister -, die sehr sensibel waren, dies gut gespürt haben und dann anfingen, auch andere Dinge zu verallgemeinern. Wie zum Beispiel den Einfluss des Sonnenstandes, des Magnetfeldes sowie des Wasserzu- und Abflusses … Und daraus entstand dann ein sehr komplexes System, welches beinhaltet, wie unsere Umgebung auf uns Menschen einwirkt. Natürlich kann der Mensch es andersrum auch benutzen, rückwirkend zu sagen, okay, jetzt ändere ich dies oder das und schaue, was dann daraus passiert. 49598autostart=TRUE] Feng Shui

Und was hat Feng Shui konkret mit Architektur zu tun?

Andreas Walter Schöning: In der Architektur geht es ja auch um die gebaute Kombination zwischen Mensch und Umgebung. Das heißt, mit dem, was ich als Gebäude errichte, schaffe ich eine Umgebung für den Menschen, auf die er dann in der einen oder anderen Form reagiert. Entweder, wenn er draußen ist – wie er dann auf die umliegenden Gebäude reagiert – oder wenn er drinnen ist, auf das Gebäude selber. Man fühlt sich in einem Südzimmer einfach ganz anderes als in einem Nordzimmer, egal ob die Sonne scheint oder nicht. Und solche Dinge hat das Feng Shui verallgemeinert und daraus viele Regeln abgeleitet, die man auch auf Architektur anwenden kann. Dazu gehört, wie man ein Gebäude stellt, wo man den Eingang macht, wohin man die Fenster ausrichtet, wie man innerhalb des Gebäudes die Wegeführung plant und wie das Ganze dann auf den Menschen wirkt. Beispiel: Ein breit aufgestelltes Gebäude, welches sich dem Besucher quer entgegen stellt, ist etwas ganz anderes als ein schmales Gebäude, welches nach oben schießt.

Die Meister damals haben solche Dinge einfach noch etwas intensiver gespürt als wir heute und dann vor allem auch formalisiert. Und genau davon können wir jetzt profitieren, indem wir Gebäude so errichten, dass sie für das, was damit bezweckt wird, optimal geeignet sind. Das heißt, dass ein Gebäude zum entspannten Wohnen natürlich anders konstruiert sein muss als ein Gebäude zum konzentrierten Arbeiten. Und ein Hotel anders als eine Kirche etc. Und genau da können sich Architekten aus dem Feng Shui Anhaltspunkte holen und das dann dementsprechend in ihre Entwürfe integrieren. Das heißt aber in keinem Fall, dass sie dadurch ihre eigene Kreativität abgeben müssen. Denn was dann tatsächlich im Detail passiert, dafür gibt es noch soviel Handlungsspielraum, dass sich jeder Architekt noch voll austoben kann …

Könnten denn Architekten auch ein gutes Feng Shui bauen – ohne etwas darüber zu wissen?

Andreas Walter Schöning: Wenn sie ein entsprechend gutes Gespür haben, dann können sie das auf jeden Fall!

Aber manchmal bin ich doch auch recht erstaunt, was dabei heraus kommt, wenn dieses Gespür nicht so vorhanden ist. Wenn zum Beispiel in einem Bürogebäude der Krankheitsstand extrem hoch ist, weil sich die Menschen einfach nicht wohl fühlen … Oder wenn Menschen in eine Wohnung reinkommen und nicht wieder herausfinden, weil sie so komisch strukturiert ist, dass man nicht weiß, wo der Ein- und Ausgang ist. Oder wo Plätze gebaut werden, die überhaupt keine Aufenthaltsqualität haben, weil es an allen Ecken und Enden durchzieht. Von daher finde ich schon sehr wichtig, wenn Architekten explizit etwas über Feng Shui lernen oder wenn sie qualifizierte Feng Shui Berater zu Rate ziehen.

Gibt es in Köln Beispiele für ein gutes Feng Shui?

Andreas Walter Schöning: Ja, da gibt es ein gutes Beispiel. Vor einiger Zeit war auch in einer Zeitschrift davon zu lesen. Und zwar geht es um einen Hotelmanager ursprünglich aus Hong Kong, welcher mit seinem Umsatz nicht zufrieden war und einen Feng Shui Berater engagierte. Daraufhin stieg der Umsatz des Hotels so enorm, dass dieser Manager zum Kopf der Hotelkette weltweit wurde und jetzt die Prinzipien auch in den anderen Hotels dieser Kette anwendet. Hier in Köln gibt es auch eines davon und zwar auf der anderen Rheinseite gegenüber vom Dom. Aus Feng Shui Sicht ist es faszinierend, dass es sich ganz breit mit einer riesigen Glasfassade und einer Terrasse davor zum Wasser öffnet und dann allen Erwartungen zum Trotz auch noch den Haupteingang und die Autovorfahrt dorthin platziert. Das heißt, das Hotel zieht seine primäre Energie für sich und auch für seine Besucher vom Rhein her. Und diese Energie nimmt es noch intern auf, denn im Inneren finden Sie zahlreiche Brunnen im Foyer, die genau diese Wasserenergie im Haus verteilen. Auf der Rückseite des Hotels gibt es übrigens fast gar keine Fenster. Ein weiteres Grundprinzip des Feng Shui, da man immer Rückhalt und Schutz benötigt, damit man nach vorne aktiv agieren kann. So wie der menschliche Körper hinten sein Rückgrat und vorne seine Augen hat.

Auf Ihrer Homepage erklären Sie den Zusammenhang zwischen Rathaus – Verwaltung und Stadtgefüge … Können Sie das näher erläutern?

Andreas Walter Schöning: Das Kölner Rathaus besteht ja aus zwei Gebäuden, dem Spanischen Bau und dem historischen Rathaus. Beim Spanischen Bau versteckt sich der Eingang klein in der Ecke. Und wenn wir dazu den Eingang des historischen Rathauses betrachten, fällt auf, dass beide Eingänge gegenläufig sind. Versuchen Sie da mal, an einem gemeinsamen Strang zu ziehen … ist schwierig, zudem weil sich auch die Fraktionen über beide Rathäuser verteilen. Und wenn wir dann noch auf der anderen Rheinseite die Verwaltung im imposanten Stadthaus anschauen, wird es mit der Zusammenarbeit noch schwieriger. Denn jemand, der dort im 5. Stock arbeitet, hat natürlich ein ganz anderes Machtgefühl als jemand, der durch diesen niedlichen Eingang ins Rathaus geht. 49600autostart=TRUE] Rathaus

Feng Shui und die „typisch kölsche Lebensart“ – Sie sagen, die beiden sind gar nicht so weit voneinander entfernt … was bedeutet das?

Andreas Walter Schöning: Als typisch kölsch würde ich so ein gewisses laisser-faire bezeichnen. Oder aber: et kütt wie et kütt. Das heißt, im Feng Shui formuliert, man fließt mit dem Fluss der Dinge und passt sich dementsprechend an. Das Gegenteil von ganz klar strukturiert und „hier geht’s lang“. Wenn wir jetzt wieder auf das Rathaus zurück kommen wollen; da ist es eben nicht klar, wo es lang geht, sondern da gibt es sich streitende Einflüsse. Oder aber, wenn ich mit dem Zug nach Köln fahre und mich schon auf den Hauptbahnhof beziehungsweise das Zentrum von Köln freue … Denn dann wundere ich mich mit Sicherheit, wenn die Ansage kommt „nächster Halt: Köln Messe-Deutz. Dieser Zug fährt nicht über Hauptbahnhof. Für Köln bitte jetzt aussteigen.“ Das heißt, auch hier die Frage: Was ist eigentlich Köln? Und genau diese Konfusion gibt es in Köln in vielerlei Maßstäben. Natürlich, man könnte es auch als kreatives Chaos bezeichnen, wo auch ganz viel Schönes entstehen kann. Nährboden für Kunst, die in Köln ja sehr lebendig ist, Nährboden für kreative Spiele, die in Köln entwickelt werden und Nährboden für die lässig mit den Dingen umgehende Kölsche Lebensart …49599autostart=TRUE] Kölner Lebensart

Wie sehen denn Ihre Wünsche für die Stadt Köln aus?

Andreas Walter Schöning: Ich habe zwei konkrete Wünsche, welche Sie erst einmal überraschen werden, Und zwar der erste: Mehr öffentliche Toiletten. Der zweite: Mehr Bürgerbeteiligung. Beides hängt ganz konkret auch mit Feng Shui zusammen. Beispiel: Bei einer Bürgerbeteiligung zum Chlodwigplatz kam heraus, dass der Platz bei der Neuplanung der Stadtbahnhaltestelle keine öffentliche Toilette bekommen hat. Und das, obwohl der Platz eine große Versammlungsstätte z.B. an Karneval ist. Das heißt, die Bürger wissen ganz genau, wo ihre Bedürfnisse liegen. Und diese Miteinbindung der Bürger ist neben Verwaltung und Rathaus die dritte Säule in unserer Gesellschaft und muss viel mehr gestärkt werden. Dies kann über direkte Bürgerbeteiligung geschehen oder aber indem wir mehr darauf achten, wie die Beziehung der Menschen zu ihrer Umwelt ist.

In diesem Zusammenhang finde ich es sehr schön, dass in Köln zurzeit wieder viel mehr Brunnen als früher in Betrieb sind. Wo wir wieder beim Thema Wasser und seiner anregenden Energie sind. Denn das ist das Wasser, welches hineinkommt und lebendig macht. Die Toiletten sind dann Sinnbild für das Wasser, welches weg gespült wird. Beides ist einfach wichtig für uns – wir brauchen einen Eingang und einen Ausgang und Feng Shui kümmert sich darum, dass beides harmoniert.

Mit Andreas Walter Schöning sprach Natalie Bräuninger.

Klicken und Hören

* Damit Sie die Antworten nicht nur lesen sondern auch hören können, haben wir einige Aussagen als O-Ton für Sie aufgezeichnet. Klicken Sie jeweils auf um die Aufnahme abzuspielen.

Schoening

Andreas Walter Schöning beschäftigt sich seit 16 Jahren hauptberuflich mit der Lehre des Feng Shui.

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Eine Reaktion auf “Wind und Wasser”

  1. Unbekannt

    Aha – wir brauchen mehr Toiletten, oder was? – oh mein Gott …

    Antworten

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