Neu im Architekturführer: Zwei Projekte 'Hochwasserpumpwerk Niehl I und Niehl II'

Im letzten Jahrhundert stieg der Rhein 21-mal über die Neun-Meter-Marke. Gleich dreimal wurde in Köln von einem „Jahrhunderthochwasser“ gesprochen. Zum besseren Schutz der Kölner Rheinkante verabschiedete der Rat der Stadt 1996 das Hochwasserschutzkonzept, für dessen bauliche Umsetzung die Stadtentwässerungsbetriebe Köln AöR, kurz StEB verantwortlich waren. Innerhalb von fünf Jahren wurden 65 km Rheinfront durch Dämme, Wälle, Deiche oder – im innerstädtischen Bereich – durch mobile oder fest installierte Schutzwände gesichert, das Kanalnetz ausgebaut, sowie Retentionsräume für den Rhein außerhalb der Stadt geschaffen.

Direkt am Rheinufer mussten sieben neue Hochwasserpumpwerke gebaut werden. Die StEB haben rechtzeitig erkannt, dass der gestalterischer Anspruch ihrer technischen Bedeutung sowie der exponierten und individuellen Lage der Neubauten gerecht werden muss und lobten wettbewerbsähnliche Verfahren mit der Zielsetzung aus, dass zwischen Rodenkirchen und Langel eine „Perlenkette prägnanter Pumpwerke entlang des Kölner Rheinufers“ erstehen solle.

Niehl I

Mitten im Niehler Industriegebiet liegt das von ASTOC geplante Pumpwerk. Die Architekten entwarfen eine 40 Meter lange begehbare Wand, die mit konkavem Schwung die Technik verbirgt und der Anlage zum Rhein hin ein Gesicht gibt. Über neun Meter hoch, mit quaderförmig geschnittenen Basaltsteinen wird die mehrfach gekrümmte Wand zur weithin sichtbaren Skulptur, die sich so völlig unerwartet in die Industriekulisse schiebt. Der schräge Platz vor der Mooswand soll Radfahrer und Spaziergänger zum Verweilen im Industriegebiet einladen.

>>Architekturführer: „Hochwasserpumpwerk Niehl I“

Niehl II

Das Pilotprojekt an der Bremerhavener Straße vom Büro Felder. Den Typus »baukulturell bedeutendes Hochwasserpumpwerk« gab es bis dahin weder in Köln noch anderswo. Technik, Ästhetik und Didaktik und nicht zuletzt Vandalismusschutz, lieferten Entwurfskomponenten, die das im August 2008 fertig gestellte Ensemble bewältigen musste.

Hinter der transluzenten Verglasung verbergen sich weder Wohnhaus noch Café, sondern der Zugang und die Steuerung eines unterirdischen Pumpwerkes, das im Hochwasserfall bis zu 5000 l/s fördert.

>>Architekturführer: „Hochwasserpumpwerk Niehl II“

Redaktion
koelnarchitektur.de

 

Hochwasserpumpwerk Niehl I

Architekten: ASTOC, Architects and Planners, Köln

Foto: Christa Lachenmaier, Köln

Hochwasserpumpwerk Niehl II

Architekten: Architekturbüro Felder

Foto: Peter Jost

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