Der neue Skaterplatz am Rhein wurde schnell angenommen

„Ab heute wird eine völlig neue Art von Kulturraum die Kölner Stadtlandschaft im Süden abschliessen.“ So stellt das Kölner Architekturbüro metrobox architekten ihr Projekt für den neuen Skaterplatz am Rheinauhafen vor. Was mit Unmut über die Skateboardfahrer auf dem Roncalliplatz anfing, endet mit einem außergewöhnlichen Architekturprojekt, um eigentlich erst jetzt richtig zu beginnen: als ganz besonderer Übungsort für die Street-Skater und als neuer städtischer Platz am Rheinauhafen.

Ein langer Prozess

Eher unschön waren die jahrelangen Diskussionen um die Skater auf dem Roncalliplatz. Als überflüssige Störenfriede am Rande der Kriminalität für die Kritiker, als urbane Pioniere und Künstler für die Anhänger haben die Kölner Streetskater den Platz am Dom entdeckt und berühmt gemacht. Glatte Bodenbeläge, gute Kanten, ein zentraler Treffpunkt mitten in der Stadt, das waren die wichtigen Eckdaten für diese populäre Trendsportart. Über 30 Jahre lang wurde hier geskatet, wenn auch unter zunehmenden Protest. Seit 2007 wurde das „Skate-Problem“ in Köln intensiv diskutiert und nach einer Lösung gesucht. Wo in Köln konnte man für die Skater eine gute Ausweichmöglichkeit finden, die auch angenommen würde? Um eine Lösung zu finden, mussten alle Seiten Vorurteile überwinden und aufeinander zugehen.

Um der Stadt ein Ansprechpartner zu sein, gründeten die Skater einen Verein, der seine Interessen vertritt: der „Domskateboarding e.V.“ hat über 500 Mitglieder, von denen einige viel Zeit investiert haben, um sich der Diskussion und dem gemeinsamen Planungsprozess zu stellen. Das Amt für Kinder- und Jugendinteressen hat auf Seiten der Stadt gekämpft, um eine gemeinsame Lösung zu suchen. Aber auch in der Politik hat dieses schwierige Projekt Befürworter gefunden, ohne die eine Lösung nicht umsetzbar gewesen wäre. Hendrik Bruns, Architekt des neuen Skaterplatzes und selber viele Jahre Skater, lobt das Engagement von Seiten der Stadt Köln: „Die Stadt hat den Mut bewiesen, auf die Skater zuzugehen.“

So war es möglich, dass gemeinsam nach Orten gesucht, probiert, geplant und diskutiert wurde. Alle Beteiligten haben „eine anfänglich unpopuläre Lösung durchgestanden,“ fasst Bruns den langwierigen Prozess zusammen. Auch die Architekten mussten im Vorfeld viele Planungen vorlegen, bevor sie auch einen Auftrag für den neuen Platz erhielten. Schließlich half das Konjunkturpaket des Landes, um die Finanzierung für das Projekt am Rheinauhafen abzusichern. Entstanden ist ein einzigartiger Ort für Skater und ein besonderer Platz für alle.

Ein Skateplatz, der fast keiner ist

Für das Konzept des neuartigen Platzes war es den metrobox architekten wichtig, die Sportart der Street-Skater wirklich zu verstehen. Es ist eine urbane Sportart, die von der Nutzung von städtischen Räumen lebt. Je nach vorgefundener Situation entwickeln die Street-Skater entsprechende Kunststücke, Tricks und neue Herausforderungen. Ein Sport, dessen Ablauf nicht festgelegt ist, keine definierten Regeln hat, sondern sich permanent mit den Situationen verändert und fortschreibt. Man lernt voneinander und miteinander – und das viele Stunden am Tag, bis die meist sehr schwierigen Bewegungsabläufe beherrscht werden. Es würde also dieser Sportart widersprechen, einen festgelegten Parcours, einen Platz mit vorgegebenen Skaterrouten und –tricks anzubieten.

Gefragt war eher ein städtischer Platz, der auf keinen Fall an einen Sportplatz erinnern sollte. Fertige Skateplatzsysteme mit definierten Rampen und Elementen, wie man sie mittlerweile schon im Katalog bestellen kann, konnten deshalb im Vorfeld ausgeschlossen werden. Stattdessen stand der Wunsch im Vordergrund, einen urbanen Platz zu erhalten, der so wenig wie möglich vorschreibt. Vorbildcharakter für das KAP 686 hatten bekannte städtische Räume wie zum Beispiel in Barcelona, das durch zahlreichen schöne Platzgestaltungen von den Skatern zur „Skate-Hauptstadt“ gekrönt wurde.

In das Entwurfskonzept konnten die vielen Gespräche und Diskussionen, Wünsche und Anregungen der Nutzer einbezogen werden. So entstand am Kölner Rheinauhafen auf rund 2000m² eine hochwertige und ungewöhnliche Platzsituation, die sich in einem Rückhaltebecken für den Hochwasserschutz zwischen dem KAP am Südkai und der Südbrücke erstreckt. Auf den ersten Blick ist seine Nutzung als Skateplatz kaum ersichtlich, obwohl oder gerade weil er den Skatern viele Möglichkeiten bietet. Aus einem einfachen Grundraster entwickelt sich ein Zusammenspiel verschiedener geometrischer Körper und Flächen, die teilweise Grünelemente oder Bepflanzungen bilden, teilweise die Skate-Objekte darstellen. Auch im Bodenbelag setzt sich das Muster fort, die weißen und grauen Bodenplatten treten in einen Dialog mit den beschichteten Betonelementen. Wie vom Wasser umspülte Steine sollen die Objekte in einem Fluss aus Steinplatten stehen, so sehen es die Architekten. Dieses Bild könnte sich bei Hochwasser sogar einmal erfüllen.

KAP 686: alles gut ?

Am KAP 686 setzt sich das Materialkonzept aus dem Rheinauhafen fort. Der Platz fügt sich gut in seine hochwertige Umgebung ein und gibt dem Areal einen passenden urbanen Abschluss nach Süden. Täglich wird hier seit der Eröffnung geübt und trainiert. Die ausführliche Planung und das Engagement aller Beteiligten haben sich ausgezahlt. Langsam können vielleicht auch die Vorurteile von allen Seiten abgebaut werden: es sieht so aus, als wird dieser Skaterplatz wirklich funktionieren. Zahlreiche Zuschauer bleiben auf ihrem Spazierweg stehen und schauen den Skatern begeistert zu. Aber nicht für die Skater ist dieser Platz ein wichtiger Ort: es ist ein sehr schöner öffentlicher Raum entstanden, der sich vielfältig nutzen lässt und zum Verweilen einlädt. Und wer weiß, vielleicht werden hier auch noch neue Nutzungen für den Stadtraum gefunden.

Ragnhild Klußmann

Das Gelände in der Visualisierung….

Grafik: metrobox architekten

…und in der Realität.

Foto: metrobox architekten

Die Referenz der Barcelona-Rampe wurde aufgemessen und nachgebaut

Foto: Ragnhild Klußmann

Der Platz bildet den südlichen Abschluss des Rheinauhafens

Foto: Ragnhild Klußmann

Das Materialkonzept setzt die bestehenden Akzente wie die Corten-Stahlwände des Rheinauhafens fort

Foto: Ragnhild Klußmann

Die Betonfertigteile wurden mit Stahlkanten versehen – die fahren sich nicht ab

Foto: Ragnhild Klußmann

Auch Nachts ist der Platz für die Street-Skater offen

Foto: metrobox architekten

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4 Antworten auf “KAP 686”

  1. Kölner

    Wetten, das durch Skater auch Graffiti im Rheinauhafen verbreitet wird. Schauen sie sich die Skaterbahnen in Barcelona an. Außerdem wird bei zunehmender Verschmutzung der Skatbahn im Rheinauhafen das Skaten im Bereich Dom wieder attraktiver werden. Arme Bewohner des Rheinauhafens. Hier wird ein weitere Graffitihochburg in der dreckigsten Stadt Deutschlands entstehen.

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  2. bernd schröder

    kommentar…typisch kölner…
    keine ahnung, wirft begrifflichkeiten wild durcheinander, hauptsache ein schlechtes bild gemalt… bravo! wäre der rheinauhafen so (un)attraktiv, meinen sie nicht, die sprayer wären schon längst dort gewesen? unsichtbar ist das gebiet ja nicht… die hochwasserwand wurde gelentlich bereits in der vergangenheit besprüht. vielleicht für ihr unruhiges weltbild: auch die skater skaten lieber in einer sauberen umgebung… und was meinen Sie mit “skatebahnen barcelonas?”

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  3. Unbekannt

    oh nein, der schöne, teure rheinauhafen könnte genutzt eh beschmutzt werden. skandal.

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  4. Paul Groß

    Ich bin selber Skateboarder und haben ein bisschen Erfahrung mit so etwas. Die Skater beschmutzen doch nicht ihren eigenen Skateplaza. Wie sinnlos wäre das denn? Unter anderem sind Skater auch nicht so dumm wie alle sagen und beziehen sich in ihrer Arbeitswahl nicht nur nur auf Skateboarding, sondern auch auf andere Berufe. Ebenfalls heißt es nicht direkt das Skater und Sprayer zsm gehören! Man könnte vlt noch extra Spray-Wände oder sonstiges bauen und somit das Ufer durch moderne Kunst verschönern. Das würde dann wiederum zum Skateplaza und deren Nutzer passen.

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