Die neue Zentralmoschee in Köln Ehrenfeld wächst. Zeit für eine stadträumliche Annäherung.

In Köln-Ehrenfeld entsteht derzeit eines der spannendsten Gebäude der Stadt: Nach Plänen des Kölner Büros Paul Böhm Architekten wird an der nordwestlichen Ecke von Venloer Straße und Innerer Kanalstraße die neue Zentralmoschee errichtet. Stetig wächst der Bau und schon jetzt ist erkennbar, wie gut er den einst undefinierten Kanten der Straßen tun wird. Die über weite Teile als Stadtraum sehr konkret gefasste Venloer Straße franste hier ausgerechnet in Richtung Innenstadt aus. Auf der linken Seite eine Tankstelle und flache Bauten, jenseits der Inneren Kanalstraße dominiert das Ensemble der Bauten eines Telekommunikationsunternehmens – inklusive des Funkturms. Klare Stadträume, etwa im Sinne Sörgels Idee der Bikonkavität des Raums, fanden sich hier nicht.

Der Entwurf aus dem Hause Böhm schafft hier Abhilfe. In einer sehr selbstverständlichen Geste legen die Planer einen winkelförmigen Trakt als Rückgrat des neuen Ensembles an, dessen zwei Schenkel gen Süden und Osten bis an die Straßen reichen. So entwickelt sich eine generöse Öffnung gen Südwest zur Kreuzung. Mitten in diesen räumlichen Schwerpunkt platziert Böhm den zentralen Raum der Moschee als spektakuläre Kuppel. Aus diesem Zusammenspiel von nüchternem Riegel und kompliziert gewundenen und mehrfach gebogenen Betonschalen entwickelt sich ein reizvolles Spiel der Gegensätze. Der Bürotrakt, nüchtern, aus regelmäßigen Winkeln gefügt wird somit gleichsam ruhiger Hintergrund für das in jeglicher Hinsicht zentrale Element der Moschee, die mehrfach aufgebrochene Kuppelkonstruktion des Gebetsraums.

Architektonisches Aushängeschild

In Norden und Süden wird die Kuppel von je einem Minarett flankiert. Diese beiden Turmelemente waren Bestandteil eines Streits, der im Nachhinein reichlich merkwürdig anmutet, wurde ihnen doch ob ihrer Höhe die Kraft zugesprochen, das gesamte Areal, ja die Silhouette der Domstadt zu dominieren. Wie sich nun zeigt – auch wenn die Betonierungsarbeiten noch nicht abgeschlossen sind – war das wohl eine Fehleinschätzung in Anbetracht der vertikalen Dominante, die der Funkturm und das ihm angegliederte Bürohochhaus an dieser Stelle der Stadt bilden.

Darüber hinaus ist ein Besuch der Baustelle derzeit jedem Architekturinteressierten zu empfehlen. Schon vom unumgänglichen Le Corbusier, wie auch von vielen anderen Baumeistern, wird ja gerne berichtet, wie sie zum Studium des Bauschaffens Baustellen anderer Architekten erkundeten. Man kann sich in Ehrenfeld ein Bild davon machen, welch komplizierte Arbeit das Erstellen einer derart filigranen Schalung ist, wie sie für den Bau Böhms von Nöten ist. Allerdings gilt es, sich mit dem Fotografieren zurückzuhalten, wie Verbotsschilder am Bauzaun verdeutlichen. Das Ablichten des Baus ist erst nach Absprache mit dem Bauherrn möglich – nicht ganz einfach also, die Sache mit dem Bild, dass man sich hier machen kann.

Der gesamte Bau, es handelt sich ja nicht „nur“ um eine Moschee sondern um ein islamisches Zentrum mit Büros, Basar, Bibliothek und Seminarräumen, wird, soviel lässt sich schon jetzt sagen, zu einem weiteren architektonischen Aushängeschild der Stadt werden. In den letzten Jahren sind in Köln vielbeachtete Architekturen entstanden, von Peter Zumthors Kunstmuseum St. Kolumba über das vom Hamburger Büro von Gerkan Mark und Partner entworfene Fußballstadion bis hin zu den, das Spektakel suchenden Kranhäuser im Rheinauhafen von BRT aus Hamburg. Die Architektur am Eingang zu Ehrenfeld wird ein weiterer Bau sein, mit dem Köln in naher Zukunft in den Feuilletons der Tageszeitungen und den Fachpublikationen vielfach vertreten sein wird – und so zum Werbeträger der viertgrößten deutschen Stadt avancieren wird. Ein Ensemble als elegantes Gegensatzpaar aus amorphgewölbter Kuppel und nüchtern beruhigendem Riegel als Gegensatzpaar, das sich in den Dienst des städtischen Raums stellt.

David Kasparek

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Blick von der Inneren Kanalstraße in Richtung Ehrenfeld: Bereits jetzt wird in der Eckansicht deutlich wie sich die Elemente der Schalen mit den Minaretten und den angrenzenden Gebäudeteilen zu einem Ensemble ergänzen.

Foto: David Kasparek

Bis an die Venloer Straße heran reicht einer der beiden Schenkel des winkelförmigen Bürotraktes, der das Rückgrat des neuen Ensembles bildet. Ein ruhiger Hintergrund für das in jeglicher Hinsicht zentrale Element der Moschee, die mehrfach aufgebrochene Kuppelkonstruktion des Gebetsraums.

Foto: David Kasparek

Stetig wächst Der Bau – nur noch wenige Meter, dann wird sich die Kuppelkonstruktion schließen.

Foto: David Kasparek

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