Realisierungswettbewerb für ein Büro- und Geschäftshaus im Gürzenich-Quartier entschieden

Südlich des Gürzenich kreuzen sich zwei gedachte Linien. In Nordsüdrichtung verläuft die „Via Culturalis“ und von West nach Ost die Verlängerung der Schildergasse, die Gürzenichstraße. Doch rings um diese virtuelle Kreuzung ist es überraschend ruhig. Deutschlands drittpopulärste Einkaufsmeile leitet den endlosen Strom der Einkäufer in die Hohe Straße ab und nach dem überdimensionierten Hotel Interconti wird die Bebauung kleinteilig und zusammengewürfelt. Büdchen, Läden Kneipen, Büros und Wohnungen – nicht schön, aber irgendwie zusammen gewachsen.

Kultur kreuzt Konsum

Zum Schicksal des rund 2500 qm großen Blockes zwischen Gürzenich und Klein St. Martin ist das Ergebnis einer Stadtortanalyse geworden, die erwarten lässt, dass der neue U-Bahnknotenpunkt Heumarkt bald Passanten in einer der Mittelstraße vergleichbaren Frequenz ausspucken wird. Das Interesse der Investoren und Projektentwickler war geweckt und die eigens gegründete Entwicklungsgesellschaft Gürzenich-Quartier mbH konnte den größten Teil der Grundstücke bereits erwerben. Doch nicht alle Eigentümer sind zum Kauf bereit. Drei Häusereigentümer auf der dem Gürzenich zugewandten Schauseite des Blocks sind nicht zum Verkauf bereit, offenbar ahnen die Besitzer, dass sich ihre Mieter den alten Standort in der neuen Immobilie nicht mehr leisten können .

Ein großer Stadtbaustein mit rund 15.000 qm BGF soll das wirtschaftliche Potential des Standortes ausschöpfen und ihn qualitativ aufwerten. Dazu soll es im Erdgeschoss und im 1. OG Ladenlokale und Praxisräume geben, in den weiteren Obergeschossen ausschließlich Büroräume und im Untergeschoss rund 100 Stellplätze.

Am 12. April stellte die Entwicklungsgesellschaft die Ergebnisse des hierzu ausgelobten eingeladenen Architektenwettbewerbes vor. Die Jury unter Vorsitz von Walter von Lom vergab drei Preise mit Nicht-Vergabe eines zweiten Platzes.

1.Preis

ASTOC Architects & Planners (Köln)

Ausschlaggebend war die städtebauliche Konzeption des Gebäudes, das trotz der sich in der Fassadengestaltung und Höhenentwicklung abzeichnenden Reaktionen auf das heterogene Umfeld einen einheitlichen Gesamteindruck macht“. Um einen fünfeckigen Innenhof gruppieren sich vier den Blockrändern folgende Baukörper. Die vorgegebene Höhenstaffelung wird zum Gestaltungsmerkmal und suggeriert im Zusammenspiel mit den abgesetzten Gebäudeköpfen und verschiedenfarbigen Natursteinfassadenelementen die gewünschte Kleinteiligkeit der Großimmobilie.

Ein 3. Preis

msm meyer schmitz-morkramer (Damrstadt/Köln)

Der Entwurf des Büros msm wirkt durch geschwungene Straßenfluchten und ein sich von unten nach oben verdichtende Fassadenraster sehr elegant, doch die Jury kritisierte, dass die Homogenität des Baukörpers den Eindruck eines großen – wenn auch vornehmen – Kaufhauses vermitteln könnte. Und eben dieser Solitärcharakter sei für den Neubau nicht gewünscht.

Ein 3. Preis

Axthelm Architekten (Berlin)

Der Entwurf von Axthelm Architekten bekam ebenfalls einen dritten Preis. Drei nebeneinander liegende blocktiefe Baukörper werden von einer dynamisch gestalteten Vorhangfassade umschlossen, die sich gut in das heterogene Umfeld einpasst. Die umlaufend gleiche Traufhöhe lässt das Gebäude jedoch zu massiv wirken. Trichterförmige Zwischenräume öffnen den Blick auf die Baudenkmäler der Umgebung. Hierin sah die Jury zwar eine gestalterische Stärke aber auch eine funktionale Schwäche.

Angst vor dem Solitär

Groß soll das neue Gürzenich-Quartier sein, aber klein wirken. Deshalb kann die an diesem Standort historisch begründete feine Körnung mit einem solitären Baukörper nur formal nachgewiesen werden. Einen interessanten Stilbruch und wirkliche Kleinteiligkeit könnte das Projekt erfahren, sollte der unverkäufliche Bestand in den Neubau integriert werden müssen. Ideen dazu gibt es bereits, sie waren Bestandteil der Wettbewerbsaufgabe.

Weitere Teilnehmer:

4. Platz Allmann Sattler Wapper (München),

Kaspar Kraemer Architekten (Köln), kadawittfeldarchitektur (Aachen), van den Valenyn Architekten (Köln), Wilkin & Hanrath (Köln)

Bis zum 23. April sind die Arbeiten aller Wettbewerbssteilnehmer in der Kassenhalle der Kreissparkasse ausgestellt.

Uta Winterhager

1. Preis

ASTOC Architects & Planners, Köln

Lageplan: ASTOC Architects & Planners

Ein fünfeckiger Hof im Inneren des Gebäudes, soll im Kontrast zur Außenkontur stehen, ohne deutlich von den Fluchtlinien abzuweichen.

Ein 3. Preis

msm meyer schmitz-morkramer (Damrstadt/Köln)

Ein 3. Preis

Axthelm Architekten (Berlin)

Das Quartier wie es sich heute darstellt. In der Mitte des Bildes die bisher unverkäuflichen drei Gebäude.

Foto: Uta Winterhager

Artikel teilen

Ihre Meinung zählt

2 Antworten auf “Stadt-Mimikry – Groß sein, klein aussehen”

  1. Unbekannt

    Gut erkannt wurde in diesem Artikel, dass das Interconti überdimensioniert ist. Die Frage ob das neue Projekt nicht ebenfalls den Maßstabssprung von kleinteiliger Altstadt Struktur zu den Dimensionen der Einkaufsmeile verpasst. Gegenüber des unglaublich gelungenen Ensembles von Gürzenich und Museum habe ich für diesen Standort mehr erwartet als ein gesichtsloses Bürohaus.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.