Interview: Architektur mit Dr. Petra Hesse, Direktorin des MAK

Dr. Petra Hesse, die neue Direktorin des MAK im Gespräch mit koelnarchitektur.de über den ersten Platz in der Museumslandschaft, die eigenen Wurzeln, Gestaltungsspielräume, Ausstellungsprogramme und Jahresmottos, Kathedralen und die Markenbildung im Museumsbau.

Natalie Bräuninger: Sie sind jetzt seit dem 01. März im Amt. Wie sehen Sie sich und Ihre Rolle für das Museum und die Stadt Köln?

Dr. Petra Hesse: Ich bin hier in Köln sehr gut angekommen und die Arbeit macht mir viel Freude. Es gibt viele Baustellen, die man anfassen kann und muss. Aber auf der anderen Seite macht es Spaß, weil man großen Gestaltungsspielraum hat. Natürlich gibt es finanzielle Grenzen, aber ich hoffe, dass ich meine Ideen weitervermitteln und für die Realisierung Drittmittel einwerben kann. Hier bin ich doch sehr zuversichtlich.

Ich komme mit dem MAK in ein Haus mit einer sehr bedeutenden Sammlung, die ein riesen Potenzial hat. Gerade durch den Ausbau des Bereichs Design kann das Haus sich zu einer eigenen Marke entwickeln. Zudem ist es das einzige Museum für Angewandte Kunst in Nordrhein-Westfalen. Ich denke, dass dieses Museum sehr viele Möglichkeiten bietet, weil es die Schnittstelle zur Bildenden und zur Darstellenden Kunst ist und somit vielfältige Themen angehen kann. Es gehört meiner Meinung nach zu den lebensnahesten Museen in Köln.

42168autostart=TRUE]“Das MAK und sein Potenzial“

Mein großes Ziel ist es, das Museum unter die ersten seiner Art in Deutschland zu bringen.

Welche Sammlungen haben Sie vorher betreut wo liegen ihre persönlichen Schwerpunkte?

Dr. Petra Hesse: Die letzten Jahre habe ich sehr stark als Generalistin in den Reiss-Engelhorn-Museen gearbeitet. Dazu gehörte das Museumsmanagement, aber auch die inhaltliche Betreuung der Abteilung Kunst- und Kulturgeschichte mit seinen Bereichen Kunstgeschichte, Fotografie, Angewandte Kunst und der Stadtgeschichte.

Mein eigener Schwerpunkt ist die Angewandte Kunst, so dass ich jetzt mit der Aufgabe als neue Direktorin wieder zu meinen Wurzeln zurückkehre.

Wie beurteilen Sie die Sammlung, gibt es Lücken, die sie füllen möchten oder neue Schwerpunkte setzten?

Dr. Petra Hesse: Jedes Museum hat natürlich Lücken und das Sammeln wird natürlich nicht aufhören. In der Regel haben wir leider nur wenig bzw. gar keine Mittel, um neue Stücke zu erwerben. Das steht aktuell auch nicht so sehr im Fokus, weil wir andere Probleme oder Aufgabenstellungen zu bewältigen haben.

Beim Museum für Angewandte Kunst steht jetzt zum Beispiel die Neuprofilierung des Museums zur Verbesserung des Images, Erscheinungsbildes und Besucherorientierung an. Wichtig ist es, konzeptionell stark voran zu schreiten, gerade im Bereich Sonderausstellungen.

Mittelfristig wird auch eine Neukonzeption der Schausammlung im Fokus stehen.

Dann gibt es natürlich Dinge, die unabwendbar sind wie die Sanierung der historischen Fenster. Auch müssen Teile des Daches renoviert werden.

„Das Museum für Angewandte Kunst versteht sich heute mehr denn je als Forum aktueller Architektur“, steht auf Homepage von koelnarchitektur. Sehen Sie das auch so? Und wie setzen Sie diesen Gedanken um?

Dr. Petra Hesse: Wir werden natürlich den Bereich Design in den nächsten Jahren stärker ausbauen, weil das auch zur Profilstärkung dient und damit auch ein Alleinstellungsmerkmal geschaffen wird.

Das Jahr 2012 werden wir aber auf jeden Fall der Architektur widmen. Meine Idee ist es, jedes Jahr unter ein Themenmotto zu stellen und dann alle Ausstellungsprogramme und Veranstaltungen entsprechend thematisch zu konzentrieren. Marketingstrategisch ist das sehr gut, weil man dadurch viele Kooperationspartner einbinden kann.

42170autostart=TRUE]“Die Architektur des MAKs“

Haben Sie einen Lieblingsarchitekten?

Dr. Petra Hesse: Ich bin ein großer Fan von Oscar Niemeyer. Vor allem die Leichtigkeit, die Eleganz seiner Bauten, die im Gegensatz zu der Strenge moderner Rationalisten steht. Ich finde es immer wieder beeindruckend, wie er mit Kurven in seinen Bauwerken umgeht.

Wie beurteilen Sie die Architektur des MAK?

Dr. Petra Hesse: Ich liebe diese Architektur, die vom äußeren Erscheinungsbild fast etwas von einem Industriebau hat. Für ein Museum ist der geschlossene Charakter etwas von Nachteil, weil man vom Äußeren nicht auf das Innere, d.h. das Museum schließt. Im Gebäude selbst beeindruckt mich das Kathedralenhafte mit den Oberlichtern und dem großzügigen Treppenhaus.

Museumsarchitektur ist ein spezielles Thema und oft stiehlt die Architektur der eigentlichen Ausstellung die Schau.

Dr. Petra Hesse: Da gibt es natürlich unterschiedliche Anschauungen. Man kann eine geniale Architektur haben, was schon Marke an sich genug ist. Und das funktioniert ja auch, wie man beim Deutschen Historischen Museum in Berlin mit dem Pei-Bau sieht. Aber wenn die Räumlichkeiten dann im Museumsbetrieb nicht funktionieren, wird es natürlich schwierig. Das ist die Herausforderung an den Architekten: nutzerspezifisch zu bauen und dabei erstklassige Architektur zu entwickeln.

42169autostart=TRUE]“Markenbindung“

Wie ist die Aufnahme in der Stadt Köln?

Dr. Petra Hesse: Für einen Menschen, der irgendwo neu anfängt, ist Köln eine sehr gute Stadt, weil man hier sofort aufgenommen wird. Man kommt schnell an, die Menschen sind extrem freundlich, offen und tolerant. Man stößt nicht auf Barrieren.

Erstaunt war ich, wie gering die Architekturlobby hier in Köln ist, wo es soviel Tradition und so viel gute Architektur gibt, vor allem auch Nachkriegsarchitektur. Als Außenstehenden wundert einen das, weil man selbst Köln als Architekturstadt wahrnimmt.

Mit Dr. Petra Hesse sprach Natalie Bräuninger

Dr. Petra Hesse wurde 1966 geboren und studierte Kunstgeschichte. 1998 begann ihre Tätigkeit für das Museum Zeughaus der Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim. Zuletzt war sie Direktorin des Museum Zeughaus und des Museum Schillerhaus sowie die Stellvertreterin des Generaldirektors.

In Köln trat sie am 1.3. die Nachfolge von Birgit Borkopp-Restle an, die vorzeitig aus dem Amt schied. Das MAK besitzt eine der bedeutenden deutschen Sammlungen Angewandter Kunst vom Mittelalter bis zur Gegenwart, die zuletzt durch die Schenkung Winkler (Kunst und Design des 20. Jh.) bereichert wurde.

Klicken und Hören

* Damit Sie die Antworten nicht nur lesen sondern auch hören können, haben wir einige Aussagen als O-Ton für Sie aufgezeichnet. Klicken Sie jeweils auf um die Aufnahme abzuspielen.

Zur Internetseite des Museums für Angewandte Kunst

 

Dr. Petra Hesse, seit dem 1. März 2010 Direktorin des Museums für Angewandte Kunst, Köln

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