Das Projekt KALKschmiede* der Montag Stiftung Urbane Räume gAG und der GAG Immobilien AG soll dazu beitragen, Kalk als Wohnstandort langfristig zu stabilisieren.

Dat wor am echste Fröhlingsmorje, noh nem Winter, lang und jrau doch die Kält sull noch kumme, et jit keine Fröhling in Kalk

Als Brings 1997 diese Hymne auf die allerletzte Schicht der Kalker Malocher anstimmten, war der Zug schon längst abgefahren. Mit der BASF schloss 1993 der letzte Vertreter der metallverarbeitenden und chemischen Industrie, die Kalk in den 50er und 60er den Boom brachte. Vergessen waren die Zeiten, da Kalk zu Anfängen der Industrialisierung eine der größten und wohlhabendsten Industriestädte Preußens war. Dass man nach dem 2. Weltkrieg fast ausschließlich auf Metall und Chemie gesetzt hatte, erwies sich im Strukturwandel, der in den 70ern einsetzte, als verheerend für den Stadtteil. Seither hat Kalk nicht eben die beste Presse. Die Arbeitslosigkeit liegt deutlich höher als im Kölner Durchschnitt, derzeit bei über 18% im Vergleich zum städtischen Durchschnitt von rund 10%. Knapp 40% der Bevölkerung sind Migranten.

Gefühlte Aufbruchstimmung

Rund um die Trimbornstraße, die Kalker Kapelle und in den Arealen der alten Güterbahnhöfe ließ sich kreatives Volk nieder. Im Kalker Norden herrscht jedoch seit langem städtebauliche Stagnation. In den Straßen stehen vor allem nüchterne und triste Zweckbauten aus den 50er und 60er Jahren. Mitten drin, in der Buchforststraße, hat im Januar ein Laden eröffnet, in dem man zwar nichts kaufen kann, der aber gleichwohl seitdem gut besucht wird: in der Kalkschmiede arbeiten drei junge Stipendiatinnen, die Sozialwissenschaftlerin Sandra Bernien und die Architektinnen Susanne Stübben und Isabel Finkenberger, die gleichzeitig auch Stadtplanerin ist. Ihr Team setzte sich im Sommer letzten Jahres gegen 120 weitere Bewerber durch. Seit September 2009 haben sie nun für circa zweieinhalb Jahre die Aufgabe, die fühlbare Aufbruchsstimmung im Stadtteil zu konkreten Resultaten zu führen. „Wirksam werden und dabei auch übertragbare Konzepte schaffen,“ ist das Ziel der drei Nicht-Kölnerinnen.

Derzeit analysieren sie die Lage im Stadtteil hinsichtlich der Themen Wohnen, öffentlicher Raum und lokale Ökonomie. Herausgestellt hat sich dabei, dass in Kalk bereits stabile Netzwerke arbeiten: der Bürgerverein, die Kalkpost, die Stiftung KalkGestalten, der Pavillon e.V., das Büro für Brauchbarkeit und viele mehr wollen mit der Kalkschmiede kooperieren. Ab Mitte März wird es einen Internet Blog geben, anschließend startet eine Workshop Reihe. Noch ist es zu früh, konkrete Maßnahmen zu schmieden. Zum Beispiel durch Fragebogenaktionen und Stadtteilspaziergängen mit Jugendlichen soll sich herausstellen, welchen kleineren Verbesserungen schon direkt umgesetzt werden könnten. Ein kleines Budget für solche Vorhaben – etwa Bänke, Grünverbindungen, Stadtteilfeste – ist vorhanden.

Zukunftsbild ergebnisoffen

„Ein spürbarer Erfolg für uns wäre, wenn neue Entwicklungen im Stadtraum sichtbar würden und die Bewohner sich wohler fühlen,“ sagt Susanne Stübben vom Projektteam. Doch wenn im Frühjahr 2012 das Projekt zu Ende geht, sollen auch weitergehende Resultate vorliegen. Für den Wohnbestand sind dringend Eingriffe vonnöten. Etwa 1000 Wohneinheiten gehören der GAG, noch mal so viele der Deutschen Annington, dazwischen liegen Mehrfamilienhäuser von Einzeleigentümern. Die Wohnungen haben zum Teil keine Heizung. Vor allem sind sie sehr klein, zwischen 30 und 64 qm und haben maximal zwei, selten drei Zimmer.

„Unser Anliegen ist es, ein gemeinsames Bild über die Zukunft des Stadtteils bei den unterschiedlichen Eigentümern zu entwickeln,“ so Stübben aus der Schmiedewerkstatt. Zu untersuchen ist also, wer heute in Kalk wohnt und wer vermutlich in zehn Jahren hier wohnen wird. Neben den alteingesessenen Kalkern gibt es auch eine sehr starke Fluktuation bei den Bewohnern, Migrantenfamilien wohnen hier oft übergangsweise. Wie will und wie kann man diese Entwicklung steuern? Welche Funktion erfüllt Kalk in der Gesamtstadt? Komplexe Fragen für einen arbeitssamen Frühling in Kalk. Das Team ist optimistisch: „Wir haben die Freiheit, ergebnisoffen und ohne fest formulierte Zielerwartung durch unsere Auftraggeber zu forschen, das macht unser Projekt schon einzigartig. Die Stimmung im Stadtteil ist positiv, und wir freuen uns auf die Arbeit.“

KALKschmiede*

Buchforststr. 113

51103 Köln

T +49 (221) 16832209

Zur Internetseite der KALKschmiede

Foto: Team KALKschmiede

Foto: Team KALKschmiede

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