Eine Ausstellung in einem alten Werkstattgebäude zeigt Fotos moderner Megastädte.

Ein einziges riesiges Foto lehnt an den verzierten Metallsäulen im obersten Geschoss des ehemaligen Fabrikgebäudes. Es zeigt eine asiatische Stadt aus der Vogelperspektive. Ist es Shanghai? Die Schriftzeichen sehen eher japanisch aus. Tokio? Scheint nicht groß genug zu sein.

Der Architekt Christoph Ingenhoven löst das Rätsel. Es ist Osaka. Die Struktur der Städte ließe sich aus den Fotografien von H.G. Esch ablesen, erläutert Ingenhoven, der die Bilder des Fotografen sammelt. So kann man auch den Titel der Ausstellung auf dem Fabrikgelände “Carlswerk” in Köln-Mülheim erklären: “City and Structure”. Doch was das Foto von Osaka verspricht, auf dem eine Schnellstraße ein chaotisches Viertel mit niedrigen Gebäuden von Hochhäusern abtrennt, können die übrigen Bilder der Ausstellung nicht einlösen.

Freischwebende Vogelperspektive

Sie sind eine Etage tiefer in dem Ziegelgebäude untergebracht, frei schwebend zwischen das Tragwerk gespannt. Und so kunstvoll wie die Ausstellungsarchitektur sind auch die Fotos: Städte aus der Vogelperspektive, scharf gezeichnet, sauber proportioniert und fotografiert in wundervollem Licht. “Völlig ohne Nachbearbeitung”, wie der Fotograf H.G. Esch betont, “wir warten immer auf das richtige Licht.” Die Fotografien zeigen Chicago bei Nacht, Peking im typischen Smog, Frankfurt im Nebel oder Dubai bei Sonnenschein. Sie sind grundverschieden, aber es bleiben Postkartenansichten, die jeder von uns gerne als Urlaubsbilder mitbringen würde. Aus diesen Stadtausschnitten städtebauliche Erkenntnisse gewinnen zu wollen, greift zu weit.

Schöne Fassaden

Schon lange fotografiert H.G. Esch beruflich Gebäude, erstellt Präsentationsbilder für Architekten oder Bauherren. “Bei den Aufträgen in aller Welt hängen wir häufig noch ein paar Tage dran um die Städte von oben zu fotografieren, meist von Dächern”, erklärt der Architekturfotograf. Und er hat Erfolg damit, es gab schon eine Ausstellung in München, bei Hatje Cantz ist gerade ein Bildband erschienen. In ihm sind – wie auch in der Ausstellung – die Bilder der eigentlich gemeinten Strukturen zu sehen, die das Werk Eschs ergänzen. Er fotografiert Ausschnitte von Fassaden: Fensterreihen, Lamellen, Balkone. Aussagelos und nicht besonders originell, aber äußerst dekorativ. Und so lässt sich “City and Structure” auch zusammenfassen: hübsch anzusehen.

Vera Lisakowski

Ausstellung, bis 31.10.2009:

“City and Structure”

Carlswerk

Schanzenstr. 6-20

51063 Köln

Anmeldung unter 0221 – 6307960

Informationen des KAP Forums

Fotoband:

“City and Structure”

Herausgegeben von Kristin Feireiss

Hatje Cantz Verlag 2008

citystructure osaka

Die japanische Stadt Osaka, 2008; Foto: H.G. Esch

citystructure ausstellung 3

Besucher vor einem Bild von Tokio, fotografiert von H.G. Esch; Foto: Vera Lisakowski

citystructure hongkong

Glasfassade der Hong Kong and Shanghai Bank in Hong Kong; Foto: H.G. Esch

citystructure ausstellung 4

Das Foto von H.G. Esch zeigt die Lamellenfassade der Bugatti Factory in Molsheim; Foto: Vera Lisakowski

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