Symposium zur „Zukünftige Nutzung des Deutzer Hafens“

So wie es ist, will es keiner haben, darüber sind sich die Teilnehmer des zweitägigen, von der Stadt Köln organisierten Symposiums zur zukünftigen Nutzung des Deutzer Hafens einig. Wem gehört in Zukunft die Kaikante, so bringt die Moderation eingangs die entscheidende Frage auf den Punkt. Dazu äußern sich Vertreter der Stadt und der privaten Bauwirtschaft, Logistiker, Juristen, Architekten und Stadtplaner.

Zunächst gilt es zu klären, welche Handlungsoptionen aus planrechtlicher Sicht überhaupt bestehen. Der Leiter der Hochwasserschutzzentrale Reinhard Vogt kann sich vorstellen, dass der Umbau des Areals sogar zur Verbesserung der Schutzräume beiträgt. Das Wasserhaushaltsgesetz ist aber nur ein Regelwerk innerhalb der sehr „anspruchsvollen“ – so Streitberger – Rahmenbedingungen. Für einzelne Vorhaben ist grundsätzlich ein Vorgehen nach §34 BauGb denkbar. Favorisiert wird aber allgemein das Instrument eines städtebaulichen Entwicklungskonzeptes, das auch schrittweise ausgearbeitet werden kann, indem es das Hafenareal in Zonen aufteilt. Planverbot aufgrund rechtlicher Bestimmungen besteht also nicht, so ein erstes Fazit des Symposiums.

Severinsbrücke und Deutzer Hafen,

Panoramafotografie von Chris Witzani

Bleiben, gehen oder beides?

Szenarium Nummer eins: die Macht des Faktischen, der Hafen bleibt. Vor über zehn Jahren, 1997, fasste der Rat den Entschluss, den Hafen zu einem modernen Logistik-Standort auszubauen. Die HGK hat diesen Spielraum nicht genutzt. Weniger als 5 % der gesamten Kölner Tonnagen werden in Deutz umgeschlagen, also praktisch nur die hier hergestellten Güter, so dass von einem Umschlaghafen keine Rede sein kann. Nicht nur, dass es keine Anzeichen „modernen Hafenbetriebs“ gibt, die HGK ist offensichtlich weit davon entfernt, mit einem visionären Konzept punkten zu können. Die gebetsmühlenartige Wiederholung der sattsam bekannten Argumente – einzig verbleibender rechtsrheinischer Hafen, Arbeitsplätze, Wachstumsprognosen für die umweltfreundliche Binnenschifffahrt, begrenzte Kapazitäten anderer Standorte – sind allesamt leicht zu entkräften.

Speerscher Versprecher

Szenarium Nummer zwei: der Hafen geht und das Areal wird komplett umgenutzt. Immer wieder fällt der Begriff „Fehlallokation wichtiger Fläche“ – heißt schlicht, man könnte mehr daraus machen. Prof. Albert Speer sagt bei der Podiumsdiskussion: „Alles wird überall immer gleicher.“ Deshalb werde es in Zukunft nicht so sehr auf die Architektur ankommen, sondern darum, die Einzigartigkeit des Standortes herauszuarbeiten. Speers Versprecher „Mühlauhafen“ drückt ja aus, was sich die Planer wünschen: eine rechtsrheinische Wiederholung des Erfolgsmodells Rheinauhafen.

Abschiedsgeschenke?

Szenarium Nummer drei ist die kölsche Lösung „Sowohl-als-auch“ – eine Mischnutzung von Logistik und anderem Gewerbe. Oberbürgermeister Schramma will sein „Leuchtturmprojekt“ vorantreiben. Am Ende des Symposiums verspricht er, der Rat solle in seiner letzten Sitzung am 10. Oktober eine Grundsatzentscheidung zum Deutzer Hafen fällen. Eine entsprechende Vorlage zu den drei Szenarien wird vorbereitet, auf deren Grundlage im Juni die Diskussion eröffnet werden soll. Schramma und seine Bau- und Wirtschaftsdezernenten bevorzugen diesen dritten Weg, der wahrscheinlich den Verzicht auf Wohneinheiten bedeuten würde. So soll die Ostseite des Hafens der Büro-, die Rheinseite der Hafennutzung vorbehalten sein.

Deutzer Hafen anno 2035

Diversifizierte Nutzungen aufnehmen, moderne Hafenlogistik für eine expandierende Binnenschifffahrt bieten und auf globaler Ebene Köln als Wirtschaftsstandort ins Bewusstsein rücken: es wird nicht gerade wenig verlangt von dem nun angestrebten Kompromiss. Und zum Thema Wohnen ist das letzte Wort bestimmt auch noch nicht gesprochen. Unterdes streifen schon mal die Blicke über die Vision eines rechtsrheinischen Panoramas mit Rtl, Lufthansa, Lanxness, Tüv, Strabag und Rewe. In den nächsten fünf Jahren wird sich nach Meinung Bernd Streitbergers im Areal nichts ändern. Die zeitliche Perspektive ist auf 25 Jahre angelegt. So lange gehört die Kaikante jedenfalls noch den Anglern und den Möwen.

Ira Scheibe

Severinsbrücke und Deutzer Hafen,

Panoramafotografie von Chris Witzani

Heiß begehrt: die Kaikante und die Auroramühle des Deutzer Hafens

Foto: © Photo-Beagle by photocase

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Eine Reaktion auf “Wem gehört die Kaikante?”

  1. Kölner z.Zt.überwiegend i. Vancouver

    25 Jahre, laut Streitberger, für eine Top-Lage in der Kölner City ??? Wie kann eine maßgebliche Person so etwas als Fakt darstellen. Köln wird Mühe haben sich in der rheinischen Provinz als “Metropole” zu behaupten, geschweige denn im europäischen Raum. Selbst Duisburg ist innovativer.

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