Gut gemeint

Der Kölner Architekt Dieter Tiedemann schlägt eine Bebauung für den Deutzer Hafen vor

Während im linksrheinischen noch gebaut wird, Kranhaus Nummer zwei in den Himmel wächst, für das dritte und letzte fleißig um Käufer geworben wird und die ehemaligen Speicherhallen auch kurz vor der finalen Umnutzung stehen, entdecken findige Kölner bereits das gegenüberliegende Rheinufer. Seit geraumer Zeit sind die Flächen rund um die Kölner Hafenareale als innerstädtische attraktive Verdichtungszonen des urbanen Lebens ausgewiesen. So gibt es auch für den Deutzer Hafen einige interessante Planspiele. Darunter Ideen und Konzeptionen von Peter Böhm oder von Studierenden der RWTH Aachen.

Der Kölner BDA-Architekt Dieter Tiedemann hat nun in Eigeninitiative ein Projekt für den Deutzer Hafen soweit vorangetrieben, dass er es innerhalb der nächsten drei Monate zur Bauantragsreife bringen könnte. Dem steht allerdings noch im Wege, dass das Gelände zum momentanen Zeitpunkt gar nicht zur Bebauung freigegeben ist. Allein die Chancen und Potentiale des Ortes scheinen dem Planer also als Triebfeder genügt zu haben.

Auf der schmalen Landzunge, die das Becken des Deutzer Hafens zwischen der Drehbrücke im Süden und dem Pfeiler der Severinbrücke an der nördlichen Hafenausfahrt begrenzt, möchte Tiedemann den Bau realisiert sehen. Auf Betonpfahlgründungen im Raster von 12, 5 x 20 Meter plant er einen „schwebenden, gläsernen“ Baukörper, der über eine Hängebrücke von der Siegburger Straße aus zu erschließen ist. Als zusätzlichen Fluchtweg und Feuerwehrzufahrt soll darüber hinaus ein parallel zum Damm geführter Weg auf der Landzunge in Verlängerung der Alfred-Schütte-Allee dienen.

Pfahlbau auf dem Dieter Balschuss Damm

Vier Hauptnutzungen schweben dem Architekten vor, der sich in Köln unter anderem mit der Umnutzung und dem Betrieb des „Alten Pfandhauses“ im Severinviertel einen Namen gemacht hat. So sollen neben einem Kongress- und Mehrzwecksaal, ein Kammermusiksaal mit 500 Plätzen, Konferenz- und Ausstellungsräume sowie ein Restaurant die rechte Rheinseite bereichern. In der Summe soll so ein Kunst- und Konferenzzentrum entstehen, das den Rheinboulevard im Süden abschließen könnte. Neben diesen Nutzungen möchte der Planer Teile des Baus frei zugänglich belassen, so dass Spaziergänger und Passanten auch neben potentiellen Veranstaltungen den Blick auf das linksrheinische Stadtpanorama genießen können.

Für diese insgesamt gut 11.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche kalkuliert Dieter Tiedemann ein Bauvolumen von 35 Millionen Euro. Und auch für die Finanzierung hat er bereits zwei Modelle konzipiert: Entweder, so Tiedemann, die Stadt finanziert und betreibt den Bau in eigener Sache, oder aber es wird ein so genanntes Private-Public-Partnership Konzept angestrebt, bei dem die Stadt das Baufeld, die Infrastruktur und die Parkflächen zur Verfügung stellt und ein Investor den Bau und den Betrieb finanziert – die Stadt könnte in einem solchen Fall bestimmte Nutzungsrechte erhalten.

Viele Ansätze – zweifelhaftes Ergebnis

Auch die Frage nach den Parkmöglichkeiten hat Tiedemann sorgfältig eruiert: So sieht er den Deutzer Festplatz als Parkplatz solange er nicht von der Kirmes in Anspruch genommen wird. Sollten Fahrgeschäfte dieses Areal besetzen, könnten Shuttlebusse zwischen dem Neubau am Hafen und dem Parkhaus der Kölnarena verkehren und eine Fährverbindung zum Rheinauhafen eingerichtet werden. Auf mittlere Sicht, so der Architekt, müsste über ein Parkhaus nachgedacht werden, dass etwa auf dem bereits bestehenden Parkplatz an der Severinbrücke errichtet werden könnte. Darüber hinaus schlägt Tiedemann einen Ausbau der Grünanlage entlang der Siegburger Straße vor: weitere Bäume könnten gepflanzt, das Gleisbett der Straßenbahn zusätzlich begrünt werden.

Fünf markante Punkte sieht der Architekt dabei als das große Potential seines Entwurfes an: Zum einen soll der Bau Abschluss und Zielpunkt der geplanten Rheinpromenade sein, ein Signal und die Initialzündung für den Ausbau des Deutzer Hafens darstellen, eine Bereicherung der Stadtsilhouette aus linksrheinischer Sicht bieten und als Gegenüber des Rheinauhafens durch die geplanten Nutzungen eine Aufwertung des rechtsrheinischen Stadtteils zur Folge haben.

So soll „der große Erfolg durch den Ausbau des Rheinauhafens für die Stadt Köln durch die Umwidmung des Deutzer Hafens weitergeführt werden. Der Bau des Kunst- und Konferenzzentrums wäre hierzu ein erster Schritt.“

Wie wird die nötige Debatte geführt?

Ob die von Tiedemann erdachte Architektur jedoch dazu im Stande ist, all das zu leisten bleibt fraglich. Zwar ist offenkundig, dass sich der Architekt intensiv mit dem Ort und seinen Gegebenheiten auseinander gesetzt hat, der Entwurf erscheint auf den Renderings allerdings als ein relativ wirres Gemenge diverser Formen. So entsteht ein an Zitaten reicher Bau von zweifelhafter Zeichenhaftigkeit. Teile eines Schiffes mag man erkennen können, ebenso wie Reminiszenzen an Hafenkräne und Kommandobrücken. Doch gibt es nicht all dies schon an diesem Ort? Schiffe und Boote fahren in nahezu endloser Folge den Strom auf und ab, mit der alten Drehbrücke steht in unmittelbarer Nähe ein kleines und doch hervorragendes Beispiel für den Charme früher Industriearchitekturen. Das Formenkonglomerat, so scheint es, versucht dem gesamten Rheinauhafen auf dem anderen Flussufer entgegen zu treten und in nur einem Bau all das zu vereinigen, was dort von diversen Architekten in verschiedensten Bauten realisiert wurde.

Diese Architektur, so Tiedemann, entwickle sich ganz aus dem Geist des Ortes. Das ist auch der Grund, warum er einem möglichen Architektenwettbewerb gelassen entgegen sieht: „Andere Entwürfe müssten ähnlich aussehen“, so der Architekt gegenüber einer Kölner Tageszeitung. Man darf also gleich in mehrer Hinsicht gespannt sein. Zum einen, ob Tiedemanns Vorschlag einer seit längerem vor sich hinschwelenden Debatte endlich den nötigen Anschub gibt, zum anderen, wie dieser Diskurs dann geführt wird, und schließlich, zu welchen Ergebnissen er führt.

David Kasparek

Blick Severinbrücke

Blick die Severinbrücke entlang. Rechts im Bild erkennt man die Aurora-Werke.

richtung rheinauhafen

So soll das Projekt von Dieter Tiedemann von der Severinbrücke aus aussehen.

Blick den Rhein abwärts

Das Kunst- und Konferenzzentrum soll den südlichen Abschluß des Rheinboulevards bilden.

render 1

Auf Pfählen will der Architekt den Bau aufständern. Neben konstruktiven Aspekten sollen so Hochwasserschutz und die Hafendurchfahrt gewährleistet werden.

render2

Der gläserne Baukörper soll einen Kontrast zum Damm aus Basaltblöcken bilden.

render3

Zitat am Ort: Ein gestrandetes Schiff?

render 4

Über eine Hängebrücke soll der Bau von der Grünanlage an der Siegburger Straße aus erschlossen werden.

Alle Abbildungen: Tiedemann

17 Kommentare

Zu erst der Vorschlag fürs Kölnische Stadtmuseum und jetzt das…Hoffenlich wird der Entwurf nicht aufgegriffen. Der Kölner Politprominenz ist schließlich alles zuzutrauen. Peinlich.

Ist doch super! Wir sind KOELN!!!

Überbürgermeister Fritz Schramma lobte die „sehr gelungene Lösung“ und kündigte an, das Projekt „zügig“ den politischen Gremien vorzustellen.

oh je armselige architektur-metapher, aber bezeichnend für köln – und der schramma find´s joot – prost ihr pfeifen!

Sieht aus wie ein gestrandeter Schleppkahn.
Bitte nicht bauen. Aber mit Schramma und Streitberger ist alles möglich, s. Diktat Unesco, Messe-City Deutz. Dort wird auch gewurschtelt. Erfolgsmodell Rheinauhafen wäre mit den beiden o.genannten nicht möglich gewesen.

oh je armselige architektur-metapher, aber bezeichnend für köln – und der schramma find´s joot – prost ihr pfeifen!

So lasst mich doch eine Lanze für Herrn Tiedemann brechen..
subjektiv betrachtet, interessanterer Entwurf als die fürchterlich langweiligen Kranhäuser auf der gegenüber-
liegenden Rheinseite.
Es lebe die subjektive Betrachtung, über die es sich ja bekanntlich streiten lässt…

Genial: Ein vielseitig genutzter ästhetischer Solitär in dieser exponierten, schwer bebaubaren Lage, der den bisher baulich vernachlässigten Deutzer Hafen ZEITNAH aufwertet und Anstoß zur weiteren Bebauung des Hafens geben könnte – im Gegensatz zu den „Legostein“-Kranhäusern …

nicht der hit, nicht die letzten blicke verbauen richtung köln, warum die letzten erholungsgebiete bebauen. nichts gegen neue ideen aber ein stück erholung und natur pur ginge verloren

Wenn ich so die Kommentare lese … Nur Neid. Da kommt ein Entwurf. Durchdacht. Kulturkonform. Genialer Kammermusiksaal und beachtliche Eventflächen. Genau das braucht Köln. Und das Ganze umsonst? Da brauch man nicht lange darüber nachzudenken. Die freie Szene wäre zum ersten Mal beachtet.

Super Idee,
endlich mal eine interessante Aufwertung des linksrheinischen Panoramas! Der Entwurf hat Ecken und Kanten und nicht wieder die für Köln typische moderne eber langweilige Bauweise (reine viereckige Kasten aus Glas)..
Problem wird die Umsetzung sein, man kennt ja den kölschen Klüngel und was dann daraus kommt…

Ich finde es perfekt und würde sofort darin wohnen wollen, wenn dort Eigentumswohnungen realisiert werden. Zwecks Freizeit- und Erholungsgebiet-Verlust, so könnte dort auch ein „Wellnes-Schiff“ entstehen. Ich freue mich auf das Glas-Schiff!!!!

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