Das Hochhaus am Waidmarkt bleibt stehen, dafür weichen die restlichen Gebäude des alten Polizeipräsidiums der Abrissbirne. Ein Überblick über die neuen Pläne.

Für die einen sind sie funktionale „Klötze“, für die anderen reizvolle Bausubstanz. Bei der Frage, welche Hochhäuser aus den 60er Jahren zu erhalten sind, scheiden sich die Geister. Die einen wollen sie nur noch weghaben, abreißen, aus dem Stadtbild verbannen. Andere integrieren sie in neue Bauensemble, so wie Thomas Bieling. Für die Umgestaltung des Waidmarktes lieferte der Kasseler Architekt jetzt einen Kompromissvorschlag: Das Hochhaus am alten Polizeipräsidium wird saniert, der Rest weicht Neubauten. Ein gelungener Plan – nicht zuletzt für den Bauherrn.

Sieben Teilnehmer und drei Preise

Drei Preisträger, drei ähnliche Entwürfe: So könnte die Bilanz der „Fay Construction Management GmbH“ aussehen, die sieben Architekten zum zweistufigen Wettbewerbsverfahren eingeladen hatte. Drei Preise vergab die Jury, die aus Vertretern des Bauherrn, der Stadt Köln und der Kommunalpolitik bestand: Nach Thomas Bieling, für den die Jury einstimmig votierte, landete das Büro Fischer (Mannheim/Köln) auf Platz zwei, Rang drei ging an die Arbeitsgemeinschaft a+m Köln/RKW Düsseldorf. Alle drei hatten Pläne vorgelegt, in denen das 60er Jahre-Hochhaus erhalten bleibt. Alle schlugen Häuser vor, die einen Innenhof vor dem Lärm der Nord-Süd-Fahrt bilden.

Schutz vor dem Straßenlärm durch Randzonen

Ähnlich wie Thomas Bieling hatte das Team von Fischer Architekten den Geschäfts- und Bürobereich an den Blaubach und den Waidmarkt geplant. Als Schwachpunkt sah die Jury allerdings die Bebauung im Innenhof an. Fischer hatte vier einzelne Wohnhäuser vorgeschlagen, die jedoch, so die Jury, zu hoch und in ihren Zuschnitten zu groß geraten seien. Die Arbeitsgemeinschaft von a+m und RKW stellte dem Hochhaus gleich ein zweites dazu: Neben dem 14-stöckigen Gebäude aus den 60er Jahren sollte an der stark befahrenen Tel-Aviv-Straße und dem Blaubach ein zehngeschossiger Eckbau entstehen – ein Punkt, den die Jury bemängelte.

„Das Haus hat mehr Potential, als wir dachten“

Bielings Entwurf lobte die Jury als „frische Lösung im Kontext der Stadtreparatur“. Der „vorgeschlagene Lebensraum“ könne für die Bewohner und die dort Arbeitenden „angenehm und freundlich“ werden. Wohnqualität inmitten der Stadt hatte sich schließlich auch der Bauherr gewünscht, der neben Geschäften und Wohnungen auch ein 3-Sterne-Hotel ansiedeln will. Das zieht nach Bielings Plänen nun ins alte Hochhaus (Baubeginn ist 2008), an den Scheitelpunkt zweier Straßen, die täglich Tausende von Autos passieren. Hier lobte die Jury Bielings Vorschlag, die Kanten seiner Außenbebauung zu schließen, um den Straßenlärm von den Wohnbereichen im Inneren fernzuhalten. Das Hochhaus selbst habe nur Vorteile, so der Architekt: Das Zweibund-System von Zimmern und Gängen sei ideal für eine Hotelnutzung. Auch rein äußerlich habe er nichts auszusetzen. Das Gebäude nannte er ein „gutes Haus“, dessen Fassade man erhalten und betonen müsse. „Heute werden viel zu viele 60er Jahre-Bauten abgerissen“.

Die Vorteile der 60er Jahre nutzen

Der Kasseler Architekt will die schlanke Fassadengliederung optisch stärken und vor allem im Erdgeschoss Veränderungen vornehmen. Hier werden Mauerscheiben herausgerissen und die Stützenstruktur freigelegt. Das Erdgeschoss wird durch eine Glasfassade verschlossen. In den neuen Raum ziehen ein Restaurant und Konferenzzimmer. Zudem werden die drei oberen Stockwerke optisch miteinander verbunden. Als Ergänzung ist ein weiterer Hotelbau geplant, der mit dem Hochhaus durch eine verglaste Lobby verbunden wird.

Ein Sorgenkind wird zum Hotel

Jahrelang zählte das Hochhaus zu den Sorgenkindern der Südstadt. Die einen maulten zu Recht, es versperre die Sicht auf St. Georg und passe sich nur wenig an die übrigen Gebäude in unmittelbarer Nachbarschaft an. Andere kritisierten seine schwerfällige, unzeitgemäße Architektur. Recht hatten sie alle, warum es nun doch erhalten bleibt, liegt klar auf der Hand: Für ein ähnlich hohes Gebäude hätte die Stadt Köln wohl kaum eine Baugenehmigung erteilt. Bleibt das Hochhaus stehen, sichert sich Fay auf einen Schlag etwa 40 000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche an einem Standort. „Ohne das Hochhaus hätten alle anderen Gebäude breiter werden müssen, zum Schaden der Wohnqualität“, sagt Bieling.

Ein Platz für Wohnungen und Handel

Geplant ist, dass die Gebäude Ende 2009 bezugsbereit sind, investiert werden insgesamt rund 90 Millionen Euro. Als Blockbebauung am Blaubach und der Tel-Aviv-Straße sind sechsgeschossige Büros geplant. Im Innenhof entstehen vier- bis fünfgeschossige Einzelhäuser, deren Kubatur an zwei Stellen mit Penthouseaufsätzen erhöht wird. Für die Umsetzung bat die Jury allerdings darum, die Dichte der Innenhofbebauung zu überprüfen. Vorgesehen sind Balkone, die Wohnungen im Süden erhalten Außenterrassen auf dem Dach eines Supermarktes. Geschäfte sind vom Waidmarkt und vom Quartiersplatz aus zu erreichen. Die Jury hatte Bieling dafür gelobt, dass sich seine Neubauten gut in die gegebenen Strukturen einpassen. Fest steht, dass ein Gebäude weiterhin am Waidmarkt verweilen wird: Das Hochhaus aus den 60ern, das sich vom „Klotz“ nun zum Sterne-Hotel wandelt.

Annika Wind

Ein ‚Klotz‘ in allen Ehren: Das Hochhaus am Waidmarkt wurde Anfang der 60er Jahre gebaut und soll jetzt saniert werden. Dafür weichen alle anderen Gebäude des alten Polizeipräsidiums nun der Abrissbirne.

Im Entwurf von Thomas Bieling legen sich Büro- und Geschäftshäuser um einen Wohnbereich im Innern. Wichtig war die Aufwertung des Waidmarktes (rechts). Die Gebäude im Osten sind niedriger als im Süden für einen besseren Blick auf die romanische Kirche St. Georg.

Vier ‚Punkthäuser‘ sah der Entwurf von Fischer Architekten im Innenhof vor. Auch hier hatte man Wert auf eine konsequente Randbebauung gelegt, um den Straßenlärm abzuwenden.

Die Arbeitsgemeinschaft a+m und RKW setzte dem Hochhaus ein weiteres mehrstöckiges Gebäude entgegen. An der Ecke Tel-Aviv-Straße/Blaubach waren zehn Geschosse geplant.

Der Entwurf von Thomas Bieling vom Waidmarkt aus gesehen.

Der Entwurf von Thomas Bieling vom Blaubach/Ecke Tel-Aviv-Straße aus gesehen.

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Eine Reaktion auf “Neues Leben im alten Klotz”

  1. u. horstkotte

    Es ist mal wieder typisch für Köln. Ich finde die Neubauten um das alte Hochhaus herum von der Architektur her mal wieder tötlich langweilig. Bis auf wenige Ausnahmen sehen alle Neubauten in der Stadt so aus. Ich kann nicht begreifen, daß man nicht versucht, an solchen markanten Stellen architektonische highlights zu realisieren, und nicht immer diese null-acht-fünfzehn versionen. Übrigens passt auch die Höhe der übrigen Gebäude nicht zu dem bereits bestehenden Hochhaus. Wenn dann müsste man die umliegenden Gebäude wesentlich höher bauen, als geplant. So sieht das doch alles total daneben aus.

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