Der Kindergarten St. Hermann Joseph von Gottfried Böhm wird abgerissen. Ohne Wissen des Architekten und trotz ursprünglich anderer Planungen für das Areal.

Gottfried Böhm vereint zwei wichtige Dinge auf seine Person: Zum einen ist er der bis dato einzige deutsche Architekt, der mit dem Pritzker Price for Architecture geehrte wurde und zum anderen ist er Kölner. 1920 zwar im hessischen Offenbach geboren, arbeitete er bereits ab 1947 im Büro seines Vaters in Köln und blieb der Domstadt seitdem treu. So ist Gottfried Böhm mit den Jahren zu einem der großen kölschen Architekturapologeten geworden. In Köln und Umgebung stehen Architekturen aus seiner Feder, die fraglos jedem als charakteristische Beispiele zur Verdeutlichung verschiedener Stile und Bauepochen gelten können: Etwa die brutalistischen Vorzeigeprojekte wie das Rathaus Bensberg und die Kirche St. Gertrud an der Krefelder Straße oder Bedeutendes für die Postmoderne wie das Bezirksrathaus in Köln-Kalk.

Eigenmächtiges Handeln des Investors

Nun ist der Aufschrei jedoch groß in Kölner Architekturkreisen: Am 23. Januar wurde mit dem Abriss des Kindergartens St. Hermann Joseph begonnen. Der Entwurf stammt von Böhm und er steht den Plänen eines Investors offenbar im Wege. Die Sahle Baubetreuungs-GmbH plant auf dem Gelände zwischen Zoo und Rheinufer eine Wohnbebauung. Im Juli 2005 ging aus einer „Mehrfachbeauftragung“, also einem konkurrierenden Planungsgutachten, das Kölner Büro Lorber + Paul als Sieger hervor. Dieser Entwurf sah eine Variante vor, in der der seit Jahren ungenutzte Böhmkindergarten hätte erhalten werden können. Obwohl von der Stadt in Auftrag gegeben fühlt sich der Investor den Ergebnissen der Mehrfachbeauftragung nicht verpflichtet und wird nun nach Plänen der hauseigenen Planungsabteilung gänzlich neu bauen. So scheint es letztendlich neben dem wohl als Gewinner aus all dem hervorgehenden Investor nur Verlierer zu geben: Die für die Beauftragung der Neuplanung vorgeschlagenen und um den Auftrag gebrachten Architekten von Lorber + Paul, der offenbar bis zuletzt in Unkenntnis des bevorstehenden Abrisses belassene Gottfried Böhm und schließlich die Architekturinteressierten der Stadt.

Lehrbeispiel des Brutalismus

Der Bau als solcher konnte sich nahtlos ins Œuvre Böhms einfügen: Zwischen 1967 und 1972 geplant und gebaut fällt er genau in die Phase des Architekten, die architekturhistorisch wohl am interessantesten ist. Die vom Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt (DAM) jüngst als „Felsen aus Beton“ titulierten Bauten aus der Zeit des Böhmschen Brutalismus haben einen Reiz, der rein formal nicht zu leugnen ist. Auch der Kindergarten St. Hermann Joseph wies hier klassische Merkmale jener Epoche auf: geometrische Grundformen, ausgeführt in rau belassenem, brettgeschaltem Sichtbeton. An Stürzen, Fensterlaibungen und dem oberen Wandabschluss wurde der Béton brut grün gestrichen, was geschickt Akzente setzt.

Durch den Abriss des Kindergartens geht Köln ein weiteres Beispiel für die Architektur einer Epoche verloren. An diesem Bau, mag man vom Stil auch nicht begeistert sein, hätte deutlich erörtert werden können, welche Denkansätze und formalen Ausprägungen die Architektur jener Zeit der sechziger und siebziger Jahre mit bestimmten. Doch so ist Köln ein weiteres Mal um ein architektonisches Lehrbeispiel ärmer geworden.

David Kasparek

Ein letztes Läuten – Die Zukunft von St. Ursula von Gottfried Böhm ist ungewiss

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Seit dem 23. Januar wird der Kindergarten St. Hermann Joseph abgerissen.

Foto: Veit Landwehr

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Der Bau von Gottfried Böhm kann als Lehrbeispiel des Brutalismus gelten.

Bild: Veit Landwehr

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2 Antworten auf “Ein Zeuge weniger”

  1. David Doering

    Geschlafen haben die Stadt, die den Abriss genehmigte und die Architektur-Szene, die die Bedeutung dieses Baus nicht deutlich gemacht hat. Aber auch die sonstige Öffentlichkeit, die für Architektur und Stadtgestaltung wenig Interesse zeigt. Wird Architektur erst interessant, wenn der Abriss kommt?

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  2. cansu cakar..

    in diesem kindergarten habe ich viel gelernt es ist eine schande das er abgerissen wurde nicht nur das nur der kindergarten abgerissen wurde sonder auch der bolz platz der direkt daneben war wir kinder in dieser siedlung hatten zwra nicht den schönsten spielplatz aber dort haben wir uns wenisgtens von der straße abgewendet und jetzt haben die kinder der jtzigen zeit nicht mehr

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