Architekturstudenten entwerfen mehr als ein Verkehrskonzept für den Heumarkt.

Unter der Überschrift „Chance Heumarkt – Die Wiedergewinnung des Kölner Aktionsraums“ fand am 20. Januar ein vom BDA Köln und dem Kulturforum Köln initiiertes Montagsgespräch statt. Ausschlaggebend dafür war der Fakt, dass der an der Düsseldorfer Peter Behrens School for Architecture lehrende Kölner Architekt Professor Juan Pablo Molestina mit seinen Studierenden ein Konzept zur Wiederherstellung des Kölner Heumarkts erarbeitet hat.

Der Heumarkt, wie er sich heute, erst fünf Jahre nach seiner Sanierung, offenbart, scheint sich vom linksrheinischen Brückenkopf der Deutzer Brücke gen Norden zu erstrecken. Hier erscheint er als homogener Platz, mit kleinteiliger, mittelalterlich anmutender Bebauung und einheitlichen Traufhöhen. Vom tatsächlichen, historischen Platz ist das aber nur knapp die Hälfte. Den Rest dieses großen Kölner Stadtraums nimmt der Passant allerdings nur bedingt wahr: Kein Platz erstreckt sich nach Süden. Stattdessen dominieren Verkehrsflächen für Autos und Stadtbahn den Bereich vor dem Maritim Hotel und dem südlichen Abschluss des ehemaligen Platzes, der Malzmühle.

„Große Probleme erfordern radikale Ansätze“

Diese Fläche, so die Idee der Studenten aus Düsseldorf, solle dem Platz und somit der Stadt wieder zu Nutze gemacht werden – der Heumarkt in seinen ursprünglichen Dimensionen wieder hergestellt werden. Hauptbestandteil der Konzeption ist die Umleitung des Durchgangsverkehrs über die bestehende Schleife vom Brückenkopf unter dem Hotel hindurch in Richtung der Bäche. Der Bereich der neuen Abfahrt würde mit einer neuen Architektur überbaut, welche die vergrößerte Schleife in sich aufnimmt und dem Platz nach Osten seine historische Begrenzung wiedergibt. So könnte einer der ehemals größten Plätze der Stadt seine alte Form wieder erlangen, ohne für den Verkehr ganz gesperrt zu sein: Denn Fahrradfahrer, die Stadtbahn und der Verkehr, der als Ziel die Innenstadt hat, würden ihn nach wie vor bevölkern.

Zentrales Thema: Der Straßenverkehr

Unter der Moderation von Jürgen Keimer stellte sich ein Podium dem Vorschlag aus der Landeshauptstadt, dem neben Molestina selber noch Stadtkonservatorin Renate Kaymer, die Leiterin des Stadtplanungsamtes Marie Luise Müller, der Verkehrsplaner Hartmut Topp, der Kölner Architekt Erwin H. Zander und aus dem Amsterdamer Büro von UN Studio, Ben van Berkel, Tobias Walliser angehörten. Der in den Niederlanden tätige Walliser zeigte an Hand eines Projektes von UN Studio für den Bahnhof Arnheim auf, wie ein Verkehrsbauwerk an prominenter Stelle aussehen könnte und machte damit vor allem klar, dass in einer solchen Architektur der Verkehr an sich zu einem der zentralen Themen werden kann. Denn ein Verkehrsbauwerk würde es wohl ohne Zweifel werden, was am Heumarkt als östliche Platzbegrenzung entstehen soll – soll es doch die neue Brückenabfahrt aufnehmen.

„Man kann da nicht klein-klein dran rumbasteln!“

Vor allem durch die recht weit auseinander liegenden Ansatzpunkte von planerischem und monetärem Pragmatismus auf Seiten der Stadt, vertreten durch Marie Luise Müller und visionärem gestalterischem Denken auf der anderen Seite entstand so im Laufe des Abends eine anregende Diskussion zur Thematik der Wiederbelebung von etwa sechzig Prozent der ehemaligen Marktfläche. Dass dieser Bereich seit langer Zeit im Argen liegt stand dabei ebenso außer Frage wie die Feststellung, dass die studentischen Vorschläge noch einige Punkte unbeachtet lassen: Der genaue Verlauf der Stadtbahn über die Deutzer Brücke ist noch sehr wage, soll sie doch von der mittleren auf die südliche Trasse der Brücke umgelegt werden. Wie sich dies dann als Verkehrsknoten im Rechtrheinischen äußert bleibt unklar. Auch ob die Bäche das Mehraufkommen an Durchgangsverkehr verkraften können bleibt fraglich.

Solche Ungereimtheiten können jedoch nicht darüber hinweg täuschen, dass es höchste Zeit ist, sich wieder ernsthaft mit der Thematik des Heumarktes auseinander zu setzen und über den historischen Marktflecken fokussiert nachzudenken. Der in Kaiserslautern lehrende Professor Hartmut Topp brachte es treffend auf den Punkt, in dem er festhielt, dass die ganze, an und für sich so faszinierende Idee, mit einem schlüssigen Verkehrskonzept stehe und falle. So bleibt zu hoffen, dass die studentischen Visionen, wegen den möglichen, etwaigen und potentiellen Probleme, keine Utopien bleiben, sondern deren Umsetzung zu einem erstrebenswerten Ziel erklärt wird, an deren Realisierung sukzessive gefeilt wird.

David Kasparek

Aktionsraum mit Fragezeichen.

Visualisierung des ’neuen‘ Heumarktes ohne störende Hauptverkehrsstraße. Der Block links hinten soll als Platzhalter für ein mögliches Verkehrsbauwerk verstanden werden.

Rendering: FH Düsseldorf

Umleitungskonzept: Der Hauptverkehr aus Richtung Deutz würde in den bereits bestehenden Tunnel unter dem Hotel Maritim umgeleitet werden.

Grafik: FH Düsseldorf

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Eine Reaktion auf “Aktionsraum wiedergewinnen”

  1. David Doering

    der Heumarkt ist doch schon „einer der schönsten Plätze Europas“ (O-Ton Fritz Schramma)! Kann er etwa noch schöner werden?

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