Zurückhaltende Skulptur

Der Südturm des Kölner Doms bekommt einen neuen Zugang.

Vorstellung der Ergebnisse eines Architektenwettbewerbs zur Neugestaltung des südlichen Domeingangs und Eingangsbereichs im Haus der Architektur

Wer zu den halben Millionen Besuchern zählt, die jährlich den Südturm des Doms besteigen, betritt den Dom durch das Petersportal, einem „kaninchenstallartigen Eingang“, so die Kölner Dombaumeisterin, Frau Prof. Dr. Barbara Schock-Werner. Es gibt Staus und Lärm, was besonders während einer Messe stört. Zudem sei man mit dem alten Betonkiosk und den WC´s unglücklich, die zu diesem Eingangsbereich gehören. Überlegungen, die Situation zu verändern gibt es schon lange, doch wegen der Ansprüche zu vieler Beteiligter (Domkirche, Kölner Außenwerbung, Denkmalpflege und städtische Ressorts) gab es jahrelang keine Bewegung in dieser Angelegenheit.

Das Wettbewerbsergebniss

Jetzt liegen die Ergebnisse eines begrenzten Realisierungswettbewerbs vor, den die Domkirche gemeinsam mit der Stadt Köln für einen neuen Eingang ausgelobt hatten. Das Büro Kaspar Kraemer Architekten BDA überzeugte bei diesem Wettbewerb mit einem Entwurf, der voraussichtlich nächstes Jahr realisiert werden soll. In einer Veranstaltung im Haus der Architektur am vergangenen Mittwoch stellte Barbara Schock-Werner die Historie des Wettbewerbs, die Anforderungen an die Wettbewerbsbeiträge sowie die abgelehnten, bzw. nominierten Wettbewerbsbeiträge vor. Kaspar Kraemer erläuterte anschließend seinen erfolgreichen Entwurf, für den sich die Jury mit deutlicher Präferenz aussprach.

Die Anforderungen an die Wettbewerbsentwürfe: Der zukünftige Eingang soll ein unterirdischer sein. Unter dem gegenwärtigen Eingangsbereich gibt es einen 124 qm großen Raum, der bei den Ausgrabungen unter dem Dom freigelegt wurde. Dieser soll als neuer Zugangsbereich fungieren. Von hier aus müsse ein Durchbruch durch die zehn Meter starken Domfundamente erfolgen, was der Hausstatiker der Domkirche als unproblematisch ansieht. Eine Neugestaltung des Betonkiosks sowie des Zugangs zu den WC´s sollten in die Neuplanung mit einbezogen werden.

„Dann kauf doch die ganze Ecke …“

Barbara Schock-Werner schilderte die Patt-Situation durch zu viele Zuständige, welche die Planung jahrelang quasi eingefroren hätten. Der ehemalige Stadtkonservator Dr. Ulrich Krings schlug ihr schließlich vor: „Dann kauf doch die ganze Ecke“. Dazu kam es nicht, wohl aber zu einem Gestattungsvertrag, der es der Domkirche erlaubt, auf städtischem Grund ein Bauwerk zu errichten. Bedingung: Ein Architektenwettbewerb. Es wurde kein freier, sondern ein eingeladener mit neun Einreichungen Kölner und Nicht-Kölner Büros. Die Jury: Dompropst Dr. hc. Norbert Feldhoff, Johannes Bastgen, Prälat, Josef Sauerborn, Prälat, Prof. Dr. Barbara Schock-Werner, Dombaumeisterin, Andreas Hupke, Bezirksbürgermeister, Bernd Streitberger, Planungsdezernent, Josef Rüenauver, Architekt, Prof. Johannes Schilling, Architekt, Stefan Schmitz, Architekt, Dipl. Ing. Karl Frey, Diözesanbaumeister, Eichstätt, Prof. Klaus Humpert, Architekt, Freiburg. Verblüfft sei man gewesen, als man die Umschläge mit den Namen der nominierten Büros geöffnet hätte, weil es schließlich drei Kölner Vorschläge waren. Barbara Schock-Werner: „Das glaubt uns kein Mensch, dass es dabei mit rechten Dingen zugegangen ist.“

Vorschlag Kraemer: Eine Skulptur, die aus dem Platz herauswächst

Kaspar Kraemer schilderte seine Lösung der Aufgabe, den Durchstich durch das Domfundament, die Zugänge zu den Parkebenen –1 und –2, die Neugestaltung des Kiosk sowie die Einbeziehung der WC-Anlage zu gestalten. Sein Vorschlag, Pavillon (Kiosk) und Aufzug werden getrennt: ein etwas größerer, flacher Kubus und ein kleinerer, höherer Kubus für den Aufzug. Als einziger verzichtete er auf ein Dach und damit auf ein eigenständiges, verbindendes Gebäude. Stattdessen: „der Versuch, das Ganze in eine zurückgenommene Skulptur zu integrieren, die aus dem Platz herauswächst und die Bedeutung des Ortes respektiert.“ Die Materialwahl deswegen ein Naturstein von ähnlicher Farbe wie der Platz. Unter dem unüberdachten Eingang eine Verteilerebene, von der man weiter nach unten in den Dom gelangt und gleichzeitig einen Blick auf die Ausgrabungen werfen kann. Der Vorteil: „Wenn ich runter steige, gehe ich nicht in einen Keller, komme ich herauf, sehe ich den Dom.“ Auch die WC-Anlage ist von hier aus zugänglich. Der quadratische Pavillon ist von allen Seiten einsehbar und schafft – weil auch nachts durchgehend beleuchtet – keine unerwünschten Dunkelzonen.

Das Kiosk soll in Zukunft übrigens von der Domkirche selbst bewirtschaftet werden. Sie braucht die Einnahmen und gewinnt Einfluss auf Objektauswahl und Präsentation der Waren. Über die Kosten des Umbaus, dessen strukturelle Arbeiten bis zum Weihnachtsmarkt 2007 abgeschlossen sein müssen, konnten keine Angaben gemacht werden.

Zwei dritte Plätze

Einer der zwei dritten Preise ging an das Büro von Van den Valentyn Architektur. Ein kreisrunder Kiosk und ein Aufzugsturm werden überspannt von einem gewellten, dominanten Dach. Von der formalen Gestaltung war die Jury überzeugt, Einwände gegen den Entwurf bezogen sich auf die große Nähe des Gebäudes zum Dom. Dies, so Schock-Werner, hätte mögliche Erhaltungsarbeiten am Dom behindert.

Gleichwertig wurde der Entwurf des Büros von Gatermann + Schossig nominiert. Insgesamt der unaufwendigste Entwurf. Ein kleiner Kubus mit einer integrierten Informationswand erfüllt, außer dem Sieger, als einziger die Forderung, dass die Info-Beschriftung ein Teil des Entwurfs sein sollte. Die Gegner in der Jury monierten den modischen Look des mit Einschnitten versehenen Metallbaus.

In die engere Wahl kamen außerdem Vorschläge von: Architekturbüro A2, Allmann Sattler Wappner GmbH, München, Sichau & Walter, Fulda, Klaus-Jürgen Bauer Architekten, Eisenstadt, Architekturbüro Kottmair, Köln und lichtblau.wagner architekten, Wien.

Alle neun Entwürfe sind vom 29. September bis 13. Oktober im Römisch-Germanischen Museum zu sehen.

Axel Joerss

Der Entwurf von Kaspar Kraemer Architekten im Modell.

Foto: Kaspar Kraemer Architekten

Südansicht

Grafik: Kaspar Kraemer Architekten

Blick aus der Ebene -1

Grafik: Kaspar Kraemer Architekten

Ein Ensemble aus den drei Elementen

bildet den Entwurf von Van den Valentyn: Stahl-Glasdach, gläserner Kiosk und Freitreppe.

Grafik: Van den Valentyn

Entwurfsprägend ist das Stahldach, das den Eingang zum Südturm markiert.

Grafik: Van den Valentyn

Ansicht von Süden

Grafik: Van den Valentyn

Längsschnitt

Nach dem Konzept von Van den Valentyn sollen die Bäume am Roncalliplatz erhalten bleiben.

Grafik: Van den Valentyn

Eine Hülle aus Aluminium bildet das Erscheinungsbild des Beitrages aus dem Büro von Gatermann + Schossig.

Grafik: Gatermann + Schossig

Sudansicht

Grafik: Gatermann + Schossig

Ein rechteckiges Loch, in die Domplatte eingeschnitten, nimmt einen gläsernen Kubus auf. Hier sind alle Nutzungen untergebracht.

Grafik: Gatermann + Schossig

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