Was mit den Gerling-Bauten im Friesenviertel passieren wird, beschäftigt in Köln viele Gemüter.

Das konnte man auch anhand der übervollen Veranstaltung im Haus der Architektur sehen. Doch um die Zukunft des Friesenviertels sollte es an diesem Abend gar nicht gehen, wie Gastredner Dr. Ulrich Krings mehrfach betonte. Vielmehr stellte der Vortrag des langjährigen Kölner Stadtkonservators a.D. und die Fotoschau des Architekturfotografen Ogando eine Bestandsaufnahme dar. Während Krings den architektonischen Werdegang des Versicherungskonzerns nachzeichnete, machte Ogando dessen Bauqualität, repräsentative Wirkung sowie bisweilen den Charme der 50er Jahre erlebbar.

1920 erwarb Robert Gerling das von Hermann Pflaume 1880 errichtete Palais von Langen in der Von-Werth-Straße 14 als Firmensitz für sein 1904 gegründetes Versicherungsbüro. 1930/31 wurde von Bruno Paul ein Südflügel an das Palais angebaut. Ein pavillonartiger Vorbau vermittelt zwischen den verschiedenen Fluchtlinien. 1935 verstarb Robert Gerling und sein Sohn Hans übernahm die Geschäfte. 1936/37 entstand auf der Nordseite des Palais ein weiterer Flügel, mit dem Bruno Paul den Firmensitz in eine symmetrische Baugruppe überführen wollte. Doch er wurde von den Nationalsozialisten diffamiert und fortan tauchen für den nördlichen Erweiterungsbau nur noch die Architekten Weber und Satink namentlich auf.

Die Bauten der Nachkriegszeit

Kurt Groote war es, der – so die schlüssig präsentierte These von Dr. Ulrich Krings – nach Kriegsschäden die Grundmauern des von Langen’schen Palais für einen neuen Bau nutzte. Die Fassadengliederung entspricht dem Vorgängerbau, allein das Obergeschoss – jetzt als Attikageschoss mit doppelter Höhe und dekoriert mit den zwölf Tierkreiszeichen und der Sonne in der Mitte – zeigt die wuchtige Strenge und Monumentalität, wie sie für Banken aber durchaus auch für Staatsbauten des Dritten Reiches geläufig war.

Die Architekten Hentrich und Heuser bauten weitere Flügel Richtung Gereonshof, deren Verbindung zum Teil noch von Gründerzeitbauten unterbrochen wurde. Bereits 1949 stellten sie Überlegungen für einen Hochhausbau an, dem zweiten für Köln, nach Koerfers Hansahochhaus aus den 1920er Jahren.

Der Ursprungsentwurf, ein Kernbau mit einem filigranen Mantel und ebensolchen Kanten, erlebte mit dem zunehmenden Eingreifen von Hans Gerling eine „Verblockung und Verfestigung“, wie Krings es nannte. Gegen das 1953 vollendete Hochhaus hatten zuvor nicht nur die Denkmalpfleger, sondern auch Oberbürgermeister Schwering Bedenken geäußert. Mit geschönten „Sichtstudien“ war 1950 seine Verträglichkeit gegenüber St. Gereon getestet worden.

Arno Breker wird künstlerischer Berater

Kritische Stimmen gegenüber dem stetig wachsenden Gerling-Komplex wurden vermehrt seit 1958 laut, als die Platzanlage dem Hochhaus vis-à-vis und die Bebauung Gereonshof Süd eingeweiht wurden. Hatte Hans Gerling selbst maßgeblich den Hochhausbau bestimmt, so holte er sich im Folgenden Unterstützung bei Arno Breker, dessen Einfluss bei der Anlage der Ehrenhofs und vor allem in Punkto Dekor zum Tragen kam. Wandreliefs mit christlichen Motiven, Fahnenmasten mit Löwenköpfen aber auch die bronzenen Brunnenfiguren und sogar die Straßenleuchten gehen auf ihn zurück.

Am Klapperhof schließt sich ein offener Rundbau an. Er wurde 1966 von den Architekten Sobotka und Müller fertiggestellt. Auch der Hildeboldplatz wurde einbezogen. Hier liegt der Eingang zum Jahrhundertsaal, einem großzügigen Speisesaal für die Angestellten.

Komplett inventarisiert – Die geschützten Gerlingbauten

Die Gebäudelandschaft der 1950er bis 60er Jahre ist einheitlich mit hellen Muschelkalkfassaden gestaltet. Die Begrünung der Platzanlagen und die Leuchten tragen zum corporaten Eindruck bei. Der Erhaltungszustand des Ensembles ist – innen wie außen – ausgezeichnet.

Geschmack und Schönheit, so betonte Dr. Krings, spielten für den Denkmalschutz keine Rolle. Obwohl die Formensprache alles andere als „Mainstream“ sei, stehe der Zeugniswert dieser Bauten außer Frage. Der Gerling-Konzern verkörpert die konservative Architekturströmung des 20. Jahrhunderts, die weniger ästhetisch als quantitativ von Bedeutung sei. Es handelt sich um das größte Baudenkmal der Nachkriegszeit in Köln.

Doch die bauliche Struktur ist wenig flexibel, was eine neue Nutzung erschwert. Mit den Büroflächen gehören die Bauten zu dem veralteten Überangebot in Köln und auch Wohnnutzung ist nur in einigen Trakten möglich, wenn – was der Denkmalschutz vorsieht – nicht nur die Fassade erhalten bleiben soll. Denn „Denkmalschutz bezeichnet eine Art anwaltlichen Schutz für die betreffenden Bauten und der gilt mit Haut und Haar“, so formulierte es Dr. Krings.

Kölner Planungskultur und die Zukunft des Friesenviertels

Problematisch dürften vor allem die Bereiche werden, die auf den Bildern des Fotografen Ogando das Publikum entzückten: großzügige Wandelhallen, Repräsentationsräume, Treppenschwünge und eine völlig intakte Bar im Stil der 50er mit Blick auf den Garten, in dem Anlage und Baumbestand des Palais von Langen weiterbestehen. Die Fotos sind auf der Seite Ogando zu sehen.

Die Gebäude werden bereits geräumt und es laufen Verhandlungen mit potentiellen Investoren. Wer, was und wozu – an solche Prognosen wagte sich niemand. Darauf wurde mit einem kritischen Schlusswort aus dem Publikum geantwortet: „Wie immer handelt man in Köln in der faschen Reihenfolge. Erst wird möglichst schnell verkauft und danach überlegt man sich, welche Ziele man eigentlich verfolgt“.

Am 4. Oktober soll es in einer weiteren Veranstaltung im Haus der Architektur um die Zukunft der Versicherungsbauten gehen.

Petra Metzger

Gerling Von-Werth-Straße

In der Mitte liegt der Bau von Kurt Groote (1949/51). Der Fassadenaufriss folgt dem Palais von Langen, dem Vorgängerbau. Die beiden Flügel rechts und links stammen aus den 1930er Jahren. Mindestens der südliche Anbau wurde von Bruno Paul errichtet.

Gerling Hochhaus Eingang

Ebenso monumental wie repräsentativ – der Eingang zum Hochhaus am Gereonshof. Fertiggestellt 1953.

Gerling Ehrenhof

Die als Ehrenhof bezeichnete Platzanlage entstand unter Beteiligung Arno Brekers. Die Brunnenfiguren und das Relief mit dem Heiligen Martin wurden von ihm geschaffen.

Gerling Detail

Mit Liebe zum Detail: Deckenmosaik und Wandleuchten zieren einen der vielen Eingänge.

Gerling Hildeboldplatz

Material und Baustil prägen ein ganzes Stadtviertel. Ansicht vom Hildeboldplatz.

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2 Antworten auf “Die Gerling-Bauten im Friesenviertel”

  1. Markus

    Wozu braucht man Portierhauser? Oder eine Skybar?
    Sie sollen die Häuser doch so lassen wie sie sind.
    Die Stadt kann die Bauten ja überneehmen und mit dem Archiv da rein gehen! Und die Gebäude für die Öffentlichkeit zugänglich machen! So bleibt dann auch das schöne Stadtbild erhalten!

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  2. monika

    Schließe mich „Markus“ an.
    Diese Gebäude sind schön so wie sie sind, da sie nun mal einen Abschnitt Zeitgeschichte in der Architektur zeigen (so zumindest meine laienhafte Meinung).
    Stadarchiv wäre für mich auch eine tolle Option.

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