Wettbewerb für die Kölner DITIB-Zentralmoschee entschieden.

Die Jury tagte bis Mitternacht und nach „langer intensiver Diskussion“ stand der Gewinner fest. Mit einem knappen Ergebnis von 10:8 Stimmen konnte sich der Entwurf von Prof. Gottfried Böhm und seinem Sohn Paul, beides anerkannte Kirchenbaumeister, durchsetzen.

Mit einem begrenzt offenen, anonymen, zweiphasigen Realisierungswettbewerb suchte die Türkisch-Islamische Union (DITIB) einen geeigneten Entwurf im Spannungsfeld zwischen muslimischer Tradition und westlicher Architektur für den Neubau der Zentralmoschee an der Inneren Kanalstraße/Ecke Venloer Straße.

Die Jury, der unter anderen Max Bächer aus Darmstadt und Stefan Schmitz aus Köln angehörten, hatte 32 Entwürfe zu begutachten. Es wurden fünf erste Preise und zwei Anerkennungen vergeben.

  • 1. Preis: Paul Böhm und Prof. Gottfried Böhm, Köln
  • 2. Preis: Wallrath + Weinert Architekten, Köln
  • 3. Preis: lorber + paul architekten GbR, Köln
  • 4. Preis: Ertan Ergöcmen, JEP-Architekten, Düsseldorf
  • 5. Preis: Prof. Niklaus Fritschi, Benedikt Stahl, Günter Baum, Düsseldorf
  • Anerkennung: HE.LO ARCHITECTS, Köln
  • Anerkennung: Prof. Eun Young Yi, Köln

Moschee mit großer Geste aus dem Büro Böhm

Ohne modische Attitüden kommt der Entwurf des Büros Böhm aus. Zwei klar gegliederte Baukörper bilden einen rechteckigen Baukomplex und umfassen einen Erschließungshof. Entlang der Inneren Kanalstraße soll das Herzstück des Entwurfes, der Gebetsraum entstehen. Über einer zurückhaltenden Fassadengliederung erhebt sich eine symbolträchtige 27 Meter hohe Kuppel, unter der 1.250 Gläubige Platz finden sollen. Die Kuppel, die als durchbrochenes Volumen konzipiert ist, bildet auch im Erdgeschoss die raumbegrenzenden Elemente des Gebetsraumes, der, so das Preisgericht, „von hoher räumlicher Qualität ist“.

Die Riegelbebauung an der Fuchsstraße soll Büro- und Schulungsräume aufnehmen. Dazwischen öffnet sich ein Platz, der über eine Freitreppe zur Venloer Straße erschlossen wird, die neben der reinen Erschließung Offenheit und Raum zu Begegnung bietet und einen „unaufdringlich einladenden Zugang erzeugt.“ Die beiden im Auslobungstext geforderten 55 Meter hohen Minarette flankieren das Ensemble und tragen wohl nicht zuletzt dazu bei, dass der Entwurf zwar unverkennbar ein Kind der Moderne, jedoch auch ganz unverkennbar eine Moschee ist … und damit trifft der Beitrag wohl am besten die Vorstellungen der Bauherren.

Transformation des Themas, der zweite Preis des Kölner Büros Wallrath + Weinert Architekten

Mögliche zukünftige Tendenzen im Moscheenbau zeigt dagegen der Entwurf des zweiten Preisträgers, der ganz ohne Kuppel auskommt und dessen Minarette eher als ornamentale Zeichen, denn als Türme zu verstehen sind. Mit dem Hauptzugang an der Inneren Kanalstraße und einem Zugang an der Fuchsstraße wird eine spannungsvolle Raumfolge mit Aufweitungen und Einengungen inszeniert die auch einen innenliegenden Basarhof integriert. Das Preisgericht lobte die selbstverständliche städtebauliche Einfügung des Gebäudes. Zur Diskussionen trug wohl vor allem die Fassadengestaltung mit stilisierten arabischen Schriftzügen bei. Wobei gerade dieses Entwurfselement das im Auslobungstext geforderte Zeichen einer deutsch-türkischen Integration auf bestechende Weise transformiert.

Formal eigenständige Interpretation des Themas vom Büro Lorber + Paul

Mit homogener Hülle überbaut das Kölner Büro Lorber + Paul das Grundstück komplett und setzt sich mit dem zunächst sehr introvertiert erscheinenden Entwurf sehr selbstbewusst von der Umgebung ab. Auch hier finden Kuppel und Minarett Eingang in die Entwurfsidee, jedoch in konsequent zeitgenössischer Interpretation. Den rechteckigen Gebetsraum überspannt eine ovale Kuppel, die bis ins Erdgeschoss reicht und deren ornamentale Gestaltung den sakralen Raum überraschend transparent erscheinen lässt. Die Jury lobt die ausgesprochen klare innere Organisation des Beitrages und den „geschickt in die geschlossene Form eingearbeiteten“ großzügigen Eingangsbereich an der Venloer Straße.

Stadtreparatur

Insgesamt überrascht die Vielfalt und Qualität der 32 eingereichten Arbeiten. Auch wenn die Jury die Empfehlung zum Bau des ersten Preises gab, allein die DITIB wird nun entscheiden, welches Gebäude auf ihrem Grundstück entstehen wird. Letztes Steuerungselement der Stadt bleibt jedoch ein vorhabenbezogener Bebauungsplan, der im Anschluss an das Wettbewerbverfahren erstellt werden soll. Voraussetzung für das Gelingen des Vorhabens ist also auch die Unterstützung der Politik. Zu hoffen ist, dass diese Verantwortung auch wahrgenommen wird. Denn im heterogen gesichtslosen Umfeld der Inneren Kanalstraße kommt dem Neubau nicht nur eine kulturelle, sondern auch eine städtebauliche Bedeutung zu.

Bisher stehen die Vertreter der Parteien dem Vorhaben wohlwollend gegenüber. So nannte es Baudezernent Bernd Streitberger „ein Beitrag zur Stadt-Kultur“, dass der Bauherr überhaupt einen Architektenwettbewerb ausgelobt hat. Schon die Besetzung des Preisgerichtes zielte auf größtmögliches Einverständnis. Neben den Fachgutachtern gehörten dem Preisgericht auch Vertreter der Stadt Köln, der Ratsparteien und die Dombaumeisterin, der Vorsitzende des Integrationsrats und der Präsident der türkischen Architektenkammer an. So sollte gewährleistet werden, dass die Ergebnisse auf einer möglichst breiten konsensualen Basis stehen und von großen Teilen der Gesellschaft mitgetragen werden solle.

Barbara Schlei

Redaktion

Ausstellung

Vom 22.03. bis zum 06.04.2006 werden die fünf Preisträgerentwürfe im Haus der Architektur Köln ausgestellt.

Adresse:

Lintgasse 9

50667 Köln

Öffnungszeiten:

Mo – Do 14:00 bis 18:00 Uhr

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Paul Böhm und Prof. Gottfried Böhm, Köln Bild: Tchorz-Architekten

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Unverkennbar eine Moschee. Die 27 Meter hohe durchbrochene Kuppel krönt den Gebetsraum.

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Geglückte Transformation, der Entwurf des Kölner Büros Wallrath + Weinert Architekten.

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Stilisierte arabische Schriftzüge bestimmen das Bild entlang der Inneren Kanalstraße

moschee 2. Preis, Arbeit 1030 Versand (Image/Foto)

3. Preis: lorber + paul architekten GbR, Köln

Bild: Tchorz-Architekten

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Wie ein Mantel legt sich die goldglänzende Hülle um das Gebäude.

moschee DSC01570 (Image/Foto

Visualisierung des Gebetsrauminneren

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4. Preis: Ertan Ergöcmen, JEP-Architekten, Düsseldorf

Bild: Tchorz-Architekten

untitled

5. Preis: Prof. Niklaus Fritschi, Benedikt Stahl, Günter Baum, Düsseldorf

Bild: Tchorz-Architekten

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3 Antworten auf “Tradition gewinnt”

  1. Hassan Ingo Schmiede

    Das Bild “stilisierte arabische Schriftzeichen” ist leider auf dem Kopf eingestellt worden.

    MfG Dipl.Bw. Schmiede, bdvb
    Freier MA DiTiB e.V.

    Antworten
  2. barbara schlei

    Danke für den Hinweis, wir drehen es natürlich um.
    Barbara Schlei
    Redaktion

    Antworten
  3. Unbekannt

    Ich würde gern mehr Infos über den Entwurf von Böhm und Böhm sehen, um eine Vorstellung zu bekommen, wie die Moschee aussehen wird. Ich komme täglich an dem Gebäude vorbei und bin gespannt, wie es in Zukunft aussehen wird.
    M.Schleifer

    Antworten

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