Der Wettbewerb für die DITIB-Zentralmoschee läuft. Anfang Februar soll eine Entscheidung fallen.

“Eine der reizvollsten Bauaufgaben der letzten Jahre und eine der größten Herausforderungen für einen Architekten” sei der aktuell laufende Wettbewerb zum Bau der neuen Kölner DITIB-Zentralmoschee, meint einer der teilnehmenden Architekten. Tatsächlich ist das, was es da zu entwerfen gilt, etwas für Köln Neues, Einzigartiges und Außergewöhnliches – und gleichzeitig das Normalste von der Welt. Denn der Bauherr, die Türkisch-Islamische Union der Anstalt der Religion e.V. (DITIB) vertritt als Dachverband von knapp 900 angeschlossenen muslimischen Religionsvereinen mehr als 70% der in Deutschland lebenden Muslime und ist damit die mitgliederstärkste Migrantenorganisation in der Bundesrepublik. Da liegt es nahe, dass gerade in Köln, wo die DITIB 1984 gegründet wurde und seitdem ihren Sitz hat mit einer neuen Zentralmoschee samt integriertem Kulturzentrum ein selbstbewusstes und selbstverständliches – sprichwörtlich “in Stein gehauenes” – Zeichen gesetzt wird: Wir bleiben, also bauen wir auch. Das vorgesehene Grundstück an der Ecke Venloer/Innere Kanalstraße beherbergt seit Jahren eine Moschee, ein Kulturzentrum und die Zentralverwaltung der DITIB in Gebäuden, die allesamt in die Jahre gekommen sind. Das Grundstückt bietet sich als Ort für einen neuen Repräsentanz- und Funktionsbau geradezu an.

Wird importiert, adaptiert oder innoviert?

Man darf mit einigen gespannten Erwartungen auf die im Wettbewerb entstehenden und letztlich prämierten Ergebnisse schauen, werden sie doch einiges über den Stand der Entwicklung für den Moscheenbau und das Selbstverständnis der Muslime in Deutschland aussagen. Nach Omar Khalidi, der den Bau von Moscheen in den USA beobachtet hat (Import, Adapt, Innovate – Mosque Design in the United States, 2001, PDF, 2.5MB) lassen sich grundsätzlich drei Typen islamischer Gotteshäuser in der “Diaspora” unterscheiden, die Khalidi mit den Tätigkeiten des Importieren, Adaptieren und Innovierens umschreibt. Der erste Typ, die “importierte Moschee”, kennzeichnet einen Baustil, der – ganz der Tradition verpflichtet – eine “klassische” Moschee, wie sie 1:1 in einem beliebigen islamischen Land stehen könnte, historisierend in die westliche Hemisphäre verpflanzt. Der zweite Typ, die “adaptierte Moschee”, bemüht sich um die Neuinterpretation des traditionellen Baustils, manchmal verbunden mit ersten Elementen der modernen europäischen Architektur. Der dritte Typ, die “innovative Moschee” spart die Tradition mitnichten aus. Sie bezieht alle durch die Religion und das Genre geforderten Bedingungen mit ein, schafft aber in der bewussten Auseinandersetzung mit der baulichen und kulturellen Umgebung, der Berücksichtigung mit den gesellschaftlichen Gegebenheiten und durch das Einbringen eigener kreativer Gestaltungsideen etwas Neues und Einzigartiges.

Eine neue Generation – oder doch ein kölscher Kompromiss?

Man kann diese Typologiefolge auch als Phasenmodell verstehen, das sinnbildlich den normalen interkulturellen Integrationsprozess abbildet. So lassen sich damit durchaus Generationen von Moscheen oder anders: Moscheen von Generationen erkennen. Die “importierte Moschee” mit ihrem Zuckerguss-Minarett und der klassisch ausgestalteten Kuppel steht für eine Moschee der ersten Generation, gebaut von der ersten Generation der Einwanderer, die – wer soll’s ihnen verdenken – ein Stück ihrer Heimat in die neue fremde Heimat mitnehmend ihre Moscheen so bauen ließen, wie sie sie aus ihrer Erinnerung kannten. Eine Auseinandersetzung mit der sie umgebenden Umwelt fand dabei nicht statt. Anders bei den Moscheetypen der nächsten Generationen, der “adaptierten und innovierten” Moschee. Hier zeigen sich graduelle Loslösungen von den im Traditionellen verhafteten Bauvorstellungen und eine deutliche Öffnung des Blicks hin zur Gesellschaft, in der man selbstverständlich lebt.

Wo also, das ist vielleicht die Frage hinter dem Wettbewerb, wird die DITIB mit ihrer neuen Zentralmoschee landen? Welche Generation, welches “gebaute Denken” wird sich durchsetzen? Wie überzeugend und innovativ werden die Angebote und Konzepte der am Wettbewerb beteiligten Architekten sein? Sicher wird man sich einen historisierenden Bau nicht leisten können, was man auch explizit nicht will. Ganz nebenbei: Einen Architektenwettbewerb hätte man sich dann auch ganz sparen können. Dass in jüngster Zeit immer mehr innovative Entwürfe für Moscheen in Europa auf den Tisch kommen, zeigt, wohin die Reise gehen könnte: Mutige Konzepte sind machbar. Darauf deutet auch der gerade von sich Reden machende Entwurf des Architekten Ali Mangera für eine Großmoschee in London hin (Baunetz, 5.1.2006, Islamischer Garten).

Was wäre, wenn …

Was wäre wenn, mag man vielleicht vorsichtig fragen, Köln ein architektonisch ähnlich ambitioniertes Projekt erhielte? Oder müssen wir uns wieder auf einen kölsche Kompromiss einstellen? Zwei “Türmchen” sind in der Wettbewerbsauslobung jedenfalls schon einmal gefordert.

Sebastian Hebler, Redaktion

domtürme und minarett

Wo wird die DITIB mit ihrer Zentralmoschee landen? Anfang Februar werden Entwürfe von 33 Architekten zur Entscheidung vorliegen.

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Ihre Meinung zählt

7 Antworten auf “Wer baut, der bleibt.”

  1. Unbekannt

    Ist der Ort für eine Zentralmoschee wirklich gut? Irgendwann wird doch bestimmt das häßliche Zelt des Musical-Dom neben dem Hauptbahnhof verschwinden und einen ideales Grundstück frei geben

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  2. Unbekannt

    Der Bresslauer Platz soll frei bleiben.. Wenn dieses Kirmeszelt weg ist, sollte man dort ein paar Bäume pflanzen und da weder eine Moschee hinbauen noch sonstetwas!

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  3. Jens Bartsch

    Der Platz wäre für eine Moschee völlig falsch. Aus vielerlei Gründen würde sie nicht so groß wie der Dom und von dieser “Konkurrenz” stets niedergedrückt. Welches falsche Zeichen dies für die Integrationsbereitschaft der Residenzgesellschaft bedeutete ist wohl klar.

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  4. Jens Bartsch

    … ich meine natürlich den “Platz” hinter dem Hauptbahnhof :-)

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  5. holger danske

    …Trägerverein der meisten Moscheen in Deutschland ist die DITIB… …Die Organisation DITIB (Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e.V.) ist der deutsche Ableger des türkischen Präsidiums für Religionsangelegenheiten DIB… …Diese Behörde untersteht direkt dem türkischen Ministerpräsidenten Erdogan. Obwohl sich die Türkei offiziell als “laizistisch” definiert…
    qoelle:http://europenews.blogg.de/eintrag.php?id=28

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  6. Dipl.Bw. Hassan Ingo Schmiede, bdvb

    Die DiTiB hat aus freien Stücken einen Wettbewerb veranstaltet. Gerade um eine qualitativ hochwertige Architektur verwirklichen zu können. Sie wird das Gebäude auf seit 1985 eigenem Grund errichten, für das es im übrigen bisher schon Baurecht gab. Diese Politik der Offenheit soll sich auch im Stil des Gebäudes ausdrücken. Diskussionen um andere Bauplätze und Ängste über orientalische Disneyland-Architektur entbehren jeder Grundlage.
    Im übrigen ist unser Respekt vor den Zeugnissen anderer Religionen und der Architektur zu groß, um, selbst wenn uns ein Grundstück am Dom oder in Domnähe gehörte, dort eine Moschee zu errichten.

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  7. Luise Ernst

    Alles toll alles gut!

    Bitte alle kritischen Kommentare löschen wie gehabt!

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