Wettbewerb für das Hochwasser-Pumpwerk an der Schönhauserstraße entschieden

In der Regel sind technische Gebäude der städtischen Infrastruktur gestalterische Plumpheiten mit allenfalls wachsender Tristesse- und Einfallslosigkeit. Und doch gibt es – wie bei jeder Regel – Ausnahmen. Jüngstes Positiv-Beispiel ist der Wettbewerbsbeitrag des Kölner Büros Kaspar Kraemer Architekten für den Neubau eines Hochwasser-Pumpwerks, kurz HWPW genannt, in Bayenthal direkt am Kölner Rheinufer. Die Jury unter Vorsitz von Ernst Kasper, Aachen, wählte Kraemers Entwurf unter fünf eingereichten Arbeiten als Besten aus. Weitere eingeladene Teilnehmer, des von den Stadtentwässerungsbetriebnen ausgelobten Wettbewerbes, waren die Kölner Büros: bernd kniess architekten stadtplaner, Reinhard Angelis, ASTOC GmbH & Co.KG und gernot schulz architektur.

Konzeptionelle Idee des zur Realisation empfohlenen Entwurfes ist es, ein klar definiertes Verhältnis zweier unterschiedlicher Baukörper zu entwickeln. Die technische Infrastruktur zur Abwehr der Hochwassergefährdung soll harmonisch in die vorhandene Landschaft eingefügt werden, während das Betriebsgebäude als „signifikante Landmarke„ selbstbewusst Stellung bezieht.

Sensible wird der Landschaftsraum des Rheinufers durch eine fließende Geländemodulation eingebunden. Diese Modulation leitet sich zum einen aus der Terrassierung der Uferböschungen mit ihren differenzierten Neigungen und zum anderen aus der funktional notwendigen Rampenerschließung des Betriebsgebäudes ab. Zeichenhaft sichtbar ist somit nicht die eigentliche Technik, denn das tatsächliche Pumpwerk verschwindet unter einem Grashügel, der im oberen Bereich mit einer befahrbaren Grasdecke und seitlich, zum Rheinufer hin, mit Basaltstein verkleidet ist.

Auf dem Hügel, getrennt durch eine Lichtfuge thront das in seiner Grundfläche fast quadratische Betriebsgebäudes. Im Kontrast zum Tiefbauteil des HWPW ist seine Fassade allseitig mit einer hinterleuchteten Metall-Gitterrost-Konstruktion eingehaust. Die filigrane und dennoch robuste Verkleidung bietet einen sehr hohen passiven Schutz gegen Vandalismus. Gleichzeitig überspielt sie die zahlreichen und unregelmäßigen Öffnungen des Betriebsgebäudes und gibt ihm zusammen mit dem Lichtkonzept eine kristalline Hülle, die die klare geometrische Form fast wie ein Landartprojekt wirken lässt.

Das Lichtkonzept des Bauwerks bildet als weithin sichtbares Zeichen die Pegelstände des Rheins ab. Eine elektronische Steuerung vermittelt zwischen Normalwasser – weiß und Hochwasser – rot über die farblichen Abstufungen gelb und orange. So gelingt es den technischen Charakter des 200 Quadratmeter großen und vier Meter hohen markanten Objektes buchstäblich wegzufiltern.

Auslober des Wettbewerbs und kommender Bauherr sind die Stadtentwässerungsbetriebe der Stadt Köln, dessen Engagement erwähnt werden sollte, denn es ist keinesfalls selbstverständlich für ein Gebäude der technischen Infrastruktur einen Wettbewerb auszuschreiben und damit den Entwurf in die Kompetenz der Architekten zu legen – auch dies ein leuchtendes Beispiel.

Barbara Schlei
Redaktion

Rheinperspektivea

Die Freifläche vor dem Pumpwerk eignet sich ideal für einen neuen Fuß- und Radweg, der den Rheinauhafen im Norden mit dem südlichen Rheinufer verbindet.

Foto: Kaspar Kraemer Architekten

kraemer schnitt

Wie der Eisberg, den die Titanic rammte: dreiviertel des Gebäudevolumens sind nicht sichtbar.

Foto: Kaspar Kraemer Architekten

kraemer farbkonzept

Je röter der Kristall, desto höher der Pegelstand des Rheins.

Foto: Kaspar Kraemer Architekten

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3 Antworten auf “Leuchtendes Beispiel für den Wasserpegel”

  1. Thomas Kahlix

    Die Bürgerinitiative Hochwasser Köln-Rodenkirchen möchte nicht nur den Hochwasserschutz in dieser Stadt befördern, sondern auch zur Sensibilisierung der hier wohnenden Menschen beitragen. Es ist zwar wunderschön, das Leben am Rhein, aber es hat eben auch so seine Risiken. Und genau das wird gerne verdrängt.

    Deshalb hat das sich unübersehbar in Szene setzende Hochwasserpumpwerk nicht nur eine wichtige allgemeine Signalwirkung, sondern (zufällig?) auch eine sehr konkrete:

    In Sichtweite vom Pumpwerk soll das Gelände links der Schönhauser Straße neu bebaut werden. Dabei spielt die Tatsache, dass es sich hier um einen akut überschwemmungsgefährdeten Bereich handelt, im Denken und Planen der Stadt Köln bisher keine Rolle. Das alte Haus der deutschen Arbeitgeber aus der Frühzeit der Republik, das durchaus Ansätze einer hochwasserangepassten Bauweise vermuten lässt (kleine Grundfläche, ausladendes hochwasserfreies Obergeschoss), soll postmodernen, ebenerdig wuchernden Amöbenhausformen weichen, deren verwundbare Fassaden die Gefahr leugnen. Zwar schwärmt der amtliche Bebauungsplan-Enwurf: „…im nördlichen Teil werden zwei Gebäude errichtet, die unter Bezugnahme auf die unmittelbare Nähe zum Rhein über eine fließende Formensprache verfügen.“ – Na ja, wenn das mal nicht ins Auge geht! Jedenfalls ist damit sicher nicht die Aussicht gemeint, dass durchaus innerhalb Menschengedenkens diese Gebäude meterhoch von Rheinwogen umspült werden könnten.
    Ob sie auch wasserfest sind?
    Ob für den Extremfall vorgesorgt wird?

    In einer Stadt, die so hochwassergefährdet ist wie Köln, sind kreativere Lösungen gefragt als „Wir bauen so wie wir immer gebaut haben“ …

    Immerhin gibt’s jetzt das bunte Hochwasserbarometer direkt vor die Nase. Das macht sensibel. Vielleicht.
    Und wenn es rot erglüht, wird man sich an das Versäumte erinnern. Schmerzhaft.

    Thomas Kahlix http://www.hochwasser.de

    P.S. Rechts vom Pumpwerk (von der Wasserseite aus gesehen) ist bereits ein großes neues Bürogebäude im Bau. Es wird in eine Senke gesetzt und bei einem Hochwasser von Elbe-Dimensionen über zwei Meter hoch im Wasser stehen! Hat man das bedacht? Ist die technische Infrastruktur hochgelegt? Sind in den Untergeschossen die Einrichtungen schnell demontierbar? Wie steht es mit der statischen Auftriebssicherung?
    Oder werden Schäden in großer Höhe billigend in Kauf genommen?
    (Was die meisten Menschen nicht registriert haben: Der landesweit festgelegte Hochwasserschutz soll vor einem 200-jährlichen Ereignis bewahren. Nicht so in Köln: Hier sollen große Teile der bebauten Flächen nur gegen ein 100-jährliches Hochwasser geschützt werden. So auch das Gebiet am Gustav-Heinemann-Ufer. Bei Kölner Pegel 11,30 m ist hier also vieles zu Ende …)

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  2. thomas lenzen

    schade, dass mal wieder nur die “etablierten” geladen waren. mehr mut “junge” büros einzubinden würde dem image der stadt köln nicht entgegenstehen.

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