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15.10.2006
An Weihnachten reichen die Plätze kaum aus, festlich gekleidet drängen sich die Gemeindemitglieder auf den Kirchenbänken. Doch an "normalen" Sonntagen sitzen meist nur ein paar Personen in einem riesigen Raum, der Pastor hetzt von Kirche zu Kirche, von Gottesdienst zu Gottesdienst – und predigt in leeren Häusern.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden viele Kirchen gebaut, zu einem großen Teil mit höchsten architektonischen Ansprüchen. Doch die Bevölkerung wuchs nicht so stark, wie erwartet und viele Menschen wandten sich nach und nach von der Kirche ab.

Heute stehen die Kirchen vor einem Problem, sie haben zu viele und zu große Gebäude, die nur von wenigen Gemeindemitgliedern genutzt werden und aus immer geringer werdenden Kirchensteuereinnahmen nicht mehr finanziert werden können. Die Zahl der Pastoren nimmt ab, genauso wie die Zahl der haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter. Die Gemeindearbeit müsste konzentriert werden, die Zahl der Standorte reduziert. Doch was soll mit den leer stehenden Gebäuden passieren? Umnutzung? Abriss? Ein Problem das die Menschen emotional berührt, Denkmalpfleger wie Bauhistoriker aufschreckt und eine Debatte in Gang setzt, die einerseits auf der ideologischen, andererseits aber auch auf einer architektonischen Ebene geführt werden muss.

koelnarchitektur.de möchte einen Beitrag zu dieser Debatte leisten und hat ein Dossier zusammengestellt, das dieses schwierige Thema von allen Seiten beleuchtet.

Vera Lisakowski



Geordneter Rückzug
Leichtfertig geben die Kirchen ihre Gebäude nicht auf – sowohl die katholische als auch die evangelische Kirche haben Leitfäden entwickelt, wie mit leeren Gotteshäusern umgegangen werden soll.

Ungeliebt und abgerissen
Der Architekturhistoriker Wolfgang Pehnt spricht in der AFR-Reihe "Die Kirche im Dorf lassen" über Zukunftsperspektiven für Kirchengebäude.

Pferdestall, Schwimmbad & Co
Schon in der Vergangenheit gab es Kirchenumnutzungen, von der Hagia Sophia bis zum Kölner Dom wurde schon so manche Kirche zeitweise oder für immer anders genutzt. Ein kurzer Blick in die Geschichte.

Ein letztes Läuten
Die Kirche St. Ursula in Hürth-Kalscheuren wird profaniert


Beispiele

Umnutzungen und ihre Grenzen
Immer mehr Kirchengebäude werden für profane Zwecke genutzt, doch was den Kirchen lieb ist, ist architektonisch nicht immer umzusetzen.

St. Maximin in Trier
Leibesertüchtigung statt Gottesdienst – in der Kirche St. Maximin in Trier turnen die Kinder im Kirchenschiff.

St. Konrad in Marl
Eine Kirche für die Toten. St. Konrad wurde zur Urnenbegräbnisstätte umgenutzt.

Martinikirche in Bielefeld
Stilvoll speisen im Gotteshaus. In der Martinikirche wird heute Cappuccino serviert und Lounge-Musik gespielt.

St. Marien in Müncheberg
Das Schiff im Kirchenschiff. Die spektakuläre Inszenierung einer Bibliothek in St. Marien.


O-Töne

Abriss ist Mord
Maria Schwarz im Interview. Sie schildert ihre Ideen zur Umnutzung der Kirchen ihres Mannes im Ruhrbistum und spricht über ihre Gefühle beim Abriss von St. Raphael.

Shopping Mall statt Kirche
Der Architekt Gert Lorber erklärt, warum es heute nicht mehr zwingend eine Kirche als Identifikationspunkt geben muss und dass eine Moschee in der Kirche wohl nicht möglich ist.

Bibel, Luther und Bankvorstand
Wer steht wie zu Kirchengebäuden? Eine Zitatsammlung.



Linksammlung
Eine Zusammenstellung von Links zum Thema Kirchenumnutzung.
basketkirche

weiss klein

kirchen muenche schiff
Ein Holzschiff im Kirchenschiff - St. Marien in Müncheberg.
Foto: Ulrich Schwarz Architektur-Fotografie

kirchen maximin tor
[+] Die Kirche St. Maximin in Trier wurde zu einer Sporthalle umgebaut.
Foto: Vera Lisakowski

kirchen martini chor 1
Lounge im Chor der Martinikirche in Bielefeld.
Foto: Vera Lisakowski

 
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