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26.05.2008
Annemarie Mörl diplomierte 2007 an der FH Köln. Nun lebt und arbeitet sie in New York. A:JUGEND-Redakteurin Julia Burtscheidt sprach mit ihr.

Wie hast du deine Studienzeit in Köln empfunden? Hast du viel an Erfahrungen für deinen jetzigen Job mitnehmen können?

Da ich erst zum Studienbeginn nach Köln gezogen bin, gab es viel Neues für mich zu erkunden. Leider hält sich die freie Zeit neben dem Architekturstudium, wie wir alle wissen, in Grenzen. So kann ich nach fünf Jahren in Köln nicht behaupten, mich wirklich auszukennen. Im Studium an der FH Köln habe ich die Grundlagen der Architektur erlernt. Durch das Internationale Büro wurde mir die Möglichkeit geboten, sechs Monate an der Universidad de Las Palmas de Gran Canaria zu studieren und ein dreimonatiges Praktikum in Tokio wahrzunehmen.
Als Vertiefung habe ich die Baudenkmalpflege gewählt, welche hier sehr bewundert, allerdings selten bis nie angewendet wird. Neben dem grundlegenden Fachwissen und meinen Aulsandausfenthalten, hat mich vor allem das Arbeiten in zwei Kölner Büros voran gebracht.

Wie bist du nach New York gekommen? War das immer dein großer Traum?

Nach New York zu gehen war nicht unbedingt mein größter Traum. Die Idee war immer präsent, allerdings eher als ein Luftschloss. Konkrete Pläne gab es bis zum Herbst 2006, als ich das erste Mal New York besuchte, nicht. In den nächsten sechs Monaten schmiedete ich meine Pläne. Der Versuch kann nicht schaden, dachte ich mir, und so fing ich an, neben dem Diplomprojekt in großen Mengen „Testbewerbungen“ auszusenden. Diese stießen auf eine unglaubliche Resonanz. Zwei Tage nach der Diplomabgabe saß ich im Flieger nach New York. Dort verbrachte ich eine Woche Urlaub. Drei Tage waren verplant mit Vorstellungsgesprächen in 14 unterschiedlichen Büros in Manhatten. Rechtzeitig zur Diplomvergabe war ich wieder in Köln, den Koffer voll mit Jobangeboten.

Wie sieht jetzt dein Tag im Büro aus?

Von meinem Appartment auf der Lower East Side, dass ich mit einer Amerkanerin - sie ist Komödiantin - bewohne, laufe ich fünf Minuten nach Soho. Im dortigen, fünf Mann starken Büro kümmere ich mich um verschiedene Projekte. Das Bauen im Bestand und Interior Design spielt eine große Rolle, da das neu zu bebauende Land in Manhatten knapp ist. Dem Platzmangel und der Wirtschaft auf dem Abschwung zum Trotz boomt das Geschäft auch mit Neubauten. Das Loft meines Chefs ist mit dem Büro verbunden und da es auch hier an Platz fehlt, werden die Meetings ins Wohnzimmer verlagert. Der vierjährige Sohn des Chefs oder wahlweise auch der Haushund bieten Abwechslung im Büroalltag. Neben dem Architekturbüro ist mein Chef Mitbesitzer des bekannten Restaurants La Esquina. Im Büro gehen daher zusätzlich täglich die unterschiedlichsten Menschen ein und aus. Nach der Arbeit versuche ich viel zu unternehmen, besuche Vorlesungen wie beispielsweise die von Shigeru Ban, Zaha Hadid oder Herzog und de Meuron, Ausstellungen über Architektur oder gehe auf Konzerte von Bands, die einfach nie nach Köln kommen wollten.

Inwieweit unterscheidet sich das jetzige Arbeiten von dem wie du es in Deutschland gewohnt warst?

Mein Arbeiten hier schätze ich als viel eigenständiger ein. Ich habe meine eigenen kleinen Projekte, die ich manage und begleite. Leider befassen sich diese vorwiegend mit der Innenarchitektur und dem Möbeldesign- und bau. Definitiv schätze ich diesen Bereich als interessant ein und ich lerne dabei auch viel, allerdings sehne ich mich manchmal ein bisschen nach den guten alten Konstruktionsdetails.

Vermisst du etwas was du vorher als selbstverständlich angesehen hast?

Ich vermisse meine Familie und Freunde. Wenn man den ganzen Tag im Büro verbringt, macht man nunmal keine Bekanntschaften. Außerdem sind Amerikaner schon anders. Desweiteren sehne ich mich nach den Dönerläden in Köln-Kalk und dem jungen Gouda aus dem Aldi.

Wie stellst du Dir deine Zukunft vor?

Meine Arbeitserlaubnis ist noch ein Jahr gültig, dann werde ich wieder nach Deutschland zurückkommen. Gerne würde ich in einem größeren Büro unterkommen, wo ich hier Erlerntes anwenden, sowie Neues dazu lernen kann. Einen weiteren Auslandaufenthalt kann ich nicht ausschließen, da es noch immer so viele Orte und Kulturen gibt, die mich interessieren. Generell hoffe ich, irgendwann genug Erfahrung gesammelt zu haben, so dass ich meine eigenen Projekte verwirklichen kann.

Würdest du denselben Schritt wieder gehen, wenn du Dir vorstellst, die Zeit noch mal zurück drehen zu können?

Ich bereue meine Entscheidung nicht, hier her gekommen zu sein. Auch wenn ich viel zurückstecken muss - für mein 5,75 Quadratmeter großes Zimmer zahle ich die Hälfte meines Einkommens - ist es diese Erfahrung wert. Nicht nur lerne ich diese unbeschreibliche Stadt und ihre Kultur kennen, sondern auch einen für mich ganz neuen riesigen Kontinent. Über das Wochenende fliegt man nach Chicago oder Boston, um sich Weltarchitktur anzusehen oder nach Florida, um sich an den Strand in die Sonne zu legen.

Was gibst du den neuen Absolventen mit auf den Weg?

Gerade kurz nach dem Diplom ist man noch flexibel und abenteuerlustig. Das sollte man nutzen. Denjenigen, die interessiert sind, ins Ausland zu gehen, möchte ich daher empfehlen, es gleich zu tun und nicht später. Außerdem sollte man sich nicht unterschätzen. Mit etwas Anstrengung und Ausdauer schafft man es Überall hin.

Julia Burtscheidt


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Kommentare
Re: Annemarie Mörl
ich sitz grade in aachen und vermisse jetzt schon den kalker nimet grill - von new york aus betrachtet muss die sehnsucht grenzenlos sein...
Ein Kommentar von Unbekannt (26.05.2008)
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