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Shoppen am Leuchtturm? | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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07.01.2011 Auf dem Heliosgelände in Ehrenfeld soll ein Einkaufszentrum entstehen. Gegen diese Investorenpläne wehrt sich eine Bürgerinitiative. Bürgerprotest ist wieder in, auch in Köln. Ausnahmsweise wird aber mal rechtzeitig protestiert, also bevor geplant, abgerissen oder gar gebaut wurde. Es geht um das Heliosgelände in Ehrenfeld, ein ehemaliges Industriegelände zwischen Ehrenfeldgürtel, Heliosstraße, Vogelsanger und Venloer Straße, das inzwischen schon überhöht als "Herz Ehrenfelds" bezeichnet wird und auf dem ein Einkaufszentrum entstehen soll. Hier steht das "Wahrzeichen" von Ehrenfeld, der denkmalgeschützte Leuchtturm. Die Rheinlandhalle, Heimat von zwei Möbelhäusern, einem Fahrradladen und einem Fitnesscenter ist ebenfalls denkmalgeschützt. Der Versuch, die ehemalige Fabrikhalle des italienischen Supermarktes unter Denkmalschutz zu stellen, scheiterte. Es sind aber weniger die schutzwürdigen Gebäude, für die gekämpft wird, als die Szene, die sich hier angesiedelt hat: Allen voran der Club "Underground", aber auch Ateliers, kleine Werkstätten und der Sitz des Orchesters "Concerto Köln", das hier gerne ein Zentrum für Alte Musik einrichten würde. Historisches Industriegelände 1882 wurde die Helios AG für elektrisches Licht und Telegraphenanlagenbau im damals noch selbständigen Ehrenfeld gegründet. Das Unternehmen trug maßgeblich zur Elektrifizierung in Europa bei, trotzdem währte die Firmengeschichte nicht lange. Aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten wurde die Helios AG von der Berliner Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft (AEG) übernommen und ab 1905 liquidiert. Geblieben ist – neben Produktionshallen und dem heute als Ärztehaus genutzten Verwaltungsgebäude "Helioshaus" – der 44 Meter hohe Leuchtturm, der, entgegen anderslautender Gerüchte, nichts mit der Rheinschifffahrt zu tun hat. Er wurde für Versuche und Demonstrationen verwendet und erinnert nach einer Rekonstruktion 1996 noch heute an die untergegangene Industrie. In der an den Leuchtturm anschließenden Rheinlandhalle wurden ab 1911 Motoren gebaut, später dann Sechstagerennen und Boxkämpfe durchgeführt. Diesem Vergnügen machten die Nationalsozialisten mit Neuregelungen ein Ende – und nutzten die Halle selbst für Propagandaveranstaltungen. Im Krieg wurde sie stark zerstört, wieder aufgebaut und in ihr wurde 1957 der erste Supermarkt Kölns eingerichtet. Investorenpläne Das gesamte Gelände um Leuchtturm und Rheinlandhalle gehört seit 2008 einer Grundstücksgesellschaft der Bauwens-Gruppe und der Mfi Management für Immobilien AG. Gerade letztere erregt Misstrauen bei Stadt und Bürgern, denn sie betreibt die Kalker Köln Arcaden, die am Ende größer wurden, als eigentlich geplant und der Kalker Hauptstraße Kaufkraft abziehen. Ein Einkaufszentrum soll auch auf dem Heliosgelände entstehen, kombiniert mit Wohnungen und Büros. Potenzialanalyse 2009 hatte die Stadt eine Potenzialanalyse in Auftrag gegeben, die detailliert auf den Bestand in der Venloer Straße eingeht. Insgesamt wird dem Areal ein eher niedriges Qualitätsniveau attestiert, ausbaufähig sind vor allem der mittel- und langfristige Bedarfsbereich. Es werden maximal 17.000 Quadratmeter zusätzliche Verkaufsfläche empfohlen, besonders für Bekleidung, Elektrowaren und Spielwaren. Diese sollte als offenes Einkaufszentrum realisiert werden, in einer ansprechenden städtebaulichen Gestaltung. Über die bislang existierenden Pläne für die "Helios-Höfe" ist bislang nur bekannt, dass der Einkaufsbereich komplett überdacht, aber mit acht offenen Zugängen ausgestattet werden soll. Mindestens 20.000 Quadratmeter Einzelhandelsfläche plant der Investor dort, möglicherweise mit einer Markthalle, auf jeden Fall aber mit hochwertiger Kleidung und die Grundversorgung, wie zum Beispiel eine Buchhandlung oder ein Drogeriemarkt, darf auch nicht fehlen. Ganz sicher aber müssten mit einem Einkaufszentrum auch Bewohner anderer Stadtteile angesprochen werden, da der Einzugsbereich des bisherigen Stadtteilzentrums kaum über Ehrenfeld hinausreicht. Das aber würde rund um das Gelände ein noch größeres Verkehrsproblem schaffen - schon jetzt sind die Straßen oft überlastet. Bürgerinitiative Gegen die Pläne für die "Helios-Höfe" hat sich im Mai 2010 die Bürgerinitiative „Helios“ gegründet, die mit E-Mails an den Oberbürgermeister und öffentlichen Veranstaltungen für Aufmerksamkeit gesorgt. In ihren Zielen formuliert die Bürgerinitiative unter anderem den Erhalt der Subkultur und die Schaffung neuer Flächen für Kultur und Soziales, bezahlbaren Wohnraum, ein umweltverträgliches Verkehrskonzept, Grünflächen und eine öffentliche Durchwegung. Vehement stellen sich die Mitglieder gegen eine Shopping-Mall, auch unterstützt von der Interessengemeinschaft Ehrenfelder Geschäftsleute, die maximal 4.000 Quadratmeter Einzelhandelsfläche fordern. Einen Hauptpunkt ihrer Forderungen hat die Bürgerinitiative bereits erreicht: Bürgerbeteiligung. Der Stadtentwicklungsausschuss hat beschlossen, ein extern moderiertes Bürgerbeteiligungsverfahren durchzuführen. Damit bietet sich die Chance, für die doch recht gammelige Industriebrache eine Planung zu entwickeln, die eine Aufwertung für das Viertel bringt – und vielleicht sogar allen Ansprüchen gerecht wird. Für den Wunsch der Bürgerinitiative nach einem Bürgerpark aber kommt der Protest dann doch zu spät – einem Investor zu verbieten, das zu bauen, wofür er das Gelände gekauft hat, ist wohl eher illusorisch. Vera Lisakowski Am 24. Januar 2011 um 19.30 Uhr diskutiert das Montagsgespräch des BDA Köln im Domforum die aktuellen Planungen für das Helios-Gelände. Website der Bürgerinitiative Helios |
![]() [+] Gebäude an der Ecke Heliosstraße/Vogelsanger Straße. Im Hintergrund der Leuchtturm. Fotograf: Vera Lisakowski ![]() [+] Das ehemalige Verwaltungsgebäude der Helios AG wird heute als Ärztehaus genutzt. Fotograf: Vera Lisakowski ![]() [+] Die an den Leuchtturm anschließende Rheinlandhalle beherbergt zwei Möbelhäuser, einen Fahrradladen und ein Fitnesscenter. Fotograf: Vera Lisakowski ![]() [+] Der Club "Underground" an der Vogelsanger Straße. Fotograf: Vera Lisakowski ![]() [+] Seit Jahren Brache, die Fläche an der Ecke Vogelsanger Straße/Ehrenfeldgürtel. Fotograf: Vera Lisakowski ![]() [+] Der Leuchtturm an der Heliosstraße. Fotograf: Vera Lisakowski |
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