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Ende Januar hatten Studierende der FH Köln, Fakultät für Architektur die Möglichkeit an einer Tagesexkursion nach Maastricht/Niederlanden mit Prof. Dipl. Ing. Carola Wiese, Prof. Dipl. Ing. Hannes Hermanns und Dipl. Ing. Horst Kuretitsch unter der Leitung von dem Stadtsoziologen Hans Hoorn teilzunehmen.

News:
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Die A:Jugend fragt, wie sich Architekturstudierende außerhalb der Lehre an der Hochschule mit Architektur beschäftigen. Stephanie Ludwig berichtet über ihre Studienreise nach Finnland.weiter...

  Aus einem Gewinner werden zwei oder wie Mut belohnt wird
Dipl. Ing. Veronika Howe, ehemalige Studentin an der Kölner Architekturfakultät, belegt bei ihrem ersten Wettbewerb den zweiten Platz.weiter...


Maastricht

Die niederländische Stadt Maastricht liegt im Südosten des Landes zwischen Deutschland und Belgien. Sie ist die älteste Stadt der Niederlande und wird von circa zweitausend Denkmälern geprägt. 122.000 Einwohner dürfen sich jährlich über 14 Millionen Besucher freuen. Ein weiteres Merkmal ist der namengebende Fluss Maas, der die Stadt in zwei Hälften teilt.

Umgestaltung von Kirchen

Einer der Höhepunkte Maastrichts ist eine Vielzahl an umgestalteten Kirchen. So wurde aus scheinbar überflüssigen Gotteshäusern eine Buchhandlung, ein Hotel oder das Stadtarchiv. Eine bewusste Auswahl an Nutzungen mit kulturellem Aspekt, was nicht zuletzt auf dem holländischen Respekt vor der Schönheit und der Handwerklichkeit des Altertums beruht.
Die Kirchenräume wurden in ihrer äußeren Form beibehalten, lediglich die Innenräume wurden durch mobile, architektonische Gesten verändert. In der Buchhandlung beispielsweise befindet sich ein begehbares Regalsystem, dass es dem Besucher ermöglicht, die in einer Kirche übliche Froschperspektive zu verlassen und einmal von oben den Blick durch den Raum schweifen zu lassen. In einer anderen Kirche mit Klosteranlage entstand das Kruisherenhotel, in dessen ehemaligen Chorraum sich ein Loungebereich mit Bar entfaltet und zu gemütlichen Stunden einlädt. Das heutige Stadtarchiv wurde ebenfalls in eine alte Kirche integriert, wodurch es möglich wird, interessante Vorträge in einem noch interessanteren ausgebauten Kirchkeller zu erfahren. Eine faszinierende, jedoch auch oft schwierige Aufgabe, Funktionen eines Gebäudes zu verändern, wurde hier mit Bravour gemeistert.

Architektonisches Ansehen

Eines wird dem Besucher in den Niederlanden mehr als deutlich: Das Verständnis für die Kunst der Architektur. Damit ist nicht nur der Entwurf an sich gemeint, sondern viel mehr der Umgang mit Architektur selbst. Ein Beispiel hierfür ist der Gestaltungsbeirat von dem jedes noch so kleine Gebäude abgesegnet werden muss. Der Stadt- soziologe Hans Hoorn ist Mitglied in diesem Beirat und erläuterte, dass gut die Hälfte an Anträgen abgelehnt werde, weil die Qualität zu niedrig sei. Es ist fraglich, ob wir Deutschen uns nicht auch lieber auf solch einen Beirat berufen sollten, statt Bürgerentscheide wie bei dem Katschhofstreit in Aachen hervorzurufen. Der Ansatz mit Bürgern zu diskutieren und ihnen zu erläutern, worum es eigentlich geht, um auf eine größere Akzeptanz zu stoßen, ist mit Sicherheit richtig. Das wirkliche Problem hier zu Lande ist wohl eher, dass Architektur bei weitem nicht das gleiche Ansehen bzw. die gleiche Anerkennung genießt, wie in den Niederlanden oder auch in der Schweiz. Denn dort wird bis heute nicht nur ein Arzt mit „Guten Tag Herr Doktor“ sondern auch ein Baumeister mit „Guten Tag Herr Architekt“ gegrüßt, wie Professor Dipl. Ing. Hannes Hermanns sich so manches Mal empörte.


„Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“, hat Erich Kästner einmal gesagt. Sind nicht auch wir Deutschen aufgefordert, mehr Eigenverantwortung zu zeigen? Für Visionen einmal Kopf und Kragen zu riskieren?
Es bleibt die Hoffnung, dass auch wir uns irgendwann einmal als ein Land beschreiben können, was über eine große Bandbreite von architektonischem Ansehen verfügt.


Franziska Tokarski
A_Jugend Maastricht brücke
[+] Die Maas

A_Jugend Maastricht Buchhandlung
[+] Der Umbau zur Buchhandlung eröffnet dem Besucher eine neue Perspektive

A_Jugend Maastricht Buchhandlung Cafe
[+] Die anmutsvolle Umgestaltung einer Kirche

A_Jugend Maastricht Kruisherenhotel
[+] Das Kruisherenhotel

A_Jugend Maastricht Stadtarchiv
[+] Umnutzung zum Stadtarchiv

Fotografien: Franziska Tokarski


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Kommentare
Re: Faszination Holland
auch wenn ich die Begeisterung von Architekturstudenten für solche „Umgestaltungen“ nachvollziehen kann, verbleibt bei mir nach dem Besuch – insbesondere die Buchhandlung mitsamt Cafeteria im Chor - ein fader Nachgeschmack unserer Konsumgesellschaft.
Ein Kommentar von Hans Peter Müller (07.12.2008)
Re: Faszination Holland
Schwärmt die Autorin hier in ihrem Beitrag noch von der „anmutsvolle Umgestaltung“ und vom „holländischen Respekt vor der Schönheit und der Handwerklichkeit des Altertums“, so fühle ich mich mit meinen Bedenken vollends bestätigt:
Ein Kommentar von Hans Peter Müller (07.12.2008)
Re: Faszination Holland
die kleinen Bilder im Chor wurden mittlerweile durch großformatige Bilder kindlicher Engels- und Teufelsgesichter ersetzt; Kitsch in allerhöchster Perfektion, welcher wahrlich vom derzeitigen holländischen Respekt gegenüber Kirchenbauten zeugt.
Ein Kommentar von Hans Peter Müller (07.12.2008)
Re: Faszination Holland
Das Kreuz als Kaffeetisch kann wohl nur diejenigen begeistern, die seinen symbolischen Wert nicht kennen oder nicht erkennen wollen.
Ein Kommentar von Hans Peter Müller (07.12.2008)
Re: Faszination Holland
Die wenigsten Kunden der Buchhandlung schauen nach oben, es ist einfach anstrengend den Kopf zu heben, kaum einer geht in die oberste Ebene, welche juristische und volkswirtschaftliche Literatur enthält, um sich die Deckenfresken anzusehen.
Ein Kommentar von Hans Peter Müller (07.12.2008)
Re: Faszination Holland
Selbst ein Aufzug vermag die Trägheit der Übersättigten nicht zu lindern. Diese Kirche wurde zwar durch ihre jetzige Funktion wahrscheinlich vom weiteren Verfall gerettet.
Ein Kommentar von Hans Peter Müller (07.12.2008)
Re: Faszination Holland
Letztlich ist sie allerdings nicht weniger als ein wunderbarers Zeugnis für den stetigen Verfall einer Gesellschaft, die Geld für alles zu haben scheint, nur nicht für ihre eigene kulturelle Identität.
Ein Kommentar von Hans Peter Müller (07.12.2008)
Re: Faszination Holland
Wenn das die Zukunftsperspektive auch für unser Land sein soll, von welcher die Autorin wiederrum begeistert schwärmt, dann kann man nur abschließend feststellen:
Ein Kommentar von Hans Peter Müller (07.12.2008)
Re: Faszination Holland
es hat einen guten Grund, warum uns oftmals die Begrüßung „Guten Tag Herr Architekt“ nur schwer über die Lippen kommt und wir weniger „fachkundige“ Beiräte und mehr Bürgerentscheide brauchen.
Ein Kommentar von Hans Peter Müller (07.12.2008)
Und was ist Ihre Meinung?
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