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Noch 384.298 Kilometer bis zum Mond
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Das Hansa-Hochhaus am Hansaring

Wie schön es wohl einmal wäre, monologisierte der Sucher den Finder betrachtend, nur einmal etwas zu finden, nachdem man suche. Bemerkenswert wäre dies, doch wenn ihm das gelänge, wäre er wohl sofort seinen Job los. Als Hobby erlaube er sich dennoch im Stillen ab und an das Ein oder Andere zu finden. Keine Türme natürlich; kleine Dinge, eine Nadel, einen Knopf oder den Weg zum Bahnhof. Als Sucher wisse er besser als jeder andere, was kein Turm sei. In einem solchen Moment pflege er dann zu sagen: "Das ist kein Turm. Das ist eine Leiter", oder ein Berg oder ein Baum oder ein Hundehaufen. Stünde er aber vor einem Turm, wisse er nur, dass es all diese Dinge nicht seien. Kein Haufen, kein Baum, kein Berg, keine Leiter. Der Turm sei das Ding, das er nicht erkenne. Nie würde er aus Versehen in eine Rakete steigen oder im Glauben, nun die beim Turmbau beliebte Aussichtsplattform zu betreten, von der Leiter zu stürzen, wie es einmal dem Alten im Suff passiert sei. Still nickte hierzu der Finder, der nichts lieber täte als Suchen.

Sie standen vor einem interessanten Fall, der schon lange gelöst war, vor dem sie sich, wenn es ihr enger Zeitplan zuließ, regelmäßig in der Mittagspause trafen, denn über diesen Turm, konnte man vortrefflich disputieren. Hierin war man sich einig: Die Oberkante des Turmes lag bekanntlich im Durchschnitt 384.298 Kilometer vom Mond entfernt, davon ausgehend, dass die Stadt 50 Meter über dem Meeresspiegel lag, verstand sich, wobei unklar blieb, ob des Trabanten Mittelpunkt, dessen Vorder- oder gar die Rückseite einst zur Messung herangezogen worden war, da keiner der beiden bis dato selber nachgemessen hatte. Während dem Sucher diese Feinheiten als bedeutsam erschienen, wurden sie vom Finder bevorzugt als Erbsenzählerei abgetan, ganz zu schweigen von den Abweichungen die sich in Anbetracht der verbreiteten Annahme ergäben, dass der nach dem Turm benannte Planet ungefähr um das 3000-fache des Abstandes des Mondes von der Erde von dieser entfernt läge. Und das mit dem Meeresspiegel sei auch so eine Sache. Welcher eigentlich, und wann? Vermutlich, wenn das gewählte Meer gerade glatt sei, was es sowieso nie wäre, weil es überhaupt immer und ständig von besagtem Mond entweder ausgebeult oder eingedellt werden würde.



[?] 360 Grad Panorama vom Hansa-Hochhaus

Man betrachtete weiter und war sich einig: Die vom Mond aus gesehen untere Seite des Turmes schloss bündig mit dem Straßenbelag ab. Doch dieser Eindruck war trügerisch. Vielmehr musste sich das Gebäude seinerzeit mit ungeheurer Wucht in die Oberfläche des Hansaringes gebohrt haben, denn wie sonst könnten die im inneren verlaufenden Treppen in die Tiefe und zu weiteren Ebenen führen? Es ist also anzunehmen, dass es einst aus großer Höhe herunterstürzte, was bei den abergläubischen Menschen der alten Zeit den Eindruck vermittelte hatte, es sei von einem sehr weit entferntem Planeten abgefallen. Jemand, wahrscheinlich ein Gelehrter, deutete damals sicherlich an eine Stelle des Himmels, von dem ausgehend er glaubte, den Sturz beobachtet zu haben. Dieser ferne Punkt wurde daher von den Spätgeborenen als Saturn bezeichnet, die Jüngsten aber verfielen in dem Irrglauben, dass der Turm nach dem Planeten benannt sei.

Wahr hingegen ist, dass ein solch gewaltiger Backstein und Betonhaufen nie einem Sturz aus solcher Höhe standgehalten hätte. Und daher konnte als erwiesen betrachtet werden, dass er vom Mond stamme, und zwar aus der Zeit als dieser bewohnt war. Lange hat die Wissenschaft gerätselt, warum nun ausgerechnet auf der Turmoberseite, die ja nun vormals die Turmunterseite gewesen sein musste, der neongetränkte Schriftzug zu lesen stand, und noch dazu - aus der Sicht der Erbauer betrachtet - verkehrt herum. Die Antwort ist einfach. Das Gebäude fiel ab von der unteren Rückseite des Trabanten, die ja bekanntlich immer im Dunklen liegt, und auf dem Kopf steht. Wie allerdings der Turm sich löste und auf Köln stürzen konnte, ist ein Rätsel, über das vortrefflich zu disputieren war.

Jens Christian Brand
Aufschreiber
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Eine sechsminütige Paternosterfahrt

360 tuerme titel new
Ein Finder und ein Sucher machen sich auf den Weg zu sieben Kölner Türmen. Neben den eigentlichen Orten suchen und finden sie Spuren des Absurden und entwerfen ganz nebenbei ein sehr persönliches Stadtbild.

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Hansa-Hochhaus
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Jahn-Turm
Flughafentower
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