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Unterhalb der Sohle | ||||||
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Das Kölner Haifischbecken im Filmhaus in der Maybachstrasse Das Kölner Haifischbecken befindet sich nicht etwa im Zoo, sondern in der Maybachstraße unter dem Filmhaus. Der überwiegende Teil des Kellergeschosses dieser respektablen Selbstorganisation der Kölner Filmszene dient als Lager- und Technikbereich, dessen Kammern sich entlang eines langen Flurs aufreihen. Unvermittelt endet der Gang vor einer schweren Stahltür, hinter der sich ein Zugang zu einem kultischen Ort verbirgt. ![]() [+] Wer durch die nächste Kellertür tritt, würde zwei Meter in die Tiefe stürzen, wäre da nicht eine Stahlbrücke, die über das Becken hinweg zum hintersten Kellerraum führt, aber auch zu einer Eisentreppe, über die man zu den fiktiven Haifischen hinabsteigt. Im Becken vermitteln rohe, teilweise gekalkte Ziegelwände, funktionelle Eisenkonstruktionen und ein alufolienumwickeltes Rohrgeflecht an der Decke ein altindustrielles Flair. Vier hoch gelegene Fenster mit bogenförmiger Oberkante würden sogar Tageslicht in den Keller lassen, wären sie nicht von innen verkleidet. Einstmals – das mag gemäß der Baugeschichte bis zu hundert Jahre her sein – ermöglichten sie die Befüllung des Raums mit einem Kohlevorrat. Geräteinstallationen, ein Monitor und eine großformatige Projektionsfläche an den Wänden, lassen erahnen, dass der Raum gegenwärtig anderen Zwecken dient. Etwa, wenn das Kurzfilmfestival Shortcuts auch diesen Teil des Filmhauses bespielt: Zu virtuellem Leben kam das Haifischbecken als der niederländische Künstler und Filmemacher Gerard Holthuis mit vier Beamern Filme auf zwei Wände warf. "Careless Reef" zeigte die Unterwasserwelt des Roten Meeres, multimedial mit Geräuschen aus der Tiefe und passender Musik ergänzt. Das etwa einstündige Material war zum "loop" gewunden und vergegenwärtigte eine permanente Gegenwelt. So tauchten die Shortcuts-Besucher im Keller der Maybachstraße ins Rote Meer hinab, und es waren wohl nicht wenige, die auf die Rückkehr an die Oberfläche gern verzichtet hätten. Am Ende der Brücke führt jene weitere Tür in den südlichsten Keller. Mit einer Höhe von vier Metern ist er gut halb so hoch wie das Haifischbecken - auf fünffacher Grundfläche. Ein Teil der Bodenfläche ist zudem höhergelegen. Unter ihr erstrecken sich Ausläufer der Saturn-Tiefgarage. Der anthrazit gestrichene Betonboden, die gekalkten Wände und das Fehlen jeglicher Fenster machen überdeutlich, dass es sich tatsächlich um einen Keller handelt. Dass dieser gleichwohl ein häufig genutzter Raum für Party- und Tanzveranstaltungen ist, zeigen deckenfixierte Scheinwerfer, Lautsprecherboxen und eine Discokugel sowie die auf einem Tisch montierte DJ-Anlage. Eine provisorische lange Theke, Getränkeschränke, Kühltruhe und -schrank warten auf die Vorräte für die leibliche Versorgung. Ein Feuerlöscher steht dem wenigen brennbaren Material misstrauisch gegenüber. Sollte dieser einmal versagen, lädt eine eigene Außentür zur raschen Flucht ein. Für eine regelmäßige Nutzung der Keller als Veranstaltungsbereich bedarf es weiterer Umbauten. Der Architekt Bruno Marciniak entwickelte hierzu Pläne, deren Realisierung etwa 400.000 Euro verschlingen wird. Der entsprechende Umnutzungsantrag an das Land, der über die Stadtverwaltung gestellt werden muss, hängt seit so langer Zeit in den bürokratischen Schlingen des Mittlers, dass der Filmhaus e. V. mittlerweile prüfen muss, ob er den erforderlichen Eigenanteil überhaupt noch aufbringen kann. Shortcuts und das Feminale-Festival haben von der dichten Atmosphäre der Räume profitiert, die eine geschickte Ausleuchtung noch besonders zur Geltung brachte, und den Wunsch nach mehr geweckt. Ob die dauerhafte und professionelle Integration des Haifischbeckens ins Kölner Kulturleben gelingen wird, ist so schwer ersehbar wie die Tiefe des Roten Meeres. Robert v. Zahn Musikwissenschaftler, Köln ![]() [+] Installateurskunst |
![]() ![]() Der Kölner Untergrund ist voll von feinen Bunkern, Haifischbecken, Sagopagen und Versorgungsschächten. Keller sind bergende und schützende Räume, konservieren Geschichte und Geschichten und bestimmen einen großen Teil des Mikroorganismus einer Großstadt. Universitätsbibliothek Domschatzkammer Filmhaus St. Severin Tiefgarage Fernwärmetunnel Wasserspeicher Luftschutzkeller ![]() [+] Kellerfluchten im Lager- und Technikbereich ![]() [+] ![]() [+] Brücke über... ![]() [+] ...und Abgang ins Haifischbecken. Klinkerwände und abblätternder Kalkputz vermitteln Industriearchitekturatmosphäre. ![]() [+] Blick in den Veranstaltungsraum. Rechts die obere und seitliche Begrenzung der Saturnparkgarage. |
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