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Stadtverwandler | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Das Penthouse im 41. Stock des Unicenters Klein kommt man sich vor und durchgefroren nicht nur der Kälte wegen angesichts dieses Kolosses. Zu abweisend, zu anonym stapeln sich die unzähligen Geschosse aufwärts, um Liebhaber in Scharen anzuziehen. Die zugige Kreuzung entlässt in ein Foyer, das einem Parkhaus zur Ehre gereichen würde. Und umsteigen muss man beim Hinauffahren, als sei´s die KVB: Im 38. Stock, einem Technikgeschoss mit tiefhängenden Rohren unter der Decke, geht’s einige Meter nach links, bevor der Anschlusslift die letzten drei Etagen überwindet. Doch dann geschieht Wundersames. Ein letzter kurioser Hüpfer des langen Flurs drei Stufen aufwärts und wieder hinab über irgendein verdecktes Hindernis, eine hohe Buchentür öffnet sich in helle Kargheit – dann stockt der Atem: Ein stilles Meer von Lichtern breitet sich aus in kristallklarer Nacht, ein Blinken und Glimmen zwischen dunklen Tupfen, eine grandiose Stadt muss das sein, die da weit unter dieser im Himmel schwebenden Terrasse sich bewegt und pulsiert... [?] 360 Grad Panorama, Unicenter Noch immer, 30 Jahre nach seiner Errichtung, gilt das Unicenter an der Luxemburger Straße Ecke Universitätsstraße als größtes, wenn auch mit seinen 131 Metern nicht als höchstes Wohngebäude Deutschlands. Neuankommenden Studenten ist es spätestens seit den 80ern gar Menetekel einer Zukunft, in der die Wohnungsnot alle günstigen Altbauten verschlungen und der letzte Zettel am Schwarzen Brett sich als Sackgasse erwiesen hat. Ein Missverständnis: Richtig ist, dass das Kölner Studentenwerk als Miteigentümer eines Teils der knapp 1000 Wohnungen auftritt, richtig auch, dass anderswo 2500 Einwohner ganze Stadtteile zu bevölkern in der Lage wären. Doch die meisten Einheiten sind in privater Hand und es ist keinesfalls ein Schicksalsschlag, vielmehr – zumindest ab dem, sagen wir, 20. Stockwerk – ein Privileg, hier zu wohnen. Und natürlich sind es die drei exponiertesten Orte, für die dies im Besonderen gilt: die drei Penthouse-Terrassen oben auf den Armen des sternförmigen Baus. Die oberste im 41. Stock besticht dabei nicht nur durch Aussicht, sondern auch durch ihre Gestaltung und die sie erschließenden Architektur. Zwischen vernachlässigten Lehmhügeln steht man hier oben nicht mehr, seit der Fotograf Achim Lippoth das Penthouse vor einigen Jahren übernahm und samt des 130 Quadratmeter messenden Freibereichs umbauen ließ. Im Innern sind die einstigen Schachtelzimmer zugunsten einer überwältigenden Wohnweite gewichen; gebündelt schließen die nötigen Einbauten an die Stirnwand des Apartments an, von den Panoramascheiben aber halten sie Abstand: Nichts, das den Ausblick stören wurde, selbst von der offenen Dusche, vom Schlafbereich, von der Küche wandert der Blick über die sich dehnende Stadt. Und niemand, der hereinschauen könnte, nur Heißluftballons ziehen manchmal vorbei, während die Dämmerung anbricht und die Grenze zwischen Innen und Außen verwischt. Ein eigenartiges Licht herrscht dann hier oben, eine seltsame Helligkeit, die selbst dann noch verbleibt, wenn kein Vollmond strahlt und nur noch glühende Lichtpunkte die schwarze Nacht perforieren. Wer dann hinaustritt, auf die beplankte Terrasse, zwischen die Schattenrisse der acht Felsenbirnen in hölzernen Trögen, vermag diese Stadt kaum mehr zu erkennen. Leuchtspuren zeichnen den Stadtplan nach, im Nordosten schimmert der Dom, fern im Westen die Baustelle des Müngersdorfer Stadions, doch alles hat sich verwandelt. Die dunklen Flächen der beginnenden Eifel scheinen unbekanntes Land, vor Hürth ruht romantisch die Industrie, während sich grad unten der von Bäumen gesäumte Boulevard de Luxembourg erstreckt: Erhebend müsste es sein, ihn entlang zu wandeln, beginnend vielleicht an jener großzügigen Avenue de l’Université, wenn sie bloß nicht verschwindet, solange man noch im rappelnden Aufzug steckt. Dies ist nicht mehr das Köln, das sich Mühe gibt, Millionenstadt zu sein und zu bleiben, mit seinen kölschen und zuweilen provinziellen Eigenarten; was sich hier darbietet ist geheimnisvoll lebendig und zugleich viel abstrakter, ist das Bild einer Stadt. Olaf Winkler Freier Architekturjournalist und Redakteur der Zeitschriften polis und build, Köln [?] 360 Grad Panorama, Unicenter |
![]() ![]() Die Sicht von Oben zeigt Dächer, die zum fließenden städtischen Raum zählen oder so abstrakt wie ein Architekturmodell sind. Dächer, die die wechselhafte Kölner Geschichte erzählen oder pures Freizeitvergnügen sind. Volkshochschule Dom Sportmuseum Südamerikahaus Unicenter Wallraf-Richartz-Museum |
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