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Historischer Hohlraum | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Der Dachstuhl des Kölner Doms Den Tausenden, die 1880 den Vollendungsfeiern des Kölner Doms beiwohnten, muss der gewaltige Adler entrückt und machtvoll zugleich erschienen sein. Zu oberst thronte er auf dem Gerüst zwischen den beiden Türmen und huldigte Wilhelm I., dem Träger weltlicher Autorität. 120 Jahre später sind alle Kaiser gegangen, der Dom hingegen steht und ist noch immer das Maß aller baulichen Dinge rundum. Der schwarze Vogel mit den weit ausgebreiteten Schwingen aber hat sich ins abgeschiedene Innere zurückgezogen; an der westlichen Stirnwand unter dem Dachstuhl der Kathedrale bewacht er heute einen auf seltsame Weise historischen, hohlen Raum. [?] Aus "CD-ROM Kölner Dom" (c) Cologne Digital Medienproduktion GmbH / Atelier für Mediengestaltung Köln Denn während die Silhouette des Doms mit ihren Türmen und der hohen Firstkante das Kölner Stadtbild prägt und die Decke hochdroben im Innern einen der eindrucksvollsten sakralen Orte beschirmt, verbirgt sich zwischen den Gewölben und der bleiernen Eindeckung ein einzigartiger, den Augen der Kirchgänger entzogener Raum. Wie auf dem Schnürboden eines Theaters treten hier, gleichsam auf der Rückseite des Sakralen, nicht die Zeichen des Glaubens zutage, sondern die Züge einer meisterhaften Konstruktion. Fachwerkträger aus filigranen Stahlprofilen spannen ein 15 Meter weites und 20 Meter hohes Zeltdach auf, zeichnen das lateinische Kreuz des Grundrisses nach und erscheinen dabei, zumal im orangefarbenen Schutzanstrich, auf erstaunliche Weise modern. Nicht zu unrecht: Als das Dach 1860, mehr als 600 Jahre nach der Grundsteinlegung zu Meister Gerhards überwältigendem Projekt, schließlich vollendet wurde, sahen konservative Kräfte in dem stählernen Gespinst einen Verrat an den traditionellen Bautechniken. Dass sich die Befürworter der zeitgemäßen Lösung durchsetzten, bescherte dem Dom, knapp drei Jahrzehnte vor dem Bau des Pariser Eiffelturms, eine der großartigsten Stahlkonstruktionen jener Epoche – und eine Widerstandsfähigkeit, die sich erst nach Lebzeiten der Erbauer bewährte. So wird, wer genauer hinsieht, kleine Narben an den feinen Gliedern entdecken: Spuren der Bomben, die den auf Fotos der späten 40er Jahre nur vermeintlich unversehrten Baukörper trafen. Tatsächlich hielt, obwohl das Gewölbe in Teilen einstürzte (zuletzt durch die Druckwelle, als man nach dem Krieg die zerstörte Hohenzollernbrücke sprengte), der Dachstuhl selbst stand. Zugleich aber führen die stoisch ertragenen Schründe den riesigen Bau auf menschliches Maß zurück, zu Dompolier Bernhard Leich etwa, der in den frühen Morgenstunden des 15. Oktober 1944 dort oben im Bombenhagel Brandwache hielt, doch während des gleichen Angriffs daheim in Deutz Frau und Kinder verlor. Der Maßstab des Historischen setzt die Dinge auf seltsame Weise in ein Verhältnis, das gerade hier des Alltäglichen nicht entbehrt. Immer wird man hier oben Zimmerleute und Steinmetze antreffen, die in nie abgeschlossener Arbeit jenen Bau erhalten, von dem die Kölner glauben, dass seine Fertigstellung das Ende der Welt bedeuten werde. Doch solange die Welt noch steht, lässt sie sich auch betrachten. Und so führt schließlich eine gusseiserne Spindel, ihrerseits eine beeindruckende Verbindung von Schmuckwillen und industrieller Fertigung, hinauf in den auf acht mächtigen Stahlstützen lastenden Vierungsturm. Von der kleinen loggienartigen Plattform reicht das Auge an schönen Tagen bis nach Düsseldorf und zum Siebengebirge: ein Rundumblick, grandioser noch als vom südlichen der beiden Haupttürme, wo die Masse des Turms selbst im einzelnen Moment immer nur die Sicht in eine Richtung erlaubt. Vor allem aber ist man, anders als an jenem höchsten Punkt, dem Reichtum an Fialen, Kapitellen, Kreuzblumen und goldenen Spitzen nahe, die man sonst nur von Ferne sieht. Vor dem Hintergrund der Stadt tut sich eine piranesische Unüberschaubarkeit auf, die noch erstaunlicher erscheint, da man nun weiß, dass man mit den Füßen über einem weit überspannten Hohlraum steht: jenem Raum, der wie kaum ein anderer Ort im Dom nicht nur vom vollbrachten Werk, sondern vom Bau der Kathedrale erzählt. Olaf Winkler Freier Architekturjournalist und Redakteur der Zeitschriften polis und build, Köln [?] Aus "CD-ROM Kölner Dom" (c) Cologne Digital Medienproduktion GmbH / Atelier für Mediengestaltung Köln |
![]() ![]() Die Sicht von Oben zeigt Dächer, die zum fließenden städtischen Raum zählen oder so abstrakt wie ein Architekturmodell sind. Dächer, die die wechselhafte Kölner Geschichte erzählen oder pures Freizeitvergnügen sind. Volkshochschule Dom Sportmuseum Südamerikahaus Unicenter Wallraf-Richartz-Museum |
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